Die Bergkirche in Seiffen im Herbst von oben
Foto: TMGS/ Czech Vibes

Landurlaub in Sachsen: Das Erzgebirge entdecken

Im sächsischen Erzgebirge treffen jahrhundertealtes Handwerk, weite Mittelgebirgslandschaften und eine lebendige Bergbaugeschichte aufeinander. Eine Urlaubsregion mit Charakter – und einer Herzlichkeit, die man sofort spürt.
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Das Erzgebirge erstreckt sich entlang der südlichen Grenze Sachsens und gehört zu den markantesten Mittelgebirgen Deutschlands. Weite Höhenzüge, tiefe Wälder und stille Täler prägen den Landstrich, der seit Jahrhunderten vom Bergbau und dem typischen Kunsthandwerk geprägt wird. Orte wie Annaberg-Buchholz, Freiberg oder Seiffen erzählen von dieser Tradition und begeistern mit Kirchen, Museen und lebendiger Handwerkskunst. Gleichzeitig laden Panoramawege und Aussichtsberge wie der Fichtelberg zu aktiven Tagen in der Natur ein. Historische Besucherbergwerke, weihnachtliche Bräuche und charaktervolle Dörfer wie Höckendorf, Pobershau oder Seiffen machen das Erzgebirge zu einer Region, in der die Geschichte bis heute spürbar bleibt.

Bergbau und Handwerkstradition

Seit dem 12. Jahrhundert wurden im Erzgebirge Silber, Zinn und Eisenerz gefördert. Dieser Reichtum hat die Region wirtschaftlich und kulturell geformt. Heute führen historische Bergstädte wie Annaberg-Buchholz, Freiberg und Schwarzenberg sowie zahlreiche Schaubergwerke und Lehrpfade tief hinein in die Tradition der Montanregion Erzgebirge. Die einzigartige Kulturlandschaft gehört zum UNESCO-Welterbe und ist berühmt für seine Holzkunst, die bis heute in Manufakturen und Schauwerkstätten gepflegt wird – allen voran in den Dörfern Olbernhau, Grünhainichen und Seiffen.

  • Terra Mineralia im Schloss Freudenstein: Entführt Besucher in die Welt der Kristalle. Als größte Mineralienausstellung Deutschlands präsentiert sie über 3.500 Mineralien, Edelsteine und Meteoriten.

  • Freiberger Silberbergwerk: Wer tiefer in die Bergbaugeschichte eintauchen möchte, fährt im Schaubergwerk 150 Meter unter Tage und erlebt den traditionsreichen Silberbergbau hautnah.

  • KohleWelt in Oelsnitz: Hier wird die Geschichte des Lebens und Arbeitens der Kohlebergleute im Erzgebirge eindrucksvoll erzählt anhand von interaktiven Stationen, historischen Werkzeugen und nachgebauten Stollen. Die Ausstellung wurde mit dem Sächsischen Museumspreis 2025 ausgezeichnet.

  • Erzgebirgische Holzkunst in Seiffen: In den Schauwerkstätten des Spielzeugdorfs schaut man Drechslern und Reifendrehern über die Schulter und erlebt, wie aus groben Holzstücken bunte Nussknacker und Räuchermänner entstehen.

Über Stock und Stein

Das Erzgebirge ist ein Paradies für Naturliebhaber – mit stillen Tälern, weiten Höhenzügen und einem hervorragend ausgeschilderten Netz an Wanderwegen. Die Landschaft, Teil des UNESCO-Welterbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, zeigt sich dabei von ihrer schönsten Seite. Der Fichtelberg, mit 1.215 Metern der höchste Gipfel Sachsens, lässt sich von Oberwiesenthal aus zu Fuß erwandern oder gemütlich mit der ältesten Seilbahn Deutschlands erreichen. Wer mehrere Tage unterwegs sein möchte, folgt dem Kammweg Erzgebirge-Vogtland, einem Qualitätswanderweg, der auf aussichtsreicher Strecke durch das sächsisch-böhmische Grenzgebiet führt.

Spielwiese für Familien

Das Erzgebirge zählt zu den familienfreundlichsten Regionen Sachsens. Gleich mehrere Orte sind offiziell zertifiziert, darunter Altenberg, Eibenstock mit seinen beliebten Badegärten, Oberwiesenthal am Fichtelberg und das charmante Oederan. Überall warten sichere Wanderwege, Freizeitangebote für Groß und Klein und viel Platz zum Entdecken. Ein kultureller Höhepunkt ist die Manufaktur der Träume in Annaberg-Buchholz. In diesem außergewöhnlichen Museum erzählen mehr als 1.000 Kunstwerke aus vier Jahrhunderten erzgebirgischer Volkskunst von einer Welt voller Figuren, Farben und verträumter Geschichten – ein magischer Ort, der nicht nur Kinder begeistert.

