Der ehemalige Skispringer Lukas Müller kämpft seit dem Unfall, bei dem er einen inkompletten Querschnitt erlitten hat, vor Gericht gegen den ÖSV.

Am 13. Jänner 2016 hat das Leben des damals 23-jährigen Skispringers Lukas Müller eine tragische Wende erfahren: Der Kärntner stürzte als Vorspringer für die Skiflug-WM auf dem Kulm so schwer, dass er sich einen inkompletten Querschnitt zugezogen hat. Müller kämpft seither nicht nur mit seiner Beeinträchtigung, sondern vor Gericht auch mit dem Österreichischen Skiverband (ÖSV).

ÖSV: Freizeit-Unfall

Der ÖSV ist der Meinung, dass der fatale Unfall auf dem Kulm als Freizeit-Unfall einzustufen ist, Lukas Müller hingegen will dies als Arbeitsunfall eingestuft sehen. Der Fall Müller ist seither gerichtsanhängig. Müllers Anwalt, Andreas Ermacora, bringt die Causa nun vor den Verwaltungsgerichtshof. Davor hatte die Kärntner Gebietskrankenkasse Müllers Tätigkeit als Vorspringer als Dienstleistung anerkannt, das Bundesverwaltungsgericht wies nach Einspruch des ÖSV Müllers Begehren aber wieder ab.

Anwalt: „Ein Präzedenzfall“

„Der erste Punkt ist der, dass er etwas dafür bezahlt bekommen hat, was über der Geringfügigkeits-Grenze gelegen ist, so dass wir schon aus diesem Grund der Meinung sind, dass es versicherungspflichtig ist“, erklärt Ermacora. „Der zweite ist der, dass er in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Veranstalter gestanden ist, wo er nicht mehr frei entscheiden konnte, ob er das oder das tut. Das dritte ist, dass ihm die Betriebsmittel zur Verfügung gestellt wurden, und hier vor allem die Skisprung-Schanze. Das ist meines Erachtens ein Präzedenzfall“, sagt der Anwalt von Lukas Müller.

Sollte sein Schützling den Fall gewinnen, dann habe dies Auswirkungen auf den ÖSV. „Weil er zukünftig solche Leute wie Müller anstellen wird bzw. versichern muss“, meinte Ermacora. Ein Präzedenzfall, der auf den gesamten Sport in Österreich Auswirkungen haben könnte.

Müller: „Ein Querschnitt ist schweineteuer“

Lukas Müller sitzt seit dem Unfall im Rollstuhl, musste u.a. sein Auto umbauen lassen und hat auch große Folgekosten. Darum kämpft er um die Anerkennung als Arbeitsunfall und aus seiner Sicht um soziale Gerechtigkeit. „Ein Querschnitt ist schweineteuer, es sind damit so viele Kosten verbunden, die mir teilweise erst heute klar werden, über drei Jahre danach“, erklärt Müller. „Es geht um meinen Arbeitsunfall, aber es geht mir auch um alle anderen Vorspringer. Es hat etwas passieren müssen, dass sich was ändert, aber jetzt könnte sich was ändern.“

Der ehemalige hoffnungsvolle Nachwuchs-Athlet hatte eine vorgeschriebene private Renn- und Risikoversicherung abgeschlossen. Lediglich ein anerkannter Arbeitsunfall würde aber die lebenslangen Kosten abdecken. Sport-Anwältin Christina Toth meint dazu: „Ich gehe davon aus, dass der ÖSV als einer der reichsten Sportverbände des Landes durchaus in der Lage wäre, die Athleten entsprechend zu versichern.“ Doch eine eventuelle Entscheidung zugunsten Müllers könnte auch Auswirkungen auf viele andere Verträge etwa im Betreuerstab haben.

ÖSV: Keine Stellungnahme

Der ÖSV war für die APA – Austria Presse Agentur nicht zu erreichen, eine Stellungnahme gab es auch in „Thema“ nur schriftlich. Der ÖSV ließ im Namen des Veranstalters, der Austria Ski WM und Großveranstaltungs Ges.m.b.H, mitteilen: „Es handelt sich bei dieser Angelegenheit um ein laufendes Verfahren, der Akt befindet sich im Moment beim Verwaltungsgerichtshof. Wir bitten um Verständnis, dass eine Stellungnahme zu einem laufenden Verfahren aus grundsätzlichen Erwägungen nicht erfolgen kann. Die Austria Ski WM und Großveranstaltungs Ges.m.b.H. wird aber nach endgültiger Erledigung des Verfahrens gern ausführlich Stellung nehmen.“ Diese Ges.m.b.H ist übrigens u.a. auch für die Nordischen Weltmeisterschaften in Seefeld zuständig.

Pointner: „Eine Scheinwelt“

Geäußert hat sich auch der ehemalige ÖSV-Skisprung-Cheftrainer Alexander Pointner, der Müller zur Seite steht. „Der Spitzensport ist öfters eine riesengroße Blase, eine Scheinwelt. Die Helden werden gefeiert, aber wenn dann die wirklichen Probleme des Lebens auf jemanden einschlagen, dann drehen sich viele um und irgendwann steht man alleine da. Das möchte ich dem Luki auf keinen Fall wünschen“, erklärt Pointner, der zum Zeitpunkt des Unfalls noch Cheftrainer gewesen ist. (APA)