Seit der Antike bemühen sich die Menschen zu verstehen, was mit ihnen im Schlaf geschieht. Was wollen uns Träume erzählen, welche Bedeutung haben ihre Symbole und Bilder?

In der Nacht, während wir schlafen und von außen betrachtet völlig ruhig aussehen, ereignen sich in unserem Inneren wilde Dinge. Wenn wir schlafen, träumen wir. Immer. Und mehrmals pro Nacht. Selbst dann, wenn wir uns nicht daran erinnern.

Lange Zeit glaubte man, dass es sich bei Träumen um göttliche Botschaften handle, um verschlüsselte Weissagungen höherer Mächte. Auch im Volksglauben waren Träume oft ein Fenster in die Zukunft und somit Vorboten eines erbarmungslosen oder auch gnädigen Schicksals.

Erst der Wiener Psychoanalytiker Sig­mund Freud erklärte den Traum als Stra­tegie des menschlichen Geistes, prägende Erlebnisse und unerfüllte Wünsche im Schlaf aufzuarbeiten. Und obwohl die moderne Wissenschaft dem Geheimnis des Träumens zwar immer wieder dicht auf den Fersen ist, welche (kör­perliche) Funktion es jedoch letztendlich erfüllt, bleibt immer noch ein Rätsel.

Träumen (Illustration: Andreas Posselt)

Wir haben 9 Fragen rund ums Träumen gestellt und 9 interessante Antworten erhalten:

1. Was ist ein Traum?

Ein Traum wird erst dann zum Traum, wenn wir daraus erwachen und uns daran erinnern. Die Wissenschaft definiert Träume als psychischen Vorgang während des Schlafes. Durch die „Rückerinnerung“, wie es Traumforscher Michael Schredl nennt, wird er uns zugänglich. Das Besondere am Träumen ist, dass die Gehirnaktivität, unser Erleben, Denken und Fühlen, jener des Wachzustandes ähnelt. Jeder Mensch träumt bis zu sechsmal pro Nacht – auch wenn er sich nicht daran erinnert.

2. Warum träumen wir?

An diesem Rätsel grübeln Schlafforscher immer noch. Bisher gibt es nur Vermutungen dazu. Es wird davon ausgegangen, dass wir in Träumen Themen verarbeiten, die uns beschäftigen. Manche Wissenschaftler meinen, dass wir im Traum neue Verhaltensweisen ausprobieren und Fähigkeiten trainieren, die wir später brauchen können.

Auch der Umgang mit Ängsten kann in Träumen geübt werden, um ihnen im Wachzustand souveräner zu begegnen. Warum es viele Theorien, aber nur wenige eindeutige Antworten gibt, liegt auf der Hand: Die Funktion von etwas so Subjektivem zu untersuchen, an das wir uns oft nur lückenhaft oder gar nicht erinnern, ist sehr schwierig.

3. Was geschieht im Körper, wenn wir träumen?

Träumen (Illustration: Andreas Posselt)

Unsere Muskeln sind (normalerweise) im Schlaf blockiert beziehungsweise sind die Nervenimpulse stark gedämpft, damit wir unsere Träume nicht körperlich ausleben. So können wir im Traum etwa spazieren gehen, ohne dabei aus dem Bett zu fallen. Die Muskelaktivität ist aber nicht völlig abgestellt. Dadurch ist es möglich, im Schlaf zu reden; wenn auch nur undeutlich, weil die Muskelspannung reduziert ist. Gehirn und Bewusstsein stehen aber zu keinem Zeitpunkt wirklich still.

4. Warum haben wir Albträume?

Manchmal geraten die nächtlichen Erlebnisse aus den Fugen. Albträume sind solche Träume, die von einem stark negativen Gefühl – meistens Angst – begleitet sind und zum Erwachen führen. Neben Angst können auch Traurigkeit, Frustration, Ekel- oder Schamgefühle das Erwachen auslösen. Der Fall ins Bodenlose, wo man kurz vor dem Aufprall aufschreckt, oder eine Verfolgungsjagd, wo man erwacht, wenn es kein Entkommen mehr gibt, sind Beispiele dafür.

