Der zweifache Medaillengewinner bei der Ski-WM in Aare, Vincent Kriechmayr, zu Gast bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“.

Er ist in der laufenden Saison der schnellste Österreicher auf Skiern: Vincent Kriechmayr. Mit derzeit Platz zwei im Super-G-Weltcup – und vor allem seinen zwei Medaillen bei der Ski-WM in Aare – hat der sympathische Oberösterreicher dies auch eindrucksvoll unterstrichen. Was sind die Pläne für das Saisonfinale in Andorra und welche langfristigen Ziele hat der 27-Jährige? Darüber spricht Moderator Christian Nehiba bei „Sport und Talk aus dem Hangar-7“ mit ihm exklusiv nach dem Weltcup-Wochenende von Kvitfjell.

Wir haben sieben spannenden Fakten über Vincent Kriechmayr recherchiert:

1. Sein Name

Vincent Kriechmayr ist nach dem niederländischen Maler und Zeichner Vincent Van Gogh benannt. Warum? Seine Mutter Gertrudis, eine gebürtige Belgierin, ist Kunstgeschichte-Lehrerin. Sie reiste einst von Flandern in den Skiurlaub nach Österreich, lernte dort ihren zukünftigen Mann Heinrich kennen und ließ sich wie er zum Skilehrer ausbilden. Und im Ski-Zirkus nennen ihn alle „Vinc“.

2. Er ist Zwilling

Der (Zwillings-)Bruder von Vincent heißt – ebenfalls an einen Künstler angelehnt – Rafael, die Schwester Jacoba. Kriechmayr wurde am 1. Oktober 1991 fünf Minuten vor seinem Zwilling Rafael geboren. Die große Schwester steht auch auf den Skisport: Sie ist abseits der Pisten in der Freeriding-Szene aktiv. Rafael hingegen wird den elterlichen Hof übernehmen.

3. Sein großes Vorbild

Kriechmayr hatte als Youngster das klare Ziel, als erster Oberösterreicher seit Hannes Trinkl in der Weltspitze mitzumischen. „Hannes Trinkl war und ist ein großes Vorbild“, sagt Kriechmayr über den Abfahrts-WM-Champion von 2001, der heute als FIS-Renndirektor auch in seiner Heimat seines Amtes waltet. „Ich war auf ihn immer stolz, weil er die oberösterreichischen Fahnen immer hochgehalten hat und tolle Erfolge gefeiert hat.“ Auch die Hannes-Trinkl-Weltcupstrecke kennt Kriechmayr wie die berühmte Westentasche: „Das erste Mal war ich mit neun Jahren dort Skifahren. Später habe ich dort immer trainiert, weil ich wenige Kilometer entfernt in die Skihauptschule gegangen bin“, erzählt Kriechmayr. Als weitere Helden seiner Kindheit nennt er Hermann Maier, Benjamin Raich und Stephan Eberharter.

4. Der erste Sieg

Im 86. Weltcup-Rennen hat es für Vincent Kriechmayr das erste Mal mit dem Sieg geklappt: Am 1. Dezember 2017 feiert der damals 26-Jährige im Super-G von Beaver Creek seinen ersten Triumph vor dem Norweger Kjetil Jansrud (+0,23 Sek.) und Landsmann Hannes Reichelt (0,33). Der Oberösterreicher war zuvor dreimal in seiner Karriere auf einem Weltcuppodest – zweimal Zweiter und einmal Dritter jeweils im Super-G. „Natürlich hatte ich mit dem Licht eine Fett’n“, gibt der 26-Jährige aus Gramastetten nach dem Sieg zu. „Aber das ist einer der lässigsten Super-G überhaupt, hier gewinnt man nur mit voller Attacke. Deshalb wird mir heute das Grinsen nicht mehr vergehen.“ In Beaver Creek holte Kriechmayr – vier Jahre zuvor – auch seine ersten Weltcup-Punkte überhaupt: Am 7. Dezember 2013 fuhr er im Super-G auf den 16. Platz. Zeitgleich mit Marcel Hirscher hatte er damals einen Rückstand von 1,29 Sekunden auf den Schweizer Patrick Küng. Mittlerweile hat der Oberösterreicher vier Weltcup-Rennen gewonnen.

5. Zwei Medaillen bei einer WM

Seine bisher größten Erfolge feiert Vincent Kriechmayr bei der heurigen Ski-WM in Aare: Im Super-G holt er Silber (ex aequo mit dem Franzosen Johan Clarey), in der Abfahrt Bronze. Damit ist er der erste österreichische Rennläufer seit Michael Walchhofer 2005 in Bormio – ebenfalls Silber im Super-G und Bronze in der Abfahrt -, der zwei Speed-Medaillen bei einer WM gewonnen hat. „Ich freue mich irrsinnig, ich habe zwei Medaillen, unglaublich. Das ist eine wunderschöne WM für mich. Es hat letztes Jahr beim Finale schon super angefangen, anscheinend mag ich den Berg recht gern“, sagt der 27-Jährige. Er hatte im März 2018 sowohl Abfahrt, als auch Super-G beim Weltcup-Finale in Aare gewonnen. Besonders wertvoll ist für ihn auch, dass eine kleine Abordnung rund um seine Eltern nach Aare gereist war: „Sicher sind Medaillen und alles schön, aber wenn man die Leute stolz machen kann und sieht, wie sie sich mit einem mitfreuen, ist das natürlich viel schöner als eine Medaille.“ Kriechmayr ist übrigens der erste Oberösterreicher seit Hannes Trinkl (Abfahrts-Gold 2001 in St. Anton), der eine WM-Medaille gewann. „Ich verstehe mich sehr gut mit Hannes, er ist immer da, wenn ich ihn brauche“, sagt er über den nunmehrigen FIS-Renndirektor.

6. „Vinc“ als „Knecht“

Kriechmayrs Familie züchtet zu Hause auf dem Bauernhof in der hügeligen Koglerau nahe dem Pöstlingberg Charolais, das ist eine französische Rinderrasse. Daher hat er vollstes Verständnis, wenn seine Familie nicht zu seinen Rennen anreisen kann. Vincent ist sehr mit seiner Familie verbunden und hilft daheim mit, wenn es die Zeit erlaubt. Und er bezeichnet sich selbst als „Knecht“: „Da bin ich nur der Knecht. Da mache ich nur, was mir angeschafft wird. Da muss ich nicht denken, nur arbeiten“, wird er 2018 nach seinem Aare-Doppelsieg zitiert.

7. Erste Kugel?

Für Vincent Kriechmayr geht es jetzt noch um die kleine Kristallkugel im Super-G. Aber mit Platz vier am vergangenen Wochenende in Kvitfjell in Norwegen muss er seine bisherige Führung im Super-G-Weltcup an den Super-G-Weltmeister Dominik Paris abgeben. Der Südtiroler liegt jetzt 44 Punkte vor dem Oberösterreicher. Die Entscheidung fällt also erst beim Weltcup-Finale in Soldeu. „Es war eine passable Fahrt, es wäre mehr am Limit gegangen. Natürlich habe ich mir mehr erhofft. Aber ich nehme es so wie es ist und kann jetzt beim Finale voll angreifen. Da werde ich mich dann voll am Limit bewegen, dann muss man schauen, wofür es reicht“, sagt Vincent Kriechmayr.

Alles zu Sport und Talk