Der Große Scheibelsee, Latschenkiefern, Bösenstein, Hohentauern
Foto: Katharina Mitterlehner

Servus-Sommerfrische im Murtal – Tag 4: Himmlische Platzerl in Hohentauern

An Tag 4 unserer Sommerfrische geht's für uns hinauf in den Naturerlebnispark Hohentauern, wo wir bei einer Umwanderung des Großen Scheibelsees uralten Murtaler Sagen lauschen und vor malerischer Kulisse die Bälle rollen lassen.
Text: Csilla Berdefy

Nach dem gediegenen Stadtabenteuer des Vortags in Judenburg warten heute die Berge auf uns. Also steigen wir in unsere Wanderschuhe und machen uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg. Unser Ziel sind die Rottenmanner Tauern, eine Gebirgsgruppe der zentralen Ostalpen. Das heutige Programm: Eine Wanderung zu dem auf 1740 Höhenmetern gelegenen Großen Scheibelsee sowie eine Runde Alpen-Minigolf mit Panoramablick am Nachmittag.

Dem Himmel ein Stück näher

Da wir bei Servus jedoch nicht nur die Berge lieben, sondern auch Geschichten, haben wir uns für die Wanderung eine ganz besondere Begleitung organisiert. Mit von der Partie ist Landschaftsfotograf, Bergführer und Co-Autor des Buches „Geheimnisvolles Murtal“, Markus Beren. Dieser kennt nicht nur sämtliche Wanderwege der Region wie seine Westentasche – nein, auch die unzähligen Sagen, welche die Gipfel, Seen und Almen des Murtals umweben.

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Keltisches Pfahldorf Hohentauern
Foto: Herbert Raffalt
Das keltische Pfahldorf in Hohentauern.

Wir treffen ihn im Pfahldorf in Hohentauern, das einem keltischen Dorf nachempfunden wurde und in dem man Einblick in das Leben der hier vor über 2000 Jahren ansässigen Kelten erlangen kann. Der Passübergang am Triebener Tauern war für die Volksgruppe der Eiszeit ein wichtiger Handelsweg. Uns interessiert heute aber vor allem das dorfeigene Gasthaus „Keltenstüberl“, das Ausflüglern nämlich ganz besondere Schmankerl in Form reich gefüllter Picknickkörbe bietet. Diese können ab zwei Personen vorbestellt werden und reichen von der klassischen Alpenjause bis hin zum Steirischen Backhenderl. Markus meint es besonders gut mit uns und wir dürfen uns auf einen gewaltigen Jausenkorb freuen, den der Wanderexperte sogar für uns hinauf trägt. Mit ausreichend Rastpausen versteht sich, während derer er uns von „teuflischen Schwarzbeeren“ und „Brötjägern“ erzählt. Allesamt Sagen, die in seinem Buch nachgelesen werden können.

Tipp: Für Genusswanderer gibt es bei sieben Murtaler Wirtshäusern im Rahmen der Initiative „Wir Wirte wandern“ die Möglichkeit mit Köstlichkeiten gefüllte Picknickrucksäcke vorzubestellen, die für längere Strecken um einiges besser geeignet sind. Alle wichtigen Infos und Adressen gibt's hier.

Markus Beren
Foto: Katharina Mitterlehner
Bergführer & Landschaftsfotograf Markus Beren.

Wir stapfen durch Wald- und Wiesengelände, vorbei an der Edelrautehütte. Weniger Gehfreudige haben die Möglichkeit vom anliegenden Parkplatz zum Großen Scheibelsee aufzusteigen – wohlgemerkt jedoch erst nach dem Passieren der Mautstraße und dem Begleichen einer Mautgebühr um 8 Euro. Weiter passieren wir die uns mittlerweile ja vertrauten Zirbenbäume und sichten am Wegrand die unterschiedlichsten Farne und Schwammerl – rotleuchtende und bekanntermaßen hochgiftige Fliegenpilze mit eingenommen. Als nach einer Wegbiegung nun endlich der Bergsee vor unseren Augen auftaucht, kommen wir aus dem Staunen kaum mehr heraus – so magisch ist der Anblick des blaugrünen Gewässers vor der Kulisse des Großen Bösensteins, dessen Gipfel von hier aus in etwa zwei Stunden zu erreichen wäre.

Bereits der Weg zum Großen Scheibelsee ist ein Erlebnis.

