Johann Zarco kann seine Selbstzweifel als LCR-Ersatzpilot zwar ausmerzen, muss aber um die Zukunft in der MotoGP bangen – Kritik an Jorge Lorenzos Rücktritt.

Ist der MotoGP-Zug für Johann Zarco abgefahren? Beim MotoGP-Saisonfinale in Valencia verdichteten sich die Hinweise darauf, dass Honda Moto2-Champion Alex Marquez den Vorzug gibt. Um den zurückgetretenen Jorge Lorenzo zu ersetzen und Teamkollege von Marc Marquez zu werden.

Ob sich Zarco mit einem starken Ergebnis beim Saisonfinale noch einmal hätte ins Spiel bringen können, ist fraglich. Sein drittes Rennen im Team von LCR-Honda, wo er den verletzten Takaaki Nakagami ersetzte, beendete er nach 13 Runden mit einem Sturz vorzeitig. Er lag zu diesem Zeitpunkt als Elfter knapp außerhalb der Top 10.

„Ich kann nur immer wieder sagen, dass die Honda ein großes Potenzial hat. Aber es ist nicht leicht, einen Weg zu finden, das auch vollkommen auszuschöpfen. Wenn es so wäre, wären mehr Fahrer in der Lage, vorne mitzufahren“, sagt Zarco. „Es ist positiv, dass ich es spüren konnte. Aber es braucht Zeit, sich an das Motorrad anzupassen und das Motorrad an sich anzupassen.“

Unglaubliche Szene: Zarco nach Sturz von Bike umgemäht

Zarco: „Konnte viele Zweifel ausräumen“

Seine Zukunft in der MotoGP bleibt ungewiss: „Es sieht so aus, als wären die Türen mehr oder weniger geschlossen. Das ist schade. Aber im Moment ist nichts zu 100 Prozent sicher. Deshalb kann ich noch nichts sagen“, kommentiert er seine Chancen, in der Königsklasse zu bleiben.

„Ich will mich auf jeden Fall bei Lucio Cecchinello (LCR-Teamchef, Anm. d. Red.) und Honda bedanken, dass sie mir diese Chance in den letzten drei Rennen gegeben haben. Es hat mir gezeigt, dass ich immer noch an mir arbeiten und zurück auf das Toplevel der MotoGP gelangen kann. Ich konnte viele Zweifel, die ich in diesem Jahr hatte, aus dem Weg räumen.“

So sehr er auf einen Verbleib in der MotoGP hofft, um jeden Preis wolle er nicht bleiben, betont der Franzose: „Ich will nicht denselben Fehler zweimal machen. Darum werde ich genau nachdenken und abwägen“, spielt er auf seinen Wechsel zu KTM vor einem Jahr an. Der Traum vom Werksplatz wurde für ihn schnell zum Albtraum. Im Sommer folgte die Trennung.

Franzose stichelt gegen Lorenzo-Rücktritt

„Meine Entscheidung bereue ich keineswegs. Ich hatte letztlich Glück, dass mich KTM früher gehen lassen hat, um schließlich die Chance mit Lucio ergreifen zu können“, sagt Zarco rückblickend und stichelt in dem Zusammenhang auch gegen Honda-Pilot Jorge Lorenzo.

„Ich denke, ich war ein Gentleman, indem ich KTM früh in der Saison klar gesagt habe, dass ich 2020 nicht weitermachen möchte. Um ihnen die Zeit zu geben, ihre eigene Zukunft zu planen. Dieser Weg war ein guter Weg. Denn wir konnten an diesem Wochenende sehen, dass sich nicht jeder so verhält. Selbst wenn er ein Champion ist.“

Lorenzo hatte am vergangenen Donnerstag seinen MotoGP-Rücktritt zum Saisonende 2019 erklärt. Damit wurde sein Platz im Repsol-Honda-Team für das kommende Jahr vakant. Zählte zunächst Zarco zum engeren Favoritenkreis, schwenkte das Pendel schnell zu Alex Marquez. Einen möglichen Wechsel zu Avintia-Ducati schloss Zarco aus.