Der Wunsch, Jahresereignisse nicht nur zu beobachten, sondern vorherzusagen und in einer bestimmten Form zu verfolgen, ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Servus-Expertin Miriam Wiegele anlässlich des Schaltjahres 2020 über die Entstehung von Kalendersystemen und was Sonne, Mond und Bäume damit zu tun haben.

Der Wechsel von Tag und Nacht, der Mondphasen und der Jahreszeiten – die Menschheit dürfte für diese sich ständig wiederholenden Zyklen in ihrer Umwelt bereits sehr früh ein Bewusstsein gehabt haben. Kein Wunder, schließlich hing das Nahrungsangebot bereits lange bevor unsere Ahnen Ackerbau betrieben von den jahreszeitlich bedingten Klimaschwankungen ab. Für die einstigen Jäger und Sammler war es überlebenswichtig, zu wissen, ob ein paar kalte Tage als eine Wetterlaune einzustufen waren oder den Beginn des langen, kargen Winters markierten. Sie mussten erkennen, wann welche Sträucher und Bäume (wieder) Früchte trugen und zu welchen Zeiten sich jene Tiere, die sie bejagten, auf Wanderung oder zur Winterruhe begaben.

Himmlische Zeichen

Schon seit frühesten Zeiten gab es daher den Wunsch, die Ereignisse des Jahres in einer bestimmten Form beständig verfolgen zu können. So entstanden die ersten Kalendersysteme, wobei die frühesten durch Beobachtung gewonnen wurden. Der Eintritt eines bestimmten astronomischen Himmelsereignisses wie beispielsweise des Neumonds markierte dabei einen neuen Zyklus. Ein festes Mondjahr mit zwölf Monaten kannten unsere Urahnen aber noch nicht. Die Indogermanen benannten die Jahreszeiten nach bestimmten Begebenheiten wie Festen oder Naturereignissen. Die Jahre wurden meist nach einzelnen Jahreszeiten gezählt, vor allem nach Wintern.

Diese Methode der astronomischen Zeitmessung hatte jedoch einen entscheidenden Nachteil: Ereignisse ließen sich nur tagesaktuell beobachten, aber nicht wirklich präzise voraussagen. Immer mehr Kulturen begannen deshalb, ihre Kalender zu berechnen.

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Der babylonische Wochenzyklus

Die ältesten heute noch bekannten Kalender stammen aus den frühen Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Hier zeigten sich schon zwei grundlegende Kalendertypen, die bis heute die meisten Kalendersysteme prägen: der an den Mondphasen orientierte Mondkalender und der astronomische Kalender, der den Lauf der Himmelskörper widerspiegelt. Spätestens von den Babyloniern wurde der siebentägige Wochenzyklus entwickelt, der heute fast weltweit den Ablauf des Alltags regelt. In anderen Kalendern gab es ähnliche Zyklen zwischen fünf und zehn Tagen.

Warum gibt es ein Schaltjahr?

Die Anpassung von Wochen- und Monatsfolgen an die feste Größe des astronomischen Jahres war dabei nicht einfach zu lösen. Erst Julius Cäsar (100–44 v.Chr.) schuf zwei Jahre vor seinem Tod durch die Einführung des nach ihm benannten julianischen Kalenders den Ausgleich mit dem Sonnenjahr. Kaiser Augustus (63 v.–14 n.Chr.) fügte dann die heute noch gebräuchlichen Monatslängen und das Schaltjahr hinzu. Dieser Kalender diente 1.500 Jahre, dann war er um rund zehn Tage hinter den natürlichen Sonnenstand zurückgefallen. Papst Gregor XIII. (1502–1585) führte deshalb 1582 den sogenannten gregorianischen Kalender ein, bei dem eine neue Schaltregel aufgestellt wurde:

Schaltjahre sind die Jahre, deren Jahreszahl durch vier und vierhundert teilbar ist, nicht aber jene, deren Jahreszahl durch hundert teilbar ist.

Der gregorianische Kalender ist heute die einzige Grundlage, wenn man internationale Termine vereinbaren muss.

