Für viele mag es Unkraut sein, für Rudolf Seebacher ist die Brennnessel ein wahrer Tausendsassa aus der Natur.

Der Rudi, Rudolf Seebacher, ist bodenständig, hat Humor und eine vermeintliche Unbekümmertheit. Relativ früh hat er die Landwirtschaft der Familie übernommen, mitten in Bad Mitterndorf im steirischen Salzkammergut gelegen. In seinen wilden Zwanzigern empfand er das mehr als Pflicht denn als Passion – bis zu einem Erlebnis als Hundestaffelführer. Seit damals keimte in ihm der Gedanke, dass man mehr mit der Natur leben und arbeiten soll – und so hat er seine Landwirtschaft umgestellt.

Kommt man auf den Hof oder die umliegenden Felder, wird man vor allem eines vermissen – das Geräusch von Traktoren. Die hat Rudi nämlich vor sieben Jahren durch seine Noriker iFalke Elmar, Ronaldo Vulkan, Esta, Phiala und Muezin ersetzt, um den Boden und die darin befindlichen Lebewesen und Bakterien zu schonen. Und so bewirtschaftet er die insgesamt zwanzig Hektar, bestehend aus Acker, Wald und Wiesen, ausschließlich mit den genügsamen Vierbeinern.

Bei jeder Blüte, die wir abbrocken, überlegen wir, ob sie für unseren Tee auch gut ist.

Rudolf Seebacher

Gemeinsam bedeutet auch, dass die Energie von Mensch und Pflanze mit dem Tag der Ernte zusammenpasst. Rudi nennt das die „menschliche Selektion“: „Meine Leute dürfen nur ernten, wenn sie wirklich gut drauf sind“, damit die feinstoffliche Energie auch erhalten bleibt, das Positive und die Liebe Eingang in die Lebensmittel findet.

Der Bauernladen als Treffpunkt

Das Gebäude „Am Seebacherhof“ steht mitten in Bad Mitterndorf. Die Tiere – außer den Katzen – haben vor einigen Jahren einen eigenen Stall und eine Wiese 200 Meter vom Haus entfernt bekommen, „damit sie leichter hinausgehen können und nicht über die Straße müssen.“ Die Tiere, das sind neben den Norikern Ennstaler Bergschecken, Sulmtaler Hühner und Mangalitza-Schweine.

Das alte Bauernhaus mit seinen liebevoll gestalteten Holzbalkonen und umgeben von einem traditionell gebauten Zaun ist das Wohnhaus der Familie, beherbergt auch einen Selbstbedienungs-Bioladen. Neben den angebotenen Lebensmitteln soll der Hof auch ein Platz sein, wo Soziales, Schönes einen Nährboden findet.

„Unkräuter werden am Seebacherhof Beikräuter genannt – auch sie haben eine Daseinsberechtigung.“

Rudolf Seebacher
Foto: Raphael Gabauer

Schon gewusst? Brennnessel-Samen wird seit Jahrhunderten eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Außerdem sollen die Samen laut Naturheilkunde vitalisierend und konzentrationsfördernd wirken. Die Bio-Brennnessel Samen von Rudolf Seebacher sind bei Servus am Marktplatz erhältlich.

Die Brennnessel als Lieblingspflanze

Das einzige, was hier irritieren könnte, ist der Brennnesselbestand am Hof. Doch für Rudi sind Brennnessel kein Unkraut, sondern sogar seine Lieblingspflanze. Die Vorliebe für die oft als Unkraut verunglimpfte Nessel hat er bereits in seinen Kindheitstagen entwickelt: Bei Mutproben war er nämlich fein raus – es hat auf seiner Haut nicht so sehr gebrannt, wie bei anderen Kindern. Ein Zeichen? Schicksal?

Fest steht: Ob Spinat, Pesto, die getrockneten Samen, Tee, Sirup und sogar Kleidung – man kann vieles aus Brennnesseln machen. Natürlich wird damit am Hof auch die Jauche angesetzt, die dem Boden seine Nährstoffe bringt. Für Rudi ist die Brennnessel die am weitesten entwickelte Pflanze, die nicht giftig ist.

Für und mit der Natur leben

„Wenn ich einmal Enkelkinder habe, möchte ich ihnen mit ruhigem Gewissen in die Augen schauen können und sagen, ich habe wenigstens versucht, etwas für die Umwelt zu tun.“

Und er tut auch für das Dorf etwas – so werden seit 2012 die gelben Säcke im Dorf mit den Pferden abgeholt.

„Bevor wir morgens zur Arbeit hinauspilgern, wird nicht nur das Wetter, sondern auch der Mond und die Gestirne ausführlich geprüft. So versuchen wir all unseren Produkten eine positive Energie mitzugeben.“

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