Ein Monsterhund mit tellergroßen Augen, eine wilde Ziege mit Vogelbeinen: Kennst du die tollsten und seltsamsten Gestalten Österreichs?

1. Der Raurackl

Österreichische Fabelwesen: Der Raurackl oder Wolpertinger (Bild: Brigitte Baldrian)
In Bayern spricht man vom Wolpertinger, in Österreich ist eher vom Raurackl, Rehhasenbock oder Kreißl die Rede. (Bild: Brigitte Baldrian)

Das jüngste Tier im Bunde der Fabelwesen ist ein äußerst eigenartiger Waldbewohner. In Bayern spricht man vom Wolpertinger, in Österreich ist eher vom Raurackl, Rehhasenbock oder Kreißl die Rede.

Angeblich ist dieses Tier das Werk von Tierpräparatoren, die Reststücke ihrer Arbeit zusammengebastelt haben, um sie als fantastische neue Entdeckungen an leichtgläubige Kunden zu verkaufen. Daher stammt auch die Bezeichnung Hirschbockbirkfuchsauergams. Aber egal, wie man ihn nennt, es ranken sich viele wundersame Geschichten um den Raurackl. Etwa dass nur junge, fesche Frauen im Dirndl ihn sehen können.

Übrigens: Einen Raurackl zu fangen ist besonders schwierig. So könntest du versuchen, ihm Salz auf den Schwanz zu streuen, damit er stehen bleibt. Oder ihn mithilfe einer Kerze in einen Sack locken. Wenn es stimmt, dass seine Beine verschieden lang sind, könnte auch funktionieren, ihn so zu erschrecken, dass er beim Versuch, umzudrehen und zu flüchten, einfach umfällt.

Wolpertinger Eier von Astrid Wichert aus dem Ausseerland (Bild: Doris Himmelbauer)

Wolpertinger Ei für Ostern

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2. Der Klushund

Österreichische Fabelwesen: Der Klushund (Bild: Brigitte Baldrian)
Unheimlich soll er sein, der Klushund. Und riesig, mit leuchtenden tellergroßen Augen, einer langen Zunge und strubbeligem Fell. (Bild: Brigitte Baldrian)

Wenn du dich im dunklen Wald fürchtest, besser nicht weiterlesen! Denn in Vorarlberg erzählt man sich Geschichten über einen schwarzen Monsterhund, der sich seit Jahrhunderten immer wieder zeigt.

Seinen Namen hat der Klushund daher, dass er gern im finsteren und einst gefürchteten Kluser Wald zwischen Götzis und Klaus umgeht. Unheimlich soll er sein und riesig, mit leuchtenden tellergroßen Augen, einer langen Zunge und strubbeligem Fell.

Am besten, man begegnet ihm gar nicht, denn das kann Krankheit oder anderes Unheil über einen bringen. Doch eigentlich ist das schaurige Hundsviech eine bedauernswerte Gestalt, denn hinter ihm soll ein Verräter stehen, der dazu verflucht ist, als Klushund zu leben: Im Dreißigjährigen Krieg, vor fast 400 Jahren, verriet er die Stadt Bregenz an das schwedische Heer. Dafür, dass er den feindlichen Soldaten einen geheimen und unbewachten Weg in die Stadt zeigte, wurde ihm ein goldenes Kegelspiel versprochen, das er freilich nie bekam.

Angeblich gräbt er immer noch jede Nacht danach. Einmal sollen drei junge Burschen auch versucht haben, den Klushund mit spottenden Worten aus dem Wald hervorzulocken. Sie bekamen den schaurigen Köter zwar nicht zu sehen, doch einer von ihnen erkrankte tags darauf schwer. Da waren sich alle sicher, dass der teuflische Riesenhund dahintersteckte. Was für eine schaurige Geschichte!

