Melk, Wachaubühne, Die 10 Gebote, Ensemble, Bühne, Theater, Sommerspiele
Foto: Luana Baumann-Fonseca

Ein kultureller Höhepunkt: Sommerspiele Melk

Der letzte Tag unserer Melk-Woche steht unter dem Motto „Kaffee & Kultur“: Wir lernen wie man Kaffee richtig röstet und dürfen bei der Hauptprobe von „Die 10 Gebote“, das bei den Sommerspielen Melk aufgeführt wird, in der ersten Reihe Platz nehmen.
Text: Elisabeth Hofhans & Luana Baumann-Fonseca, Fotos: Luana Baumann-Fonseca
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Nach der langen und aufregenden Radtour durch die Wachau am Vortag, gönnen wir uns erstmal einen gemütlichen Vormittag in der Melker Altstadt. Wir beginnen mit einem ausgiebigen Frühstück im Innenhof des Rathauskellers und schlendern danach noch einmal durch die Fußgängerzone. Schließlich möchten wir unseren Lieben daheim auch eine kleine Erinnerung von unserer Sommerfrische-Woche mitbringen.

Melk, Altstadt, Regen
Foto: Luana Baumann-Fonseca
Nach fünf Tagen Sonnenschein, darf auch ein bisschen Regen sein.

Noch unverrichteter Dinge werden wir allerdings von einem heftigen Sommerschauer überrascht. Zuflucht vor dem Regen finden wir unter den Markisen des Madar Café Restaurant zum Fürsten und entdecken, dass zum Kaffeehaus auch eine eigene Kaffeerösterei gehört. Wir sind natürlich neugierig und fragen, ob wir einen Blick hinter die Kulissen des Kaffeeröstens werfen dürfen. Und wir haben Glück, denn der Chef persönlich, Markus Madar, bietet uns eine kleine Führung an.

Kaffeekultur vom Feinsten

Der Kaffeeliebhaber führt uns durch die Gasträume seines Hauses, das aus dem 16. Jahrhundert  stammt, in den Hinterhof und in einen kleinen Raum. Dort thront auch schon der ganze Stolz des Röstmeisters, die Röstmaschine und arbeitet fleißig vor sich hin. Oben im Kessel wird geröstet, unten werden die fertigen Bohnen umgerührt und dabei zum Kühlen belüftet. Währenddessen erzählt uns Markus Madar, wie er zum Selberrösten kam: Weil er mit der Qualität der angelieferten Bohnen für sein Kaffeehaus nicht mehr zufrieden war, entschloss er sich vor zehn Jahren, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Heute kommen nur noch handgepflückte, ungespritzte und ohne Konservierungsstoffe gelagerte Arabica Bohnen in die Tassen seiner Gäste.

„Damit es das feine Aroma von der Bohne bis in die Kaffeetasse schafft, muss beim Rösten einiges beachtet werden“, erklärt Markus Madar und stellt uns seine Mitarbeiterin, Diplom-Kaffesommeliere Anita Steinkellner vor. Jede Woche wird hier unter ihrer Aufsicht und mit viel Feingefühl eine frische „Wiener Mischung“ geröstet. Bei dieser Röstungsart wird der Kaffee weder bitter, noch sauer und schont somit auch unseren Magen. Geröstet wird in drei verschiedenen Hitzestufen, langsam und behutsam, um die wertvollen Inhaltsstoffe der Bohnen zu erhalten.

Aufgrund der regelmäßigen Röstzyklen gibt es auch keine langen Lagerzeiten und Kaffeehausbesucher bekommen duftend frischen Kaffee serviert. Apropos Duft: in dem „schwarzen Gold“ wurden über 800 unterschiedliche aromatische Verbindungen nachgewiesen – darunter Anklänge an Blüten, Obst, Schokolade, Zimt oder Karamell.

