Österreichs Meister Salzburg ist beim CL-Titelverteidiger Liverpool „extrem heiß, extrem fokussiert“. Goalgetter Haaland ist wohl fit für den Schlager.

Salzburg steht heute Abend (21.00 Uhr MESZ) vor der Mutter aller Spiele. Im zweiten Match von Champions-League-Gruppe E wartet auswärts Titelverteidiger Liverpool. Schon ein Punktgewinn wäre eine kleine Sensation. „Wenn wir in Liverpool etwas erreichen wollen, brauchen wir alle ein perfektes Spiel“, sagte Trainer Jesse Marsch. Goalgetter Erling Haaland dürfte fit sein.

Es war eine der großen Fragen in den Tagen vor dem Auftritt an der Anfield Road. Kann der 19-jährige Norweger, der sowohl am vergangenen Mittwoch im Cup gegen Rapid als auch am Samstag im Ligaheimspiel gegen die Austria wegen einer Erkrankung fehlte, an der Anfield Road spielen? Jener Mann, der beim 6:2-Auftaktsieg in der Champions League über Genk vor zwei Wochen mit drei Treffern auch für viel internationales Aufsehen sorgte.

„Haaland ist bereit. Die Entscheidung ist einzig, ob er von Anfang an spielt oder von der Bank kommt. Das kann ich jetzt nicht so genau sagen, wir haben noch Zeit“, sagte Marsch am Dienstag vor dem Abflug an die Merseyside. Sollte Haaland vorerst nur auf der Bank sitzen, dann dürften wohl Hwang Hee-chan und Patson Daka das Sturmduo formen. Gegen die Austria zeigte am vergangenen Samstag allerdings auch Sekou Koita eine starke Offensivleistung samt seiner Saisontore drei und vier.

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Haalands Durchschlagskraft wäre beim 18-fachen englischen Meister jedenfalls gefragt, um die erhoffte Überraschung im bisher größten Spiel der Vereinsgeschichte zu schaffen. „Sie haben so gut wie keine Schwachpunkte, spielen mit großer Schnelligkeit, Aggressivität und Intensität. Uns steht eine enorme Herausforderung bevor“, meinte Marsch. Für Kapitän Andreas Ulmer sind „die Rollen beim Aufeinandertreffen mit dem Titelverteidiger klar verteilt. Alles andere wäre Realitätsverweigerung“, stellte der 33-Jährige fest.

Für Marsch stellt sich aber nicht nur die Stürmer-, sonder auch die Systemfrage. Beim jüngsten 4:1 über die Austria wählte Marsch zum erst zweiten Mal eine defensive Dreierkette und zeigte sich danach nicht unzufrieden. „Auch in der neuen taktischen Grundordnung war die Leistung gut“, befand der Amerikaner. „Liverpool hat vorne drei sehr gute Spieler, vielleicht könnte es eine Dreierkette werden“, meinte er im Hinblick auf Mohamed Salah, Roberto Firmino und den Ex-Salzburger Sadio Mane.

Für welche Variante sich Marsch auch entscheidet: Salzburg kann vermutlich fast in Bestbesetzung antreten. Einzig der fixe Ausfall von Antoine Bernede trübt das Bild. Nach seinem Schienbeinbruch gegen Rapid fällt der bis zum Cup stets fix gesetzte Franzose aus, Enock Mwepu und Majeed Ashimeru könnten in seine Rolle im zentralen Mittelfeld neben Zlatko Junuzovic schlüpfen. Mohamed Camara, der gegen die Austria aufzeigte, steht nicht auf der UEFA-Liste.

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Macht der „Reds“ vor eigenem Publikum

Salzburg reist mit einer Mischung aus Respekt und großem Selbstvertrauen an. „Wir sind extrem fokussiert, wir sind extrem heiß, wir fahren ohne Angst nach Liverpool, wir müssen uns vor niemandem verstecken“, gab Verteidiger Marin Pongracic zu Protokoll. Ähnlich Defensivroutinier Andre Ramalho: „Sie sind derzeit super drauf, aber heute spielt das keine Rolle. Wir werden unsere Philosophie umsetzen und fühlen uns sehr gut.“

Für Liverpool ist es das erste CL-Heimspiel seit dem 4:0-Halbfinaltriumph über den FC Barcelona im Mai. Und angesichts der 0:2-Auftaktniederlage in Neapel die Chance, den Turbo auf dem Weg Richtung Titelverteidigung zu zünden. Die Macht der „Reds“ vor eigenem Publikum ist quasi amtlich. Real Madrid (0:3) war im September 2016 das bisher letzte Team, das einen Sieg in Liverpool erringen konnte, seitdem ist die Mannschaft von Jürgen Klopp in 22 Europacup-Partien bei sechs Remis ungeschlagen. In der Premier League ist Liverpool seit 43 Matches bzw. April 2017 ohne Niederlage.

Klopp, jüngst zum Welttrainer des Jahres gewählt, kann sich aber nicht nur auf diese eindrucksvolle Statistik, sondern auch fast alle seiner Kicker stützen. Lediglich Einser-Goalie Alisson fehlt nach seiner Wadenblessur. Zumindest fraglich ist der ehemalige Salzburg- und Leipzig-Mittelfeldakteur Naby Keita nach einem Muskelbündelriss. (APA)

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