Kuchen & Torten

Oma Gretes Heidenkuchen

Der Heidenkuchen von Oma Grete von Beatrix Hammerschmied war legendär. Wie man ihn bäckt verriet sie, aber ein Geheimnis behielt sie für sich.

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Foto: Ingo Eisenhut
 

Ganz egal, wann man zu meiner Oma Grete zu Besuch kam, meist traf man sie mit erdigen Händen in ihrem kleinen Bauerngartl hinter dem Haus in Graz-Wetzelsdorf an – beim Zupfen, Jäten, Gießen oder Ernten. Da wurden pralle Paradeiser oder Melanzani gezogen und Unmengen an Zucchini. All das verwandelte sie dann mit frischen Kräutern in wohlschmeckende Gerichte.

Gut zu wissen: Dieser Buchweizen-Kuchen ist glutenfrei.

„Oma, machst eh einen Heidenkuchen?“

Gesund musste es sein, das war ihr wichtig. Nicht immer zu Opas großer Freude, der es lieber deftig mag. Kulinarisch durchgesetzt hat sie sich trotzdem, die resolute, in Essen geborene Deutsche gegen den speckliebenden Kärntner.

Weniger streng war meine Oma, was die süße Küche betrifft. Da nahm sie vielleicht ein bisserl weniger Zucker, rührte aber großzügig Butter unter und schuf die köstlichsten Mehlspeisen wie Kirschkuchen oder Apfeltorte. Von ihren mächtig mit Powidl gefüllten Germknödeln ließ ich mir jedes Mal gleich zwei schmecken – auch wenn das kaum zu schaffen war und es bewundernde Blicke dafür gab.

Am liebsten war meinem Bruder und mir aber der Heidenkuchen. Wann immer wir zu Besuch kamen, flehten wir schon vorher: „Oma, machst eh einen Heidenkuchen?“, und bekamen stets nur „Ja, sicher!“ zu hören. Glücklicherweise gab’s dann zum Kuchen auch noch ein nicht zu steif geschlagenes Obers. Und so blieb nie auch nur ein einziges Stück übrig. „Habts wieder alles auf’zwickt“, sagte die Oma immer hocherfreut.

Als es bei ihr dann nicht mehr so gut ging mit dem Backen, steckte sie mir das Rezept zu. Wie oft habe ich probiert, den Heidenkuchen so hinzubekommen wie sie! Aufgeregt wurden die Versuche aufgetischt, aber nie schmeckte es so wie aus Omas Backofen – bis sie endlich Erbarmen hatte und den gehaltvollen Rührteig aus Heidenmehl einmal mit mir gemeinsam machte.

  • Alle Geheimnisse hat sie mir an diesem Sonntag in der sonnigen Küche anvertraut: dass die Zutaten die gleiche Temperatur haben müssen wie die Stube zum Beispiel. Oder dass lange, sehr lange und geduldig gerührt werden muss.

  • Und dass man den klebrigen Teig leicht in die Form bekommt, wenn der Löffel nass ist. So lässt sich der Teig nämlich glatt streichen und die Preiselbeermarmelade ganz einfach darauf verteilen (und das nicht zu knapp!), bevor die zweite Schicht Teig draufkommt.

  • Und für das herrliche Mandelaroma sorgt ein kräftiger Schuss Amaretto. Der Likör kommt übrigens auch in die Bäckerin. Selbst dafür gab’s von Oma eine Anleitung: ein Schlückchen nehmen, kurz die Luft anhalten und diese dann durch die Nase ausströmen lassen. So verteilt es sich gefühlt im ganzen Kopf, das Marzipan.

Was sie nicht verriet, ich aber dennoch herausgefunden habe: Buchweizen ist gar kein Getreide im eigentlichen Sinn, sondern näher mit Sauerampfer als mit Weizen verwandt. Und das macht das Mehl aus dem Knöterichgewächs besonders gut verträglich. Da hat uns Oma also doch wieder gekriegt mit ihrer g’sunden Küche.

Zur Autorin: Beatrix Hammerschmied ist Chefredakteurin der Servus-Digitalwelt und unter anderem für unseren Podcast „Servus Gute Küche“ verantwortlich. Sie stammt aus Graz und kocht leidenschaftlich gern.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Jänner 2023 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
4 Portionen 1 Stunde
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Zutaten
zerlassene Butter und geriebene Haselnüsse für die Form
300 g Buchweizenmehl (Heidenmehl)
2 TL Backpulver
220 g weiche Butter
160 g Zucker
2 TL Vanillezucker
3 Eier
Mandelaroma oder ein Schuss Amaretto
300 g Preiselbeermarmelade
Zutaten
Staubzucker zum Bestreuen
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Zubereitung
  1. Eine runde Kuchenform mit 24 cm Durchmesser mit Butter ausstreichen und mit Haselnüssen bestreuen.

  2. Backrohr auf 170 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

  3. Heidenmehl und Backpulver in einer Schüssel mischen.

  4. Butter mit dem Handmixer weiß-schaumig schlagen und nach und nach Zucker und Vanillezucker einrühren.

  5. Butter, Eier, Mehl und Mandelaroma oder Amaretto rasch zusammenrühren.

  6. Die Hälfte des Teigs in die Form füllen und mit einem feuchten Löffel glatt streichen. Teig mit Preiselbeermarmelade bestreichen, mit restlichem Teig bedecken und mit dem feuchten Löffel glatt streichen.

  7. Heidenkuchen im Ofen auf der mittleren Schiene ca. 45 Minuten backen. Abkühlen lassen und mit Staubzucker bestreuen.

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