Islamisch, jüdisch, chinesisch

Es gibt daneben noch viele andere Kalendersysteme, etwa den islamischen Kalender, einen Mondkalender, oder den jüdischen Kalender, einen Lunisolarkalender, der ein Mondkalender mit Angleichungen an die Sonnenjahre ist. Der chinesische Kalender ist der komplizierteste überhaupt: Er kombiniert drei verschiedene Kalendersysteme. Bis zum 27. Januar 2017 dauert noch das chinesische Jahr des Feuer-Affen, in dem angeblich alles passieren kann.

Mond scheint hinter Wiese mit Baum. (Bild: Pixabay)

Der Kalender der Kelten 

Eine Besonderheit unter den „Zeitweisern durch das Jahr“ ist jener der Kelten, die schon 900 v.Chr. Europa besiedelt haben. Das erste Mal wurde ein keltischer Kalender beschrieben, als bei archäologischen Grabungen 1897 in der Nähe der Ortschaft Coligny in Frankreich Tafelbruchstücke gefunden wurden, die als Kalenderfragmente gedeutet wurden. Es handelte sich dabei um einen lunisolaren Kalender, der sich sowohl nach der Sonne als auch nach dem Mond richtete. Er hatte zwölf Monate, die durch einen jeweils nach zweieinhalb Jahren eingeschobenen Schaltmonat an das Sonnenjahr angeglichen wurde.

Nicht nur Sonne und Mond waren den Kelten „Zeitweiser“, sondern auch Pflanzen – schließlich war ihr Leben als Bauern an den Zyklus der Natur gebunden. Vor allem das Ergrünen der Bäume, ihr Blühen und Früchtetragen, ihr Laubabfall und ihre Ruhephasen waren den Kelten Zeichen des Zeitenwandels. Dieser Kalender musste aber nicht aufgeschrieben werden – die Natur selbst schrieb ihn mit den Zeichen des Jahresrhythmus und musste nur gelesen werden.

Einen „keltischen Baumkalender“ oder gar ein „Baumhoroskop“, wie man sie in den Buchläden findet, gab es also weder im Brauchtum noch in der Religion der Kelten. Vermutlich teilten die Kelten ihre Bäume dennoch nach bestimmten Kriterien ein, so wie viele naturverbundene Völker. Es gab Häuptlingsbäume oder Bäume, die bestimmten Gottheiten geweiht waren. Sie zu fällen war verboten und wurde streng bestraft. Widerrechtliches Schlagen von Haselsträuchern oder Apfelbäumen wurde sogar unter Todesstrafe gestellt. Welche Bäume tatsächlich als Häuptlingsbäume galten, ist im Dunkel der Zeit versunken.

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Was ist Zeit?

Das allgegenwärtigste und zugleich geheimnisvollste Phänomen dieser Welt ist die Zeit. Obwohl uns allen bekannt, ist die Zeit eine unbekannte Größe. Und schon Augustinus antwortete im 4. Jahrhundert auf die Frage, was Zeit sei:

„Wenn mich niemand danach fragt, weiß ich’s; will ich’s einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“

Augustinus

Noch heute ist die Zeit ein Thema großer Diskussionen. Philosophen und Wissenschaftler geben gerne zu, dass ihre Vorstellungen von der Zeit allenfalls brauchbare Hypothesen sind. Dabei stellt sich auch die Frage, ob die Zeit auch da wäre, wenn es keine intelligenten Lebewesen gäbe, die über sie nachdenken.

Die Sonne geht auch ohne uns in regelmäßigem Zyklus auf und unter. Auch der Mond hat seine „Ordnung“, ebenso die Planeten und alle anderen Wandelsterne – und dies alles ohne unser Zutun. Sogar die Erde dreht sich um sich selbst, als ob wir gar nicht da wären. Somit ist es plausibel, dass die Regelmäßigkeit von Tag und Nacht, Neumond und Vollmond und so weiter „Anordner“ sind für alles, was auf der Erde lebt. Und es ist auch natürlich, dass der Mensch seine Zeiteinteilung den Gegebenheiten des Sonnensystems anpassen wollte.

Die Naturwissenschaft hat es Albert Einstein zu verdanken, dass sie sich zumindest klar darüber sein kann: Zeit ist nicht nur, was wir mit Uhren messen und mit Kalendern zählen können. Sie ist die sogenannte vierte Dimension, ohne die unsere drei längst bekannten Dimensionen nicht da wären: Raum ist Höhe, Breite und Tiefe. Albert Einstein hoffte, wir würden eines Tages Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Illusion erkennen.

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