Doch statt an den Aufstieg, wagen wir uns mit knurrenden Mägen an den mitgebrachten Picknickkorb, der prall gefüllt ist mit regionalen Köstlichkeiten. Von Speck über steirischem Verhackerten und Murtaler Steirerkäs bis hin zur Hirschsalami ist allerlei dabei und wir jausen genüsslich, während wir Markus' Geschichten zuhören und den wunderschönen Ausblick genießen. Die Entstehungslegende der hier ringsum wachsenden Schwarzbeere finden wir besonders lieb:

Als der liebe Gott die Welt erschuf, war der Teufel neidisch und wollte auch etwas erschaffen. So fragt er Gott nach Erlaubnis, der ihn gütig walten ließ. So erschuf der Teufel die Schwarzbeere. Doch listig wie er war, machte er sie giftig. Gott sah das jedoch und reagierte sofort: Zum Schutze der Schwarzbeere und derer, die sie aßen, versah er den Stielansatz der Frucht mit einem kleinen Kreuz. Von da an war die Schwarzbeere ungiftig für Mensch und Tier und wird seither von beiden liebend gern genascht.

Just als wir die letzten Bissen herunterschlucken, fängt es an zu tröpfeln und rasch bilden sich tausende kleine Kreise auf dem Wasserspiegel. Wir lassen uns davon aber kein bisschen beirren – sind wir doch bestens mit Regenjacken ausgerüstet – und machen uns auf zu einem Verdauungsspaziergang um den See, der uns trotz oder gerade wegen des Regens noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Jause aus dem Pfahldorf lässt keine Jausenwünsche offen.

Anders als bei so manch anderen (Berg-)Seen, führt ein Pfad ganz dicht am Ufer rundherum. Zwar wurde hier und da mit Brettern ausgeholfen, um über die zahlreichen Felsbrocken gelangen zu können, aber gerade das macht den Weg so besonders. Von den niedrig gewachsenen Latschenkiefern und den bunt bemoosten Urgesteinen einmal ganz abgesehen. Wie wir mit Markus feststellen, macht sicherlich auch der Perspektivenwechsel während der Umrundung – und beim Wandern im Allgemeinen – einen Großteil dieses Zaubers aus. Der Regen legt sich bis wir unseren Ausgangspunkt wieder erreichen und wir machen uns beseelt vom Besuch dieses Naturjuwels an einen gemütlichen Abstieg.

Unsere gesammelten Eindrücke vom traumhaft schönen Großen Scheibelsee.

Auf die Bälle, fertig, los!

Wir verabschieden uns von Markus und fahren wenige Kilometer weiter zu einem Programmpunkt, auf den wir uns bereits die ganze Woche freuen: Minigolf auf dem höchsten Minigolfplatz Österreichs, dem „Mountain Adventure Minigolf“ in Hohentauern. Dort angekommen empfängt uns eine strahlende Loes Dikmans, die niederländische Betreiberin des liebevoll gestalteten und auffallend gepflegten Platzes. Hochmotiviert holen wir uns Bälle und Schläger und machen uns an die 18 Bahnen auf Kunstrasen, die durch die Sommer-, Winter- und Bergbau-Themenwelten von Hohentauern führen.

Mountain Adventure Minigolf, Hohentauern, Murtal
Foto: Luana Baumann-Fonseca
Besser kann ein Golfplatz kaum mit der Landschaft verschmelzen.

Vor der realen Kulisse ein ganz besonderes Erlebnis, das in unserem Redaktionsteam den Sportgeist weckt – zumal bei jedem Loch eine neue Herausforderung wartet. Knapp eineinhalb Stunden dauert unsere Runde und am Ende wartet sogar ein echtes Siegertreppchen für ein Erinnerungsfoto sowie hausgemachtes Eis aus dem Nachbarort auf uns. Wer es eher deftig mag, kann sich im platzeigenen Biergarten aber auch mit einer typisch Steirischen Brett`l Jause stärken.

Auf uns wartet aber ein köstliches Abendessen in unserer Unterkunft, dem Adelwöhrer, wo wir diesen wundervollen Tag ausklingen lassen und von den sagenhaften Geschichten des Murtals sowie türkisgrünen Bergseen träumen.

Alpenidylle auch auf dem Minigolfplatz.

Tipp: In den sogenannten "Highlights" unseres Instagram-Kanals (die runden Reiter unterhalb der Profilbeschreibung) haben wir unsere Sommerfrische in zahlreichen Videos dokumentiert, sodass man einen noch lebhafteren Eindruck von unseren Erlebnissen erlangt.

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