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3. Der Basilisk

Österreichische Fabelwesen: Der Basilisk (Bild: Brigitte Baldrian)
Das hässliche Wesen hat den Kopf eines Hahns, die Beine einer Kröte und den Schwanz einer Schlange. (Bild: Brigitte Baldrian)

Basilisken gibt es wirklich! Sie sind eine Leguan-Gattung und leben in den tropischen Regenwäldern Lateinamerikas. Weil sie über das Wasser laufen können, werden sie auch Jesus-Christus-Echsen genannt.

Die Sagengestalt des Basilisken entstand angeblich dadurch, dass eine Kröte ein altes Ei eines Hahns ausgebrütet haben soll. Heraus kam das hässliche Wesen mit dem Kopf eines Hahns, den Beinen einer Kröte und dem Schwanz einer Schlange. Allein durch seinen Blick soll der Basilisk Menschen töten können, sein unerträglich stinkender Atem ist giftig.

Im Jahr 1212 gab es angeblich in einem Brunnen in der Wiener Schönlaterngasse Nr. 7 ein derartiges Untier. Ein Bäckergeselle erledigte es, indem er ihm einen Spiegel vorhielt. Als sich der Basilisk darin erblickte, war er von seinem Aussehen so entsetzt, dass er zerplatzte. Noch heute prangt dort, wo das passiert sein soll, ein steinerner Basilisk an der Hauswand. Den kannst du dir gefahrlos ansehen!

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4. Die Habergeiss

Österreichische Fabelwesen: Die Habergeiss (Bild: Brigitte Baldrian)
Wenn die Habergeiss durch Määäh-Rufe verspottet wird, fällt sie Menschen an und zerzaust sie ganz wild. (Bild: Brigitte Baldrian)

Im Salzburger Land kann es passieren, dass ein Mädchen, das einen Streich gespielt hat, „Håwagoaß“ genannt wird. Denn dort ist beim Umzug der Schön- und Schiachperchten auch stets eine lustig aus der Reihe tanzende und allerlei Faxen machende Habergeiß dabei.

Die Ziegengestalt ist auch bei der „Wilden Jagd“ am Salzburger Untersberg dabei, die stets am zweiten Donnerstag im Advent stattfindet. Dort wird sie als einzige der zwölf Figuren von zwei Menschen dargestellt, sie hat also einen Ziegenkörper und Menschenbeine. Es gibt aber auch Geschichten von einer Habergeiß, die drei Vogelbeine oder Pferdefüße hat.

Wenn sie durch Määäh-Rufe verspottet wird, fällt sie Menschen an und zerzaust sie ganz wild. Also pass besser auf, wenn du gern herummeckerst!

5. Der Nachtknapp

Österreichische Fabelwesen: Der Nachtkrapp (Bild: Brigitte Baldrian)
Der Nachtkrapp ist eine gefürchtete Kinderschreckgestalt. (Bild: Brigitte Baldrian)

Wenn du an Märchen glaubst, solltest du immer schnell nach Hause gehen, sobald es draußen finster wird. Sonst kann es sein, dass dich der Nachtkrapp holt.

Schau dich um: Diese Kinderschreckgestalt schaut angeblich wie ein dunkler Vogel mit langem schwarzen Schnabel aus. Manche sagen auch, dass er einem großen Raben ähnelt. Aber Hand aufs Herz: Gesehen hat man ihn noch nie.

6. Das Donauweibchen

Österreichische Fabelwesen: Das Donauweibchen (Bild: Brigitte Baldrian)
Das Donauweibchen lebt mit ihrem Vater, dem Nixenkönig, in den Tiefen der Donau. (Bild: Brigitte Baldrian)

Glaubst du, dass am Grunde der schönen blauen Donau Nixen leben? Dann wird dir folgende Sage gefallen: Einmal erzählte ein alter Fischer seinem Sohn von den Wasserjungfrauen, die mit ihrem Vater, dem Nixenkönig, in den Tiefen der Donau lebten.