Dampf, Stahl und Leidenschaft

Wenn die Dampflok der Prießnitztalbahn zwischen Steinbach und Jöhstadt ihren Zug bergwärts zieht, zischt und dampft es eindrucksvoll. Das Erzgebirge beherbergt gleich mehrere Dampfbahnstrecken – darunter die Fichtelbergbahn, die älteste schmalspurige Dampfeisenbahn Deutschlands, sowie die Weißeritztalbahn von Freital nach Kipsdorf.  Weitere Einblicke in die Welt der Bahnen bekommt man im Eisenbahnmuseum Schwarzenberg, wo man im ehemaligen Bahnbetriebswerk zahlreiche Dampf- und Dieselloks, historische Waggons und Schienentrabis und vieles mehr bestaunen kann.

Das Spielzeugdorf Seiffen macht alte Traditionen das ganze Jahr erlebbar.

Räuchermänner, Pyramiden und Schwibbögen

In Seiffen dreht sich alles um die traditionelle Holzkunst des Erzgebirges – ein Handwerk, das aus dem Bergbau hervorging und sich zur heute weltbekannten Volkskunst entwickelte. Das auf 650 bis 820 Metern Höhe gelegene Spielzeugdorf liegt fast am Kamm des Erzgebirges und ist berühmt für sein typisch erzgebirgisches Kunsthandwerk und die einzigartige Technik des Reifendrehens. Beim Bummel durch die Schaufenster zeigt sich die ganze Vielfalt: Räuchermänner, Pyramiden, kleine Engel und Schwibbögen sind ein beliebtes Mitbringsel und eine traditionelle Weihnachtsdekoration.

  • Freilichtmuseum: In originalgetreu nachgebauten Werkstätten und Häusern erfährt man viel über das einstige Leben und Arbeiten in der Region. Besonders faszinierend ist die Reifendrehwerkstatt, in der aus unterschiedlich großen Holzreifen filigrane Figuren entstehen.

  • Bergkirche Seiffen: Mit ihrer achteckigen Form und dem klaren Barockstil ist die Kirche stiller Mittelpunkt und Wahrzeichen des Dorfes. Erbaut wurde sie nach dem Vorbild der Dresdner Frauenkirche.

  • Spielzeugmuseum: Auf drei Etagen zeigt das Museum Spielwaren und Kunstwerke der erzgebirgischen Volkskunst. Besonders beeindruckend ist die fünfstöckige Pyramide in der Mitte des Museums.

  • Seiffener Schauwerkstätten: In verschiedenen Handwerksbetrieben kann man den „Männelmachern“ über die Schulter schauen, wenn in aufwendiger Handarbeit Räuchermänner, Nussknacker und filigrane Spanbäumchen entstehen.

Von Neunerlei bis Weihnachtsstollen

Zu Seiffen gehört auch das traditionelle Neunerlei, ein Weihnachtsgericht aus neun symbolischen Speisen. Im Bunten Haus in Seiffen wird es bis heute gepflegt: Hotelchef Ronny Weiß serviert Klassiker wie zarte Gänsekeule mit Rotkohl und Klößen. Eine weitere traditionelle Leckerei aus Seiffen ist der Weihnachtsstollen der Bäckerei Walther: Schon beim Eintreten erfüllt sein süßer Duft die kleine Backstube. Der berühmte Stollen wird hier das ganze Jahr über angeboten – ein Stück Weihnachtsgefühl, das man jederzeit kosten kann.

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Bergbau aus Tradition

Im Tal der roten Pockau liegt das stille Dorf Pobershau, dessen Geschichte eng mit dem Bergbau verbunden ist. Vor rund 500 Jahren entdeckten Bergleute hier Silber, Zinn, Kupfer und Eisen – der Beginn einer Siedlung, die bis heute von dieser Tradition geprägt ist. Gleichzeitig ist Pobershau der ideale Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Wer die Natur liebt, wird das wildromantische Schwarzwassertal nicht mehr verlassen wollen. Die Wanderung entlang des Flusses Schwarze Pockau führt durch eine beeindruckende Schluchtenlandschaft, vorbei an moosbewachsenen Felsen. Der Kammweg Erzgebirge-Vogtland gilt als einer der besten Weitwanderwege Deutschlands. In 17 Etappen verbindet die Mehrtageswanderung Sachsen, Bayern und Thüringen auf 287 Kilometern.

  • Schaubergwerk Molchner Stolln: Besucher begeben sich hier auf eine eindrucksvolle Zeitreise durch die Geschichte des Bergbaus. In den engen Gängen erlebt man hautnah, wie Silber abgebaut wurde und welche harte Arbeit das Leben der Bergleute prägte.

  • Bergbaulehrpfad Pobershau: Der Weg führt vorbei an alten Stollen, Halden und Relikten des Erzbergbaus. Er gewährt einen stillen Einblick in jene Zeit, in der die Erzgewinnung die Landschaft und das Leben der Menschen formte.

