Beim WSBK-Wochenende in Magny-Cours will Sandro Cortese seine Zukunft klären: Eine weitere Superbike-WM-Saison bei GRT-Yamaha hat für ihn dabei Priorität.

Noch hat Sandro Cortese keinen Vertrag für die Superbike-WM-Saison 2020. Doch beim Renn-Wochenende in Magny-Cours soll geklärt werden, wie es für den deutschen Supersport-Weltmeister weitergeht. „Bis zum Sonntag weiß ich mehr“, antwortet Cortese auf die Frage, was er im kommenden Jahr plant. „Wir befinden uns gerade in Verhandlungen. Ich denke, es wird sich definitiv bis Sonntag etwas entscheiden.“

„Natürlich würde ich am liebsten bei Yamaha bleiben. Wir müssen schauen, welche Möglichkeiten es gibt bezüglich des Teams und der Technik. Es gibt ein neues Motorrad für 2020. Es kommen viele Faktoren zusammen“, bemerkt Cortese, der nach dem Gewinn des Supersport-WM-Titels mit Yamaha zu den Superbikes aufstieg und im GRT-Kundenteam fährt.

Teamkollege Marco Melandri beendet am Saison-Ende seine Karriere. Den Platz des Italieners übernimmt Federico Caricasulo, der aus der Supersport-WM aufsteigt. Wäre für Cortese ein Wechsel zum Ten-Kate-Team eine gute Alternative, um innerhalb der Yamaha-Familie zu bleiben? Noch sucht das holländische Yamaha-Team nach einem Teamkollegen für Loris Baz.

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Ten Kate eine Option für die Saison 2020?

„Ich rede mit Yamaha. Sie machen sich Gedanken, ob ich hier (bei GRT, Anm. d. Red.) weiterfahre oder woanders. Ich denke, es ist sinnvoller, für das Team zu fahren, für das man schon gefahren ist“, kommentiert Cortese. Und stellt damit klar, dass ein Wechsel innerhalb von Yamaha eher unwahrscheinlich ist.

Ten Kate will bei der Entwicklung der R1 ab 2020 einen eigenen Weg gehen und versuchen, eigene Lösungen zu finden. Ist das eine Chance für das R1-Projekt in der Superbike-WM? „Yamaha versucht, sehr viel zu ermöglichen. Es ist aber immer interessant, ein Team zu haben, das eigene Ideen einbringt. Sie haben jahrelange Erfahrung. Das kann sich dann auch positiv auf die anderen Teams auswirken“, ist Cortese überzeugt.

Das größte Defizit sieht der Berkheimer beim Top-Speed. In Portimao war Yamaha wie der Rest des Feldes absolut chancenlos gegen Ducati. „Es ist ernüchternd, leider. Das ist nicht nur in der Superbike-WM so, sondern auch in der MotoGP. Wir müssen abwarten, was passiert“, meint Cortese.

Kawasaki „sehr gute Alternative“ für Alex Lowes

Marken-Kollege Alex Lowes wird 2020 die Lager wechseln und als Teamkollege von Jonathan Rea für Kawasaki antreten. Daran gibt es im Fahrerlager keine Zweifel mehr. Auch, wenn eine offizielle Bestätigung noch offen ist. „Als WM-Dritter hat er natürlich einen Spitzenplatz verdient. Es ist schade, dass er nicht bei Yamaha bleibt“, bedauert Cortese.

„Aber es ist natürlich auch verständlich, dass Yamaha nach vielen Jahren im Werks-Team einen Umschwung plant. Er fährt schon einige Jahre für das Team. Ich denke, er hat eine sehr gute Alternative gefunden“, kommentiert Cortese den Transfer. In der neuen Saison wird der Brite durch Toprak Razgatlioglu ersetzt.

Für WSBK-Rookie Cortese hielt die Saison bisher einige Höhen und Tiefen bereit. In den Qualifyings überraschte der Aufsteiger einige Male mit starken Rundenzeiten. Verletzungen bremsten den Aufwärtstrend immer wieder. Mittlerweile hat sich Cortese wieder gut erholt.

Verletzungs-Pech bremst Corteses Aufwärtstrend

„Bis Donington ging es mir gut. Genau genommen war es die schlimmste Verletzung“, kommentiert er den Sturz im Superpole-Rennen, bei dem er auf dem Öl von Tom Sykes ausrutschte. „Das Labrum, ein Band, das ins Gelenk geht und mehr Knorpel als Gelenk ist, wurde bei dem Sturz angerissen. Es war sehr schmerzhaft. Ich konnte den Arm nicht mehr heben“, berichtet Cortese.

„Laguna Seca war ein sehr schmerzvolles Wochenende“, blickt der Yamaha-Pilot zurück. „Jetzt habe ich mich wieder gut erholt. Portimao war ein anständiges Wochenende. Ich hatte einen guten Startplatz und fand zu alter Stärke. Zur absoluten Spitze fehlt noch ein bisschen, aber es gibt einen Aufwärtstrend.“

„Das Gefühl von vor den Stürzen ist wieder hergestellt“, stellt Cortese klar. Für Magny-Cours ist der Deutsche optimistisch und wünscht sich stabile Wetterverhältnisse. „Ich hoffe, dass es am Freitag nicht regnet. Es wäre schlecht, wenn es in den beiden Freitags-Trainings regnet und wir dann gleich ins Rennen starten. Man braucht einen Tag, um die Rennstrecke zu verstehen. Ein Superbike ist doch etwas anderes.“

Cortese plant Schluss-Offensive 2019

Und welche Erwartungen hat er für die beiden finalen Renn-Wochenenden in Argentinien und Katar? „Argentinien wird auch etwas schwierig, weil ich die Strecke nur aus der Supersport-WM kenne. Gut ist, dass die anderen Fahrer den Kurs auch nicht besonders gut kennen. Weil im vergangenen Jahr zum ersten Mal dort gefahren wurde“, bemerkt er.

Für die abschließenden Rennen auf dem Losail International Circuit Ende Oktober ist der Schwabe optimistischer: „Doha ist eine meiner Lieblingsstrecken. Ich hoffe, dass dort noch etwas geht. Mit der langen Gerade wird es aber schwierig“, glaubt Cortese.