Mit Platz zwei im RTL von Bansko holt sich Marcel Hirscher die kleine Kristallkugel. Es ist seine bereits 19. Kugel, die 20. wird er in Kranjska Gora fixieren.

Mit dem Wochenende in Kranjska Gora wird auch der achte Gesamtweltcupsieg von Alpinski-Star Marcel Hirscher amtlich werden. 490 Zähler Vorsprung hat er auf den Franzosen Alexis Pinturault, der nur noch fünf Rennen fahren will. Die Konkurrenz gratulierte bereits, Hirscher wartet ab. „Es ist erst fix, wenn es fix ist“, sagt der Salzburger. Als Bansko-Zweiter holte er sich am Sonntag die RTL-Kugel.

19 Kugeln

19 Kugeln hat der mit kommenden Samstag 30-Jährige damit in seiner Karriere auf die Haben-Seite gebracht, je sechs im Riesentorlauf und Slalom sowie sieben für die Gesamtwertung. „Das sind mittlerweile Rekorde, die ein großes Gewicht haben. Ich bin zwar überzeugt, dass sie auch irgendwann einstellbar sind und eingestellt werden, aber das sind halt Rekorde, die schon eine gewisse Aussagekraft haben“, sagt Hirscher.

Hirscher: „Bist du wahnsinnig“

Er hat mit 19 genauso viele Wertungen gewonnen wie der Schwede Ingemar Stenmark. Wenn er jemals von sich behauptet hätte, so viele Kugeln zu holen, hätte er über sich selbst gesagt „das ist ja Wahnsinn, wie kann man so abheben und solche Ziele haben, das ist surreal“, sprudelt es aus Hirscher heraus. Er habe einmal Lindsey Vonn mit ihrer Kugelsammlung gesehen – die US-Amerikanerin ist Rekordhalterin mit 20 – und sich gedacht. „Bist du wahnsinnig, wie kann man so viele Kugeln machen!? Und jetzt habe ich auch 19. Und hoffentlich kommt noch eine dazu.“

Zwei Mal fast ausgeschieden

Und diese 20. Kugel sei letztlich eine Frage der Punkte, weshalb er konzentriert bleiben will. „Es ist jedes Jahr auch für mich selbst wieder spannend. Bei genau solchen Rennen wie in Bansko kann das Ganze noch einmal schön ins Schwanken kommen, da bin ich immer froh, wenn ich mein Soll erfüllen kann, da fällt mir ein Stein vom Herzen.“ Hirscher führte am Sonntag in Bansko zur Halbzeit und vermied im zweiten Durchgang bei zwei kritischen Situationen das Ausscheiden. „Mir war bewusst, wenn ich um den Sieg mitfahren will, muss ich riskieren, das habe ich definitiv gemacht. Ich bin megahappy, dass ich zweimal achtzig Punkte im Ziel habe und die Riesentorlaufkugel fixiert habe. Und die Gesamtweltcupführung ein Stückerl weiter ausbauen konnte. Es ist sehr nach Plan gelaufen“, bilanziert er die Bulgarien-Reise. In der Kombination wurde er Zweiter hinter Pinturault, im Riesentorlauf Zweiter hinter Henrik Kristoffersen.

Pinturault: „Hirscher ist ein großer Champion“

Die beiden Mitbewerber zeigen sich im Saisonfinish von ihrer stärksten Seite, auch im Riesentorlauf war Pinturault als Vierter knapp am Podest dran. „Im Riesentorlauf weiß ich, dass ich noch einige Dinge zu korrigieren habe. Meine Technik wird aber besser, mein Setting auch“, erläutert Pinturault. Zu Hirscher meinte der 27-Jährige: „Verrückt! Marcel ist unglaublich. Er ist so stark, es ist wirklich hart, ihn zu schlagen. Und wenn wir dazu fähig sind, dann manchmal nur um Hundertstel. Er ist ein großer Champion.“

Kristoffersen zurück auf Siegerspur

4/100 Sekunden betrug der Vorsprung von Kristoffersen auf Hirscher am Sonntag, der Norweger hat mit seinem Premierenerfolg in diesem Weltcupwinter aber in die Siegerspur zurückgefunden. Nach WM-Gold in Aare besiegte er den Vizeweltmeister zum zweiten Mal in Folge im Riesentorlauf. „Ich war müde nach dem ersten Durchgang und nach dem zweiten auch. Aber es war ein sehr schöner Kampf mit Marcel. In den letzten zwei Jahren waren die Hundertstel nicht auf meiner Seite, aber dieses Mal schon, das ist schön“, sagt Kristoffersen.

Kristoffersen: „Hoffe, Marcel fährt weiter“

Er würde sich über eine Fortdauer dieses Zweikampfes freuen. „Hoffentlich fährt Marcel weiter, ich würde mich freuen, aber wenn er sagt, es geht nicht mehr, bin ich auch nicht verärgert. Ich kann das verstehen.“ Auf die Kugelsammlung des Kontrahenten blickt auch der 24-Jährige mit Respekt. „Wirklich unglaublich. Er hat so viele Kugeln gewonnen, so viele Rennen gewonnen. Chapeau. Er ist ein unglaublicher Sportler.“

24.Februar – Servus Sport aktuell