5. Warum erinnern wir uns nur manchmal an Träume?

Dass unsere Träume just in dem Augenblick zerrinnen, in dem wir sie fassen wollen, ist ein spannendes Phänomen. Stets war es von der Frage begleitet, ob diese schlechte Traumerinnerung vielleicht einen tieferen Sinn hat. Sigmund Freud war der Auffassung, dass Träume, die Wünsche und Triebe enthalten, die für uns nicht akzeptabel sind, verdrängt werden und auf diese Weise nicht ins Bewusstsein gelangen. Die Folge: Nach dem Aufwachen entgleitet uns die Traumerinnerung. Empirisch überprüfen konnte man diese These jedoch nie, weil die Wissenschaft nur mit erinnerten Träumen arbeiten kann.

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6. Was sind luzide Träume?

Manche Menschen haben die Fähigkeit, bewusst zu träumen. Klarträume oder luzide Träume sind solche, wo man sich während des Traumes dessen bewusst ist, dass man träumt. Das ist nicht nur für die Wissenschaft hochinteressant. Denn diese Art des Träumens ermöglicht, auf das Geschehen im Traum Einfluss zu nehmen. Wird ein Traum zu intensiv oder unangenehm, kann man ihn steuern oder beenden, indem man aufwacht.

Die Technik ist erlernbar und kann beispielsweise dabei helfen, immer wiederkehrende Albträume zu bewältigen. Luzides Träumen bleibt jedoch die Ausnahme: Der Großteil unserer Träume bleibt unbewusst und dient dazu, die Eindrücke des Tages zu verarbeiten.

7. Wovon träumen wir?

Es ist schon erstaunlich, wem oder welchen Situationen wir da im Schlaf begegnen. Da tauchen verstorbene Familienmitglieder, alte Schulkameraden oder Arbeitskollegen auf – Menschen von heute und von früher.

In den Träumen spiegeln sich oftmals Gefühle, Gedanken und Handlungsmuster aus dem Wachzustand des Menschen wider. Die meisten Träume haben ein emotionales Thema. So verwundert es wenig, dass immer wieder Beziehungsfragen, Alltagsprobleme oder das Arbeitsleben Trauminhalte sind.

8. Können Tiere träumen?

Hund träumen (Illustration: Andreas Posselt)

Dass Säugetiere wie Hunde, Katzen oder Pferde im Schlaf Phasen mit erhöhter Augenbewegung durchlaufen, haben Untersuchungen gezeigt. Manchmal zappeln sie im Schlaf oder geben Laute von sich. Diese äußeren Anzeichen lassen darauf schließen, dass auch Tiere träumen und die Eindrücke des Tages in gewisser Form verarbeiten. Da sie aber nicht in Worte fassen können, was sie im Schlaf bellen oder miauen lässt, bleibt dies nur eine Vermutung.

9. Was wollen uns Träume sagen?

Im Mittelalter versuchte man mit Traum­deutungsbüchern, Symbole allgemeingültig zu erklären. Der Traum von der eigenen Hochzeit wurde etwa mit Glück und Gewinn interpretiert. Er konnte aber auch auf bevorstehende Veränderungen hinweisen: Etwas Altes muss Neuem weichen. Carl Gustav Jung (1875–1961), der Begründer der Analytischen Psychologie, war später der Auffassung, dass es keine gebrauchsfertige Anleitung zur Traumdeutung geben kann. Der gleiche Traum könne für zwei verschiedene Personen ganz Unterschiedliches bedeuten. Dennoch ist es möglich, dass Menschen, die in ähnlichen Situationen stecken, auch ähnliche Träume haben.

Ein bekanntes Beispiel sind Szenarien von längst bestandenen Prüfungen aus der Schulzeit, die im Erwachsenenalter als Angstträume wieder auftauchen. Die Ursache ist dann häufig im Arbeitsleben zu finden, wo sich Leistungsdruck oder berufliche Unsicherheiten in Prüfungsträumen widerspiegeln können. Auch den Traum vom eigenen Tod kennen einige. Er muss nicht automatisch Schlimmes bedeuten. Psychologisch wird er oft als Hinweis dafür interpretiert, dass man alte Verhaltensmuster abgelegt hat oder einen neuen Lebensabschnitt beginnt.