Zu Besuch in der Kaffeerösterrei Madar

Am Ende unseres Rundgangs wird der Kaffee natürlich gleich gekostet. Wir nehmen uns frisch geröstete Bohnen für Zuhause mit und freuen uns, ein ideales Melker Mitbringsel gefunden zu haben. Doch wie sollen wir sie nun am besten lagern? Röstmeisterin Anita Steinkellner hilft mit Tipps:

  • Frisch geröstete Bohnen immer luftdicht verpacken

  • Packung kühl und trocken lagern

  • Vor Gebrauch frisch mahlen

  • Rasch verbrauchen und die Vorräte neu aufstocken

Der rasche Verbrauch gilt übrigens auch für Kaffee-Vollautomaten: Füllen Sie immer nur die benötigte Tagesmenge an Bohnen in die Maschine. Die Hitze der laufenden Maschine schadet sonst der Bohnenqualität. Uns wird der zügige Kaffee-Verbrauch nach diesem inspirierenden Besuch bestimmt nicht schwer fallen!

Übrigens: Über das Melker Stadtprogramm sind Führungen und Verkostungen in der Rösterei Madar buchbar.

Madar Café Restaurant zum Fürsten Melk
Rathausplatz 3-4
3390 Melk

Tel.: +43 2752/52343
kaffeehaustradition.at

Melk, Kaffee, Kaffeerösterei Madar
Foto: Luana Baumann-Fonseca
Über den Madar Kaffee werden sich unsere Liebsten daheim sicher freuen.

Hinter den Kulissen der Sommerspiele Melk

Am späteren Nachmittag freuen wir uns auf einen weiteren Höhepunkt unserer Sommerfrische-Woche und spazieren hinunter zur Wachauarena. Dort erwartet uns schon Alexander Hauer, Regisseur und künstlerischer Leiter der Sommerspiele Melk, mit dem wir über dessen 60-jähriges Jubiläum und „Die 10 Gebote“ plaudern - das Stück, das hier in nur wenigen Tagen Premiere feiert.

Melk, Wachaubühne, Die 10 Gebote, Ensemble, Bühne, Theater, Sommerspiele
Foto: Daniela Matejschek
Regisseur und künstlerischer Leiter der Sommerspiele Melk Alexander Hauer gibt letzte Anweisungen, bevor die Probe beginnt.

Im Hintergrund wird noch gehämmert und gebohrt, am Bühnenbild gefeilt, Kostüme sortiert. Nach und nach betreten die Schauspieler die Bühne – Sprechprobe – und gehen wieder ab. Es ist ein Kommen und Gehen, es wuselt. Trotzdem haben wir noch ein wenig Zeit, bevor die sogenannte Hauptprobe Null beginnt. Die erste Probe in den fertigen Kostümen. Übrigens allesamt aus Altkleidern geschneidert.

Das Stück, das hier geprobt wird, besteht eigentlich aus zehn kurzen Stücken. Zehn Dramoletten von zehn Autoren und Autorinnen. Das gemeinsame Thema: Die 10 Gebote. Der gemeinsame Ausgangspunkt: Die Ruinen einer Zivilisation. Ohne gesellschaftliche Zwänge oder Normen.

Melk, Wachaubühne, Die 10 Gebote, Ensemble, Bühne, Theater, Sommerspiele
Foto: Luana Baumann-Fonseca
Das Bühnenbild von Daniel Sommergruber stellt eine moderne Ruine dar. Die Graffiti-Bilder sind von Rob Perez.

Alexander Hauer, wie kam es zu dieser Idee? Wie ist das Stück entstanden?

„Wir haben heuer 60 Jahre Sommerspiele Melk und wollten bewusst uns selber herausfordern. Wir haben seit mehreren Jahren fast nur Uraufführungen, immer Auftragswerke, und ich konnte mich nicht entscheiden, wen von den vielen Bewerbern ich beauftragen soll. Wir hatten zehn Autorinnen und Autoren zur Wahl. Und wir fragten uns, warum nicht alle zehn nehmen? Und was ist zehn? Die Zehn Gebote! Dieses Thema passt auch ideal zu unserer neuen Sommerspiele-Überschrift und inhaltlichen Leitlinie #wiewirlebenwollen.“

Was bedeuten die Zehn Gebote für Sie?