  • Galerie „Die Hütte”: Das Museum zeigt die einzigartige Schnitzkunst des Pobershauer Künstlers Gottfried Reichel. Seine bewegenden Figuren – von biblischen Szenen bis zu Darstellungen aus dem Warschauer Ghetto – beeindrucken durch Ausdruckskraft und feinste Handarbeit.

  • Göpelpyramide: Das Wahrzeichen des Ortes erzählt mit seinen großen, geschnitzten Figuren von der Bergbaugeschichte des Dorfes. Besonders stimmungsvoll zeigt sie sich beim Bergmannsaufzug zur Pobershauer Bergweihnacht.

Tipp: Eine außergewöhnliche Veranstaltung ist das Pobershauer Bergfest, das alle fünf Jahre mit einer Festwoche begangen wird.

In und um Pobershau gibt es viel zu entdecken.

Von Buttermilchgetzn bis zum Lauterbacher Tropfen

Nach einer Wanderung durch das Schwarzwassertal mit Aufstieg zum Katzenstein lohnt sich eine kulinarische Pause in der Bergschänke zum Katzenstein. Mit viel Liebe werden hier traditionelle erzgebirgische Gerichte serviert. Besonders empfehlenswert sind die „Buttermilchgetzn“ – eine regionale Variante des Kartoffelpuffers. Ob herzhaft oder süß: beides ist ein Genuss. Einen gemütlichen Ausklang findet der Tag bei einem Gläschen vom Lauterbacher Tropfen – einem Kräuterlikör, der nach traditionellem Rezept in Lauterbach bei Pobershau hergestellt wird. Mit seiner feinen Essenz aus Kräutern und Wurzeln ist er nicht nur ein wohltuender Schluck, sondern auch ein Stück erzgebirgische Lebensart.

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Eine Auszeit für die ganze Familie

Nur wenige Autominuten von Dresden entfernt liegt Höckendorf, das Dorf für Familien, im idyllischen Tal der Wilden Weißeritz. Die Dorfkirche gehört zu den hundert ältesten Kirchen Deutschlands und begeistern mit Stilmerkmalen von der Romanik bis zum Jugendstil sowie einem prachtvollen spätgotischen Flügelaltar. Direkt am Marktplatz bietet das Heimatmuseum spannende Einblicke in die Geschichte des Ortes. Rund um das Dorf laden stille Täler, weite Wälder und abwechslungsreiche Wege zum Erkunden ein – ob zu Fuß durch den GEOPARK Sachsens Mitte oder mit dem Rad zur Talsperre Klingenberg. Hier verbinden sich Natur, Genuss und Geschichte auf angenehme Weise.

  • Tiergarten Höckendorfer Heide: Ein kleines Paradies für Tierfreunde: Thüringer Waldziegen, exotische Vögel, Hirsche und sogar Kamele lassen große und kleine Besucher staunen. Dazu gibt’s einen schönen Erlebnisspielplatz und viele gemütliche Plätze für ein Picknick.

  • STRACOS Erlebniswelt: Hier wird traditionelles Kunsthandwerk lebendig. In der Schauwerkstatt wird erkundet, wie detailreiche Pyramiden und Figuren entstehen – und Besucher können das ein oder andere Stück gleich mit nach Hause nehmen.

  • Naturerlebnishof Weidegut Colmnitz: Der liebevoll geführte Hof bietet Einblicke ins echte Landleben: Tiere füttern, frische Luft schnuppern und vielleicht sogar beim Melken oder im Stall helfen. Das ist besonders für Stadtkinder ein unvergessliches Erlebnis.

  • Wasserburg: Mitten im Ort stehen die Reste der eindrucksvollen Wasserburg aus dem 12. Jahrhundert. Erhalten geblieben ist ein mächtiger Turm – sechs Meter im Durchmesser, zwölf Meter hoch – das stolze Wahrzeichen des Nachbarörtchens Ruppendorf.

In Höckendorf treffen Geschichte und Natur aufeinander – mit spätgotischer Kirche und dem familienfreundlichen Tiergarten.

Vom Essig bis zur Eierschnecke

Seit 1936 – seit vier Generationen – stellt die Familie Schneider Senf und Essig nach traditionellen, gut gehüteten Rezepten her. Ein Abstecher in den Hofladen in Colmnitz lohnt sich, denn Feigensenf, Kräutersenf oder der würzige, hauseigene Ketchup machen jeden Grillabend zur Genießerparty. In Pretzschendorf backt die Bäckerei Sauer aus Mehl der Dresdner Mühle ein kräftiges Roggenmischbrot und die wohl beste sächsische Eierschnecke weit und breit – leicht, luftig und ein Muss für alle Süßliebhaber.

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Mehr entdecken, echt erleben

Das Erzgebirge ist eine Region voller Charakter – geprägt von Handwerk, Natur und Geschichten, die bis heute lebendig sind. Wer hier Urlaub macht, entdeckt Ruhe, Weitblick und echte Gastfreundschaft. Und vielleicht auch einen Ort, zu dem man gern wieder zurückkehrt.