Sind die Gesteine im Boden, an dem Wein angebaut wird, schmeckbar? Geo­logen behaupten wissenschaftlich trocken: nein. Doch Winzer sagen: ja. 

Die wahren BodenschĂ€tze fĂŒr den Wein vom Leithaberg sind Leithakalk und Glimmerschiefer. Diese Gesteine durchsetzen die Erdschichten im Gebiet dominant. Die heimischen Winzer sagen: Das kann man schmecken.

SCHIEFER GIBT DEM WEIN NEBEN WÄRME WÜRZE

Der harte Glimmerschiefer zwingt die Reben, Ă€ußerst tief zu wurzeln und ihre Kraft auf wenige Trauben zu kon­zentrieren. Schieferboden speichert WĂ€rme besonders gut, sie findet sich auch im Wein wieder. „Wenn ich im Sommer abends mit meinem Traktor ohne Verdeck ĂŒber Schiefer fahre, merke ich die vom Tag gespeicherte WĂ€rme viel deutlicher, als wenn ich ĂŒber Kalkboden fahre“, erzĂ€hlt Winzer Martin Pasler und merkt an: „Schiefer schmeckt, als ob du an einem Bleistift lutschst. Dieser Geschmack ist im Wein leicht wiederzuerkennen.“ 

Schiefer schmeckt, als ob du an einem Bleistift lutschst.

Winzer Martin Pasler aus Jois

Er baut in Jois auf der von Schiefer geprĂ€gten Riede Buschenberg Blau­ frĂ€nkisch an, ebenso wie Georg Prieler aus SchĂŒtzen am Goldberg. „Die glit­zernden Steine aus Schiefer und Gneis in der Erde sind der Grund fĂŒr den Na­men meiner besten Lage in SchĂŒtzen, der Riede Goldberg“, erklĂ€rt Georg Prieler.

Glimmerschiefer Bild: Marko Mestrovic)
Glimmerschiefer gehört zu den ältesten Gesteinen der Ostalpen, die den zentralen Teil des Leithabergs aufbauen.

„Wenn du hier im Sommer zwei Steine vom Boden aufhebst und anein­anderreibst, kannst du Feuerstein und Graphit riechen, die du auch im Wein findest.“ Und Stefan Zehetbauer, Win­zer in SchĂŒtzen am Gebirge, weiß: „Schiefer gibt dem Wein neben WĂ€rme WĂŒrze und expressiven Ausdruck, er strukturiert den Wein fein und macht ihn leichtfĂŒĂŸig.“ 

Schiefer gibt dem Wein neben WĂ€rme WĂŒrze und expressiven Ausdruck

Winzer Stefan Zehetbauer aus SchĂŒtzen am Gebirge

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27. MĂ€r

CHARDONNAY BRAUCHT KALKREICHEN BODEN

Leithakalk ist reich an Resten von Muscheln und anderem Getier, das sich hier vor 16 bis 11 Millionen Jahren im Meer tummelte. Es ist ein sehr karger Boden; dadurch bringen die Reben weniger ErtrĂ€ge, was eine schöne natĂŒrliche Konzentration der Weine zur Folge hat.

Sie zeigen sich im Duft eher zurĂŒckhaltend und kĂŒhl, manch­mal ist ein Anflug von Kreidestaub be­merkbar. Am Gaumen sind die Weine kompakt und straff, auch wenn sie fĂŒllig sind – das macht ihre Eleganz aus. Im Abgang zeigen sich leicht salzige Noten, die Lebendigkeit vermitteln.

Besonders prĂ€destiniert fĂŒr kalkreichen Boden ist Chardonnay: Er braucht den Kalk, um jene besondere Tiefe und KomplexitĂ€t erreichen zu können, die ihn zu einem großen Wein machen. Die besten Weine aus dem berĂŒhmten französischen Weinbaugebiet Chablis bestehen reinsortig aus Chardonnay, der auf kalkreichem Boden wĂ€chst. 

Die kostbaren Weine der Welt stehen hĂ€ufig auf Kalk oder Schiefer, weil diese Böden den Weinen die FĂ€higkeit zu altern verleihen. Oft gewinnen sie mit den Jahren der Reife an Tiefgang – so auch die Leithaberg­-DAC-Weine. Sie bereiten Freude beim Trinken, weil sie seidig, dicht und vielschichtig im Abgang sind. 

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