Jorge Lorenzo ist fest entschlossen, seinen Zweijahres-Vertrag bei Honda zu erfüllen – und zuversichtlich, dass die Japaner das Bike für 2020 mit seiner Hilfe verbessern werden.

Jorge Lorenzos Duktus hat sich im Laufe dieser MotoGP-Saison verändert. Vor der Verletzung in Assen, wegen der er vier Rennen verpasste, waren seine Aussagen stets positiv. Er hob die Schritte (oder kleinen Schritte) hervor, die er in seinem Prozess der Anpassung an die RC213V unternommen hatte. Er betonte auch die großen Anstrengungen seitens des Herstellers.

Die Wende kam dann beim Großen Preis von Österreich. Dieser entlarvte Lorenzos anhaltende Kontakte zu Ducati. Plötzlich stand die Möglichkeit im Raum, seine Vereinbarung mit Honda, die Ende nächsten Jahres ausläuft, zu brechen.

Bei seiner Rückkehr in Großbritannien lag er mit 56 Sekunden Rückstand auf den Sieger (Alex Rins) auf Platz 14. In Misano zwei Wochen später wieder auf Platz 14. In diesem Fall aber 47 Sekunden hinter Marc Marquez. Am vergangenen Sonntag überquerte er im Motorland Aragon als Zwanzigster die Ziellinie. Dieses Mal 46 Sekunden hinter dem Sieger – wiederum seinem Teamkollegen.

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Rückenprobleme und Mangel an Selbstvertrauen

Zwischen den Rückenproblemen, die er seit dem Unfall in Assen hat, und dem Mangel an Selbstvertrauen, das ihm die Honda gibt, hat Lorenzo nun die Merkmale des Prototyps 2019 hervorgehoben, von denen er behauptet, dass sie ihm schaden.

„Ich habe mit Takeo (Yokoyama, dem technischen Direktor; Anm. d. R.) gesprochen und ihm gesagt, was ich denke. Dass wir mit der Leistungssteigerung des diesjährigen Motors in einigen Aspekten gewonnen, aber in anderen verloren haben. Vor allem in Bezug auf das Verhalten des Bikes in den Kurven“, sagte Lorenzo.

Unter den vier Honda-Fahrern (Marquez, Lorenzo, Crutchlow und Nakagami) gab es bisher 31 Stürze, Marquez und Crutchlow mit neun, Nakagami mit sieben und Lorenzo mit sechs. Die Tatsache, dass die Zahl der Unfälle nicht so hoch ist, wie man es erwarten könnte, steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass nur der aktuelle Champion in der Lage ist, mit dem Motorrad 2019 wirklich schnell zu fahren.

Lorenzo war in Japan

Kurz nach dem Großen Preis von Italien Ende Mai flog Lorenzo nach Japan, in die HRC-Zentrale, auf eine dreitägige Reise. Dabei arbeitete er nicht nur an der Ergonomie des Motorrads, sondern gab auch einige Hinweise, was seiner Meinung nach getan werden sollte, um das Modell 2020 etwas fahrbarer zu machen.

Während des letzten Rennwochenendes in Aragon fragte ‚Motorsport-total.com‘ Jorge Lorenzo, was er tun müsse, um Honda davon zu überzeugen, dass seine Richtlinien in der Tat diejenigen seien, die im Hinblick auf die kommende Saison befolgt werden sollten. Zumal er dieses Motorrad noch nicht testen konnte.

„Alles, woran in Japan gearbeitet wurde, ist für das Motorrad des nächsten Jahres noch aktuell. Ich denke, sie arbeiten daran. Aber bis wir das Motorrad ausprobieren, werden wir es nicht wissen“, antwortete Lorenzo. Er hat neben dem Vorhaben, die Honda zu zähmen, jetzt aber noch eine viel wichtigere Aufgabe: Das Vertrauen seines Chefs zurückzugewinnen.

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