„Es sind nur 15 Verse und diese haben das gesellschaftliche Leben und die Moralvorstellungen der westlichen Gesellschaft geprägt, wie fast nichts anderes. Und wir stellten uns die Frage: Was geschieht, wenn Normen und Zwänge wegfallen? Brauchen wir Regeln? Was ergibt sich aus der Unabhängigkeit, aus der Freiheit? Diese Fragestellung war dann der Ausgangspunkt für die Autoren.“

Also jede Autorin, jeder Autor hatte die Aufgabe, ein kurzes, eigenes Drama zu schreiben. Gab es weitere Vorgaben?

„Genau. Jeder hat ein Gebot zugeteilt bekommen. Und 12 Minuten Bühnenzeit. Auch das Bühnenbild haben wir ihnen als Grundsetting mitgegeben: Eine Ruine, eine heruntergekommene Stadt, in der Menschen zusammentreffen, die sich die Frage stellen, wie es nun weitergehen soll. Daraus sind ganz unterschiedliche Sachen entstanden. Es ist toll, wir haben zehn Uraufführungen an einem Tag.“

Sind die Geschichten ineinander verwoben? Gibt es Verbindungsstellen?

„Es ist interessant, denn sie haben viel mehr miteinander zu tun, als die Autoren wussten. Zum Beispiel kommen in ganze vier Geschichten Polizisten vor. Aber sie haben nichts voneinander gewusst, die Verbindungen sind einfach so entstanden.“

In welcher Zeit spielen die Szenen? Sind das Zukunftsvisionen?

„Nicht nur. Die zeitliche Zuordnung ist von 1942 bis 2058.“

Welche Geschichte ist Ihre Lieblingsgeschichte?

„Ich mag sie alle. Manche sind berührender, manche herausfordernder, manche unterhalten mich mehr.“

Was ist das Besondere am Ensemble?

„Sie haben alle eine unglaubliche Bühnenpräsenz. Sie sind sehr klug. Und es ist wirklich eine geschlossene Truppe. Wir diskutieren, wir reden viel miteinander. Jede Probe ist ein Geschenk.“

Die Musik kommt von Akkordeonvirtuose Otto Lechner.

„Ja, er ist ein Gott. Ich kenne ich schon seit der Schule hier in Melk – wir sind ja beide aus der Gegend. Und schon damals hab ich ihn unglaublich bewundert. Er ist sehr bereichernd für die Produktion und die Verbindung zwischen den Szenen.“

Für die musikalische Begleitung sorgt der Melker Akkordeonvirtuose Otto Lechner.

Bei diesem Stichwort nimmt Otto Lechner Platz auf der Bühne und spielt die ersten Töne auf seinem Akkordeon. Wir lauschen gespannt und schon bald steht das gesamte Ensemble in ihren Kostümen vor uns. Jetzt ist die Aufmerksamkeit des Regisseurs gefragt und Alexander Hauer verabschiedet sich von uns und gibt nach ein paar wenigen Anweisungen, das Startzeichen für die Schauspieler.

Und schon beginnt der Zauber des Theaters. Sofort werden wir in seinen Bann gezogen und tauchen nach und nach in die unterschiedlichsten Welten und Situationen ein. Die Szenen sind teils berührend, teils erschreckend, manches ist komisch, manches traurig. Und allesamt stark und einprägend.

10 Gebote, 10 Mini-Stücke, 10 wunderbare Künstler

Dankbar dafür, dass wir einen solch exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen durften, verabschieden wir uns von der kreativen Truppe. Und sagen auch Melk Auf Wiedersehen. Denn am nächsten Morgen brechen wir unsere Zelte wieder auf und kehren zurück in unsere Redaktion. Wir haben viel erlebt, gesehen und gelernt und sind uns einig: Das war eine Woche, die wir nicht vergessen und Melk ein Ort, den wir sicherlich wieder besuchen werden.

Sommerspiele Melk
in der Wachauarena
Rollfährestraße 1
3390 Melk

Die 10 Gebote
Mittwoch, 16. Juni bis Samstag, 31 Juli 2021
Um 20:15 Uhr

Karten übers Kartenbüro oder auf wachaukulturmelk.at erhältlich

Melk, Stift Melk, Nacht, Spiegelung
Foto: Luana Baumann-Fonseca
Danke Melk – wir kommen wieder!
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