Noch während er erzählte, erschien eine zarte, grünlich schimmernde Gestalt in der Tür – wunderschön, das wallende Haar mit Blumen geschmückt. „Das ist ein Donauweibchen“, sagte der Alte. „Es ist erschienen, um uns zu warnen!“ Tatsächlich trat in den nächsten Tagen der Fluss über die Ufer, doch alle Fischer konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Der Sohn jedoch konnte nicht aufhören, an die schöne Nixe zu denken. So ruderte er eines Abends voller Sehnsucht auf die Donau hinaus. Am nächsten Tag wurde nur das leere Boot gefunden, darin ein Kranz aus Wasserlilien. Auch ein Donauweibchen hat seither niemand mehr gesehen.

7. Der Bluatschink

Österreichische Fabelwesen: Der Bluatschink (Bild: Brigitte Baldrian)
Der Bluatschink ist ein unheimlicher Bär, der angeblich in der Lech sitzt und unvorsichtige Menschen mit Haut und Haaren verschlingt. (Bild: Brigitte Baldrian)

Jedes Kind im Lechtal kennt ihn: den unheimlichen Bären, der angeblich in der Lech sitzt und unvorsichtige Menschen mit Haut und Haaren verschlingt.

In Vorarlberg und Tirol werden einige Schauergeschichten von ihm erzählt. Der Bluatschink ist eine Art dämonischer Wassergeist, der als zotteliger Bär mit Menschenbeinen auftritt. Sein Name bedeutet wohl „Blutfuß“.

Aber keine Angst, wenn du mal deine Füße in einen Bach streckst, es wird dich nur die Kälte beißen. Brrr!

8. Die Erdhenne

Österreichische Fabelwesen: Die Erdhenne (Bild: Brigitte Baldrian)
Die Erdhenne ist ein guter Hausgeist. Sie warnt die Bewohner eines Hauses vor drohendem Unheil durch ein leises Gluckern. (Bild: Brigitte Baldrian)

Es gibt einen Grund, warum es von diesem Federtier kein Bild gibt – wenn man es nämlich zu Gesicht bekommt, stirbt man angeblich innerhalb eines Jahres!

Aber ansonsten ist die Erdhenne, die in Südtirol auch Erdglutsch genannt wird, ein guter Hausgeist. Dieser warnt die Bewohner eines Hauses vor drohendem Unheil durch ein leises Gluckern, das wie jenes einer Bruthenne klingt. Es scheint aus dem Boden oder einem dunklen Winkel der Stube zu kommen. Weil dieses Geräusch auch schon hinter dem Küchenofen vernommen wurde, ist manchmal auch vom Herdhendl die Rede.

9. Der Lindwurm

Österreichische Fabelwesen: Der Lindwurm (Bild: Brigitte Baldrian)
Der Lindwurm trägt zwar kleine Flügel auf dem Rücken, aber fliegen kann er nicht. (Bild: Brigitte Baldrian)

Drachen kennst du ja sicher. Aber kennst du auch den Lindwurm? Er ist so eine Art Drache – und hier bei uns in Österreich daheim. Seinen Namen hat er, weil er ganz „lind“, also weich, ist. Er trägt zwar kleine Flügel auf dem Rücken, aber fliegen kann er nicht. Lindwürmer heißen auch Tatzelwürmer, und in Salzburg erzählt man vom sogenannten Bergstutz, der sogar Giftzähne besitzen soll.

Österreichs berühmtester Lindwurm ist jener aus Stein, der auf dem Klagenfurter Hauptplatz steht. Vor langer, langer Zeit soll es dort ein Moor gegeben haben, in dem einer dieser Kriechdrachen lebte. Da er alle Lebewesen sofort bei lebendigem Leib verspeiste, wagte sich niemand in seine Nähe. Doch dann ließ der Herzog einen hohen Aussichtsturm am Rande des Sumpfes bauen und verkündete: „Jener, dem es gelingt, den Drachen zu töten, bekommt alles Land ringsumher!“

So fingen tatsächlich mutige Knechte den Lindwurm, indem sie einen fetten Ochsen auf einen Widerhaken spießten, der an einer Kette befestigt war. Das Untier verbiss sich in seine Beute, und die Gegend war für immer vom Schrecken des Lindwurms befreit.

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