In Bahrain ist der Fokus erstmals auf den Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher gerichtet: Mick debütiert in der Formel 2 und testet in der Formel 1.

Viel größeren Andrang als Mick Schumacher erleben auch Sebastian Vettel und Lewis Hamilton bei ihren Sprechstunden in der Königsklasse des Motorsports nicht. Nach dem Gewinn der Formel-3-EM, dem Aufstieg in die Formel 2 und vor dem anstehenden Formel-1-Testdebüt für Ferrari richtet sich in Bahrain der Fokus erstmals auf den Sohn des Rekordweltmeisters.

Debüt in der Formel 2

Vor seiner ersten Formel-2-Fragerunde im Fahrerlager von Sakhir verteilte Mick Schumacher am Donnerstag quasi als Gastgeber zunächst einmal höflich Wasserflaschen. Der 20-Jährige aus dem Ferrari-Nachwuchsprogramm feiert am Wochenende parallel zum zweiten Grand Prix der Saison in der Formel 1 sein Debüt in der höchsten PS-Nachwuchsklasse. Nur wenige Tage später testet Schumacher in der Wüste erstmals in der Sehnsuchtsliga für Piloten den legendären roten Rennwagen der Scuderia, ehe er auch für das Partnerteam Alfa Romeo eine Probefahrt absolvieren darf. Ausgerechnet Ferrari – für die Italiener feierte sein Vater Michael Schumacher alleine fünf seiner bis heute unerreichten sieben WM-Titel.

Ob er mit dem Wirbel um seine Person umgehen könne, wurde der Sohn gefragt. „Ja“, antwortete er. „Das war immer ein Teil von mir, ich hatte daher die Zeit hineinzuwachsen.“ Dass erstmals wieder ein Schumacher – zumindest für Tests – wieder einen Ferrari ausfahren wird, will der auf seinen Vater so stolze Junior („Ich schaue zu ihm auf“) aber noch nicht an sich heranlassen. „Ich freue mich extrem auf die Formel 2, dass es jetzt losgeht“, sagte er. Ihr gelte seine volle Konzentration.

Mutter Corinna freut sich

Mick Schumacher will, wie bisher auch in seiner unter dem Brennglas des öffentlichen Interesses stehenden Karriere, einen Schritt nach dem anderen machen. „So viel lernen wie möglich“, sei sein Ziel, versicherte er. Dass sein Ziel auch die Formel 1 ist, steht sowieso fest. „Man muss warten, bis es Zeit dafür ist“, sagte Mick Schumacher vorsichtig. Dass die Freude innerhalb seiner Familie groß war, als in dieser Woche der Bescheid öffentlich gemacht wurde, dass er sein Formel-1-Testdebüt ausgerechnet in einem Ferrari feiern darf, verhehlte Mick Schumacher nicht. „Natürlich war sie glücklich“, sagte er über seine Mutter Corinna.

Schumacher: „Bin total aufgeregt“

Nach seinem Debüt in der Nachwuchsklasse Formel 2 wird Mick Schumacher seinen allerersten Test in der Formel 1 gleich im Ferrari absolvieren. In Bahrain, wo sein Vater 2004 für die Scuderia Premierensieger gewesen war, wird Schumacher nächsten Dienstag den SF90 probefahren und dann an Sebastian Vettel übergeben. Tags darauf testet der 20-Jährige in der Wüste für das Partnerteam Alfa Romeo weiter.

„Ich bin natürlich total aufgeregt und möchte mich bei Ferrari und Alfa Romeo für diese Gelegenheit bedanken. Ich freue mich auf diese großartige Erfahrung“, erklärt Schumacher. „Im Moment lege ich aber alle Gedanken an den Test bewusst beiseite, weil ich mich auch sehr auf mein erstes Formel-2-Rennen freue und ich mich zu 100 Prozent auf das kommende Wochenende konzentrieren will.“ Alfa Romeo teilt zudem mit, dass auch Callum Ilott später in Barcelona anlässlich der Rookie-Tests einen Tag im C38 sitzen werde. Auch der Brite startet in der Formel 2.

Rasante Entwicklung

Mit dieser Herangehensweise hatte Mick Schumacher bisher Erfolg. Im vergangenen Jahr gewann er die Formel-3-EM, entschied sich dann für den Sprung in die Formel 2, wurde Mitte Jänner in die Nachwuchsakademie von Ferrari berufen. Und jetzt kommen auch noch seine ersten Formel-1-Tests. Im Zeitraffer liest sich die Entwicklung von Mick Schumacher ziemlich rasant.

„Man sollte ihm Zeit lassen“

„Man sollte ihm alle Zeit lassen. Es ist wichtig, dass man schaut, gibt es eine Lernkurve oder nicht. Ich mache mir da gar keine Gedanken. Ob er dann auf Gesamtsieg fahren kann, das spielt jetzt erst mal keine Rolle“, wirbt sein Onkel Ralf Schumacher vor dem Formel-2-Auftakt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur um Geduld. „Man sollte ihn ein bisschen mehr in Ruhe und sich erstmal entwickeln lassen. Das hat bis jetzt super geklappt, in der Formel 4 und der Formel 3. Das wird auch jetzt super klappen.“

Die Karriereleiter erklimmt Mick Schumacher stetig. Und auch die ständige Erinnerung an die Erfolge seines Vaters nimmt der Teenager äußerlich tiefenentspannt. „Mit meinem Vater verglichen zu werden, war nie ein Problem für mich. Mit dem besten Fahrer in der Formel-1-Geschichte verglichen zu werden, ist das Ziel, das man erreichen will“, versichert Mick Schumacher in einem Video seines Prema-Rennstalls. „Ich fühle mich geehrt, mit ihm verglichen zu werden.“

Ehrenrunde gedreht

Im Sommer 2017 hatte Schumacher junior vor dem Großen Preis von Belgien im Benetton Ford von 1994 sogar eine Ehrenrunde drehen dürfen. Es war eine Verneigung vor seinem Vater, der 25 Jahre zuvor in Spa-Francorchamps den ersten Formel-1-Sieg seiner Karriere im Benetton gefeiert hatte. Sieben WM-Titel, davon allein fünf im Ferrari, sollten folgen. Seit einem schweren Skiunfall Ende Dezember 2013 wird Michael Schumacher von der Öffentlichkeit abgeschirmt. (APA)