Ein deutscher Routinier und zwei Latino-Rookies sorgen bei Österreichs Tennisstar für Fitness, Finesse und frische Freude am Job. Wir stellen das Trio in der Box von Dominic Thiem vor.

Physiotherapeut Alex Stober

Bereits 2015 von Günter Bresnik an Bord geholt, ist der in der Tennisszene als absolute Koryphäe legendäre Physiotherapeut Alex Stober maßgeblich an den Erfolgen von Dominic Thiem beteiligt. Seine täglichen Behandlungen während anstrengender Turnierwochen genau wie in der Saisonvorbereitung haben den 25-jährigen Niederösterreicher zu einem der auch muskulär und gelenkstechnisch solidesten Spieler in der Weltspitze gemacht.

Einer der Hauptgründe, warum Thiem neben den Herren Nadal und Federer der einzige ist, dem seit nun bald drei Jahren ein ununterbrochener Aufenthalt in den Top-10 vergönnt ist. Wie davor schon Allzeitgrößen wie Pete Sampras, Andre Agassi, Michael Stich und auch der dreifache Paris-Sieger Gustavo Kuerten bekam Österreichs Nummer 1 vom Deutschen Stober das ganz spezielle Rüstzeug in Sachen Flexibilität, Stabilität, Erholungsfähigkeit und Koordinationsvermögen verpasst, das es am Platz ermöglicht, sich voll und ganz dem Spiel zu widmen statt von lästigen Wehwehchen abgelenkt zu werden.

Die nun angerollte Sandsaison mit ihrem Höhepunkt in Roland Garros bringt für den immer bescheiden auftretenden Mann aus Nürnberg traditionell die intensivste Phase im ganzen Tennisjahr: „Verglichen mit dem Spiel auf Hartplatz ist Sandtennis viel aufwendiger. Häufig muss deutlich mehr in die Schläge investiert werden. Etwa, um dem Service mehr Kick zu verpassen oder überhaupt mit mehr Topspin zu spielen. Das bringt eine Mehrbelastung für die Schulter und das Handgelenk. Lange, laufintensive Ballwechsel belasten außerdem Knie und Knöchel. Besonders wichtig ist deshalb, eine möglichst gute Erholung zwischen den Matches sicherzustellen.“ Auch Letzteres hat Dominic Thiem laut Alex Stober drauf: „Das macht er auch gut, er kann hervorragend abschalten. Und ich schaue, dass er muskulär wieder gut dasteht.“

Gemeinsamer Aufschlag auf der ATP World Tour:
ServusTV und Sky kooperieren zu insgesamt 15 Spielen der ATP-Tour. ServusTV ist exklusiver FreeTV-Broadcaster in Österreich. Die Partnerschaft von ServusTV und Sky umfasst insgesamt 15 Spiele der ATP World Tour. Der Fokus wird dabei auf den Matches von Dominic Thiem liegen. ServusTV wird ausgewählte Top-Spiele des österreichischen Tennis-Stars live und exklusiv im österreichischen Free-TV sowie im Live-Stream auf servustv.com übertragen und rechtzeitig vor der jeweiligen Übertragung informieren.

Tenniscoach Nicolas Massu

Es war Ende August 2004 in Athen, als der damals 24-jährige seine Heimat in einen jubelnden Ausnahmezustand versetzte. Ohne Hartplatzsieg im vorolympischen Frühling aber mit dem Sandtitel von Kitzbühel angereist, eroberte er im Doppel mit Fernando Gonzalez gegen die Deutschen Kiefer/Schüttler die allererste olympische Goldmedaille für Chile. Tags darauf stockte er das Fünf-Ringe-Konto des 17-Millionenstaates um 100 Prozent auf und schnappte sich auch den Olympiasieg im Einzel. Das Opfer: der Amerikaner Mardy Fish. Ein Doppelschlag, der Nicolas Massu nicht nur Freudentränen brachte, sondern ihm zwischendurch auch einen Schock bescherte. Während der üppigen Siegesparty gingen nämlich beide Goldmedaillen temporär verloren, ehe eine findige Reinigungskraft nach Stunden für Erlösung sorgte.

