Heftige Regen- und Schneefälle führten in West- und Südösterreich zu zahlreichen Katastropheneinsätzen, Zivilschutzalarmen und Straßensperren. Ein Mann wurde von einer Mure verschüttet und starb.

Starke Niederschläge lösten in zahlreichen Gemeinden Zivilschutzalarm aus. Muren in Bad Kleinkirchheim und Bad Gastein trafen Wohnhäuser. Ein Mann kam ums Leben, zwei Frauen wurden verletzt. Immer wieder rutschen in den betroffenen Regionen Hänge ab.

Kärntner nach Mure tot geborgen

Eine Mure hat am Montagvormittag in Bad Kleinkirchheim (Bezirk Spittal/Drau) ein Wohnhaus großteils zerstört. Der 80-jährige Besitzer wurde von den Schlammmassen erfasst und getötet. Er sah gerade nach seiner Quelle, die sich zehn Meter hinter dem Haus am Hang befand. Als er dort ankam, löste sich die Mure und riss den Mann mit sich.

Kärnten: Toter nach Muren-Abgang

Westliches Kärnten stark betroffen

Die Zivilschutzalarme für den Kärntner Bezirk Spittal an der Drau sind am Montag weiter aufrecht geblieben. Wie Bezirkshauptmann Klaus Brandner auf APA-Anfrage sagte, sei die Lawinengefahr extrem, die höchste Stufe der fünfteiligen Skala. Aber auch der Regen, der in der Nacht auf Dienstag noch fallen soll, bereite ihm Sorgen: „Derzeit ist alles so gesättigt, ein Liter ist schon zu viel.“

Im Mölltal arbeiten Rotes Kreuz und Bundesheer daran, die medizinische Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu halten. Patienten, die auf Sauerstoff angewiesen sind, wurden mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Abgeklärt wurde auch, welche Dialysepatienten schnellstmöglich in ein Krankenhaus müssen.

Heiligenblut ist schon seit mehreren Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. „Die Regale sind schon ziemlich leer, wenn man einkaufen geht“, sagte der Amtsleiter von Heiligenblut, Franz-Josef Bernhard, auf APA-Anfrage. Sollten die Straßen weiter gesperrt werden, werde man wohl Grundnahrungsmittel einfliegen müssen.

Mure zerstörte Einfamilienhaus in Bad Gastein

Im Bundesland Salzburg waren seit Sonntag rund 35 Gemeinden von Starkregen, Hochwasser, Sturm und Muren betroffen. Über 1.800 Feuerwehrleute halfen bei 630 Einsätzen. Am dramatischsten war die Lage in Bad Gastein, wo eine Mure zwei Einfamilienhäuser ineinander schob und zerstörte. Eine Bewohnerin konnte von der Feuerwehr rasch geborgen werden, eine 79-Jährige erst nach etwa zwei Stunden. Die Seniorin wurde schwer verletzt.

Die Aufräumarbeiten und Sicherungsmaßnahmen liefen am Montag auf Hochtouren. Die Bezirkshauptmannschaft Zell am See hat das Bundesheer angefordert. Die Zivilschutzwarnung für Großarl wurde aufgehoben, für Muhr, Hüttschlag und Bad Hofgastein blieb sie mit Stand Montagnachmittag aufrecht.

In Ramingstein im Lungau konnten drei Männer aus Polen am Sonntag nicht mehr von der Karner Alm zurückkehren, weil die Straße von mehreren Muren erfasst worden war. Ihr Freund meldete die Männer als vermisst, am Montag wurden die drei unversehrt am Parkplatz der Alm aufgefunden.

Evakuierungen im Bezirk Murau

Die Lage im oberen Murtal und speziell in der obersteirischen Gemeinde Stadl-Predlitz ist auch am Montag kritisch. Zwar hatte der Regen aufgehört, die Sonne zeigte sich, damit wurden aber das Ausmaß der Schäden und weitere Risiken deutlich: Muren und Schlammlawinen, überflutete Keller und hohe Pegelstände der Mur. Entwarnung wurde bei der Lagebesprechung nicht gegeben.

Rund 50 Personen haben in der Nacht auf Montag in Stadl an der Mur im Bezirk Murau bereits ihre Häuser verlassen müssen. Wann sie unter ihr eigenes Dach zurückkehren können oder ob es nicht noch mehr Betroffene werden, wird sich im Laufe des Tages zeigen. Geologen machten noch eine Bestandsaufnahme jener Hänge, die im Gemeindeteil Predlitz, aber auch entlang des Paalbaches abzurutschen drohten.

Südtirol: Zug wegen Mure entgleist

Im Südtiroler Pustertal ist Montagfrüh zwischen Kiens und Mühlbach ein Zug wegen einer Mure entgleist. Im Zug befanden sich drei Zugbegleiter und ein Passagier. Sie wurden laut Medienberichten evakuiert, blieben aber unverletzt. Die Bahnlinie ins Pustertal wurde vorerst gesperrt.

Osttirol: Leichte Entspannung

In Osttirol entspannte sich die Lage am Montag. Allerdings waren Montagnachmittag noch rund 1.400 Haushalte ohne Strom, teilte die Tinetz mit. Die Wetterbesserung wurde genutzt, um mit Hubschrauberflügen Störstellen zu lokalisieren und zu beseitigen. Am Dienstag wird ein Teil der Schulen im Bezirk wieder öffnen.

Am Dienstag wieder Regen und Schnee

Nochmals Regen und Schneefall im Süden Österreichs hat die ZAMG am Montag prognostiziert. „Aber nicht mehr so extrem wie in den letzten Tagen“, fügten die Meteorologen hinzu. Ab Mittwoch ist eine „nachhaltige Entspannung“ in Aussicht.

„Innerhalb von drei Tagen, von Freitag, 15.11., 7:00 Uhr bis Montag, 18.11., 7:00 Uhr, sind in Oberkärnten, in Osttirol und in den südlichen Regionen von Salzburg stellenweise rund 200 bis 300 Millimeter Niederschlag zusammengekommen“, sagte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. „Statistisch gesehen kommen derartige Dreitagesmengen zum Beispiel in Kötschach-Mauthen und Spittal an der Drau alle zehn bis 15 Jahre vor, im Raum Lienz alle 40 bis 50 Jahre und weiter im Norden seltener als alle 50 Jahre, wie in Mallnitz, Obervellach, Kals und Bad Gastein.“ (APA/RED)

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