Er hat es tatsächlich geschafft: 26 Jahre nach Thomas Muster triumphiert Dominic Thiem beim Generali Open Kitzbühel – zugleich sein insgesamt 14. Turniersieg auf der ATP-Tour.

Dominic Thiem hat sich am Samstag einen Bubentraum erfüllt: Er kürte sich zum Sieger der traditionsreichen Generali Open in Kitzbühel. Der erste Heim-Titel, fünf Jahre nach seinem ersten Kitz-Endspiel, war ein für ihn sehr wichtiger Karriere-Meilenstein. Das zeigte auch sein Jubel, als er sich nach dem 7:6(0), 6:1 über Albert Ramos-Vinolas (ESP) vor 5.600 begeisterten Fans auf den Rücken fallen ließ.

Er ist der erste Österreicher seit dem 9. August 1993, als Thomas Muster den bis dato einzigen Titel für die Alpenrepublik in der Profi-Ära dieses Events in Tirol gefeiert hatte. 9.490 Tage später war Dominic Thiem an der Reihe. Er hat damit wie einst Muster ebenfalls mit 25 Jahren erstmals in Österreich zugeschlagen.

„Es ist absolut unglaublich. Einer meiner größten Träume, seit ich zum Tennis spielen begonnen habe, ist heute in Erfüllung gegangen“, meinte Thiem, der zum vierten Mal in Folge vor ausverkaufter Kulisse gewonnen hatte, in einer ersten Reaktion zum Publikum. „Ich glaube, es gibt gar keine schöneren Sachen in einem Sportlerleben, als so etwas zu Hause vor so einem unglaublichen Publikum erleben zu dürfen. Ich bin komplett aus dem Häuschen.“

Nach Final-Triumph in Kitzbühel: Dominic Thiem im Interview

„Goldene Gams“ fehlte in Thiems Sammlung

Thiem gewann die lang ersehnte „Goldene Gams“ als Siegestrophäe, einen Siegerscheck in Höhe von 90.390 Euro und durfte 250 Zähler für die beiden Ranglisten mitnehmen. Fünf Jahre nach seinem ersten Finale auf der ATP-Tour am gleichen Schauplatz hat sich für den Lichtenwörther in seinem 22. Endspiel ein erster Kreis geschlossen. Seine zweite Chance nutzte Thiem, dem es seit einigen Jahren weder in Kitzbühel noch in Wien gerade vor den eigenen Fans nicht gut gelaufen war, zum Triumph.

Zudem hat der zweifache French-Open-Finalist nun allein in diesem Jahr schon knapp über 4 Mio. US-Dollar Preisgeld gewonnen. Sein nächster Auftritt ist kommende Woche beim Masters-1000-Turnier in Montreal.

Ramos-Vinolas, der vor zwei Jahren schon einmal auf Platz 17 gestanden war, zeigte keine Spur von Müdigkeit. Dabei hatte er erst vergangenen Sonntag in Gstaad seinen bisher zweiten Tour-Titel (ohne Satzverlust) gewonnen. Thiem versuchte von Beginn weg mit vollem Druck das Spiel zu diktieren, doch der Linkshänder bot ihm großartig Paroli. Der Lokalmatador verpasste gleich im ersten Game zwei Breakbälle und musste dann im vierten Game, das nicht weniger als 14 Minuten dauerte, gleich selbst fünf Breakbälle abwehren.

Thiem überrollt seinen Gegner im Tiebreak

Der spanische Linkshänder beeindruckte mit starkem Aufschlag und sehr schneller Vorhand und war dem Weltranglisten-Vierten ebenbürtig. Nach 51 Minuten Spielzeit musste das Match bei 4:5, 15:0 aus Sicht des aufschlagenden Thiems für rund eine Stunde wegen Regens unterbrochen werden. Das Endspiel hatte aus dem gleichen Grund schon rund 30 Minuten später begonnen.

Der Wiederbeginn war immens wichtig für den weiteren Verlauf, doch Thiem behielt die Nerven und schaffte es ins Tiebreak. In diesem beging Ramos-Vinolas plötzlich mehr Fehler, Thiem überrollte seinen Gegner mit 7:0 und hatte nach 68 Minuten den ersten Satz in der Tasche.

Aufgepumpt vom Satzgewinn nutzte Thiem den Schwung, schaffte sofort im zweiten Game das erste Break des Finales und ging nur zwölf Minuten nach dem Tiebreak mit 3:0 in Front. Nach einem weiteren Break zum 5:1 bestand kein Zweifel am Sieg mehr.

Die Wetterprobleme waren übrigens eine weitere Parallele zum gewonnenen Kitz-Endspiel Thomas Musters vor 26 Jahren: Der Gegner war mit Javier Sanchez ebenfalls ein Spanier, Muster war wie Thiem 25 und sein Match musste wegen Regens damals sogar auf Montag (Finale damals Sonntag) verschoben werden. Und Thiem hat nun wie Muster im neunten Antreten in Kitz (sein erstes Event war damals aber noch ein Challenger) triumphiert. (APA)