Szenen, vielleicht typisch für den hochemotionalen Massu, der nach dem Ende seiner aktiven Karriere (6 ATP-Titel) im Jahr 2013 daheim in Vina del Mar eine Akademie eröffnete und 2014 zum chilenischen Daviscup-Captain bestellt wurde. Tennis ist ihm sichtbar eine Herzensangelegenheit. Das durfte man überdeutlich bei Chiles Cup-Sieg über Österreich im Winter in Salzburg erleben und das genießt nun Dominic Thiem, der „Nico“ im vergangenen Februar in Buenos Aires auf Empfehlung von Langzeitmentor Günter Bresnik in sein Team geholt hat.

Seither quittiert die einstige Nummer 9 der Welt, deren bislang prominenteste Schülerin die ehemalige Top-30-Amerikanerin Christina McHale war, gefühlt jeden Thiem-Punkt mit Jubelsprüngen und Becker-Fäusten und die zwischendurch nötigen Aufmunterungen fallen ebenfalls deutlicher aus, als jene vom Lehrmeister Bresnik. Mindestens gleich wertvoll wie das neue Happy-Feeling in der Box dürften für Dominic Thiem Massus technisch-taktische Lektionen während der Arbeit am Platz sein. Dabei legt der Neo-Coach beispielsweise besonderen Wert auf den Rückschlag: „Ich will, dass Domi das Service des Gegners näher an der Grundlinie, ja manchmal sogar innerhalb des Feldes annimmt. Unsere Analysen haben gezeigt, dass er bei erfolgreichen Turnieren von Spiel zu Spiel immer weiter aufgerückt ist.“

Dominic Thiem: "Es ist tennismäßig eine Trennung"

Konditionstrainer Duglas Cordero

Schattentennis im Bergaufmodus, im knietiefen Sand, über Stadiontreppen hoch, gegen den Zug von Gummibändern um die Hüften oder auch Schlagimitationen mit einer luftdichten und deshalb massiv bremsenden Hülle über dem Racketkopf – Training gegen künstliche Widerstände und methodische Übertreibungen sind die Spezialität von Duglas Cordero. Besser gesagt eine von sehr vielen, mit denen der kubanische Sportwissenschaftler Dominic Thiem seit Ende Februar sichtbar noch flinkere Beine macht. In Tenniskreisen gilt Cordero als Kapazunder, der es versteht, körperliche Qualen durch viel Abwechslung im Programm verdaulicher zu machen.

In sein Trainingssystem hat der grau melierte Frühfünfziger nicht nur das Wissen aus seinen auf Kuba und in Chile absolvierten Studien gepackt, sondern auch die Erfahrung aus Kooperationen in den unterschiedlichsten Disziplinen. In seiner alten Heimat, später in Chile, wo er seinem kubanischen Abschluss in Sportwissenschaften noch einen in Sachen Sport- und Physiotherapie folgen ließ, oder an seinem aktuellen Stützpunkt in Miami hat Duglas Cordero Athletinnen und Athleten aus Tennis, Basketball, Baseball, Rugby oder Football genauso fit gemacht wie Leichtathleten, Schwimmer oder die Rider des chilenischen KTM-Motocross-Teams.

Mit Dominic Thiem will er in diesem Jahr 15 bis 20 Wochen auf Tour sein – alles in Absprache mit seinem zweiten, prominenten Tenniskunden Fabio Fognini. Wie gut Österreichs Top-5-Mann auf die Methoden des Latino-Gentlemans anspricht, war bereits in Indian Wells zu sehen. Dort brachte Cordero den zu Saisonbeginn von einem Virus gebeutelten Thiem in kürzester Zeit körperlich wieder auf Vordermann. Und damit auch zurück auf die Turniersiegerstraße.

Text: Fritz Hutter / tennisnet.com