Ausflug, Niederösterreich, Schallaburg, Wachau
Foto: Schallaburg/Alexander Kaufmann

Entdeckungsreise zur Schallaburg & ein Gartenbesuch

An Tag zwei der Servus Sommerfrische in und um Melk wandeln wir auf den historischen Spuren der Schallaburg und besichtigen eine botanische Gartenwelt mit über 4.000 Pflanzenarten. 
Text: Elisabeth Hofhans & Lena Distelberger
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Für die Fahrt von unserer Unterkunft, dem Melker Rathauskeller, zur Schallaburg haben wir heute das Fahrrad gewählt. Eine gute Idee, denn so können wir hautnah erleben, wie schnell man von der entzückenden Altstadt inmitten grüner Wiesen und Wälder ist. Vorbei an Kühen, Gänsen und Schafen sind wir bald froh, dass der kleine Elektromotor am Fahrrad mitstrampelt. Schließlich stehen Burgen üblicherweise auf der Spitze des Berges und nicht unten im Tal.

Die Fahrt vom Rathauskeller in Melk bis zur Schallaburg dauert etwa 20 Minuten – wenn der Drahtesel etwas mitstrampelt.

Zwischen den Zeiten

Die Schallaburg vermittelt schon rein architektonisch zwischen den Zeiten. Die außenliegende Wehranlage stammt aus dem Mittelalter und schützt das innerhalb der Mauern erbaute Renaissance-Schloss. Hatten die Mauern im Mittelalter noch die Aufgabe, Dorfbewohner zu schützen, diente das von Losenstein erbaute Schloss vor 500 Jahren als geistiges Zentrum und Ort der Bildung. In der damaligen Schule, einer Art Voruniversität, hatten Schüler und Schülerinnen gute Karten: Ihnen stand ein eigener Dirigent zur Verfügung, um musische Ideen umzusetzen, und mittels eines Kritikgesprächs an Lehrer und Lehrerinnen konnten sie Verbesserungsvorschläge direkt vorbringen. Die Schulordnung des Schlosses war so erfolgreich, dass Kaiserin Maria Theresia darauf später ihre Schulinitiative aufbaute.

Die Schallaburg ist ein generationenübergreifendes Gesamtkunstwerk – von den ältesten erhaltenen Bauteilen aus dem 11. Jahrhundert bis hin zum Ausbau als Renaissanceschloss im 16. Jahrhundert.

Auch heute noch sind Besucher jeder Altersgruppe herzlich willkommen. Während wir raschen Schrittes Richtung Arkadenhof gehen, werden es Familien wohl schwieriger haben, an dem riesigen Kletter-Drachen ohne Spielpause vorbeizukommen.

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Foto: Servus
Der Kletterdrache lädt kleine Burgherren und Fräulein zum Erkunden ein

Jede Figur erzählt eine Geschichte

Im Innenhof des Schlosses, dem sogenannten Terrakottenhof, erwartet uns bereits der künstlerische Leiter der Schallaburg, Kurt Farasin. Von ihm erfahren wir, dass die mit Terrakotten geschmückten Arkaden, die dem Hof seinen Namen geben, absolut einzigartig sind. Die detailgetreuen Darstellungen von Figuren erzählen Geschichten wie die Nibelungensage oder aus der griechischen Mythologie. Dass die Terrakotten die letzten 500 Jahre so unbeschadet überstanden haben, liegt sicher auch daran, dass sie direkt auf der Schallaburg gebrannt wurden, wo man die klimatischen Verhältnisse und kühlen Winter bereits kannte.

1.600 Terrakotten-Figuren lassen uns den Kopf in den Nacken werfen und staunen.

Aufbruch in neue Welten

Wir sind neugierig auf die diesjährige Ausstellung „Sehnsucht Ferne – Aufbruch in neue Welten“, in der wir unter anderem mehr über die große österreichische Abenteurerin Ida Pfeifer erfahren. Ende des 18. Jahrhunderts erkundete sie Gegenden, die bis dahin selbst die tapfersten Männer gemieden hatten. Nahezu zeitgleich reiste auch der Deutsche Alexander von Humboldt, der bis in die entlegensten Winkel der Erde vordrang. Wir bewundern sein originales Reisetagebuch, entdecken astronomische Messgeräte und staunen über die Sammelleidenschaften der damaligen Abenteurer. Kinder bekommen für den Rundgang übrigens einen Entdeckerbeutel, der sie spielerisch durch die Ausstellung begleitet.

Was treibt Entdecker an aufzubrechen und neue Welten für sich zu entdecken? Diese Frage stellt sich die aktuelle Ausstellung auf der Schallaburg.

Wichtig ist Kurt Farasin beim Rundgang vor allem, dass wir unseren eigenen Fokus auf die Ausstellungsobjekte legen können. Daher hat sich die Schallaburg bewusst gegen Audioguides entschieden: Jeder Besucher soll sein eigenes Tempo gehen, die Atmosphäre genießen und selbst entscheiden, worüber er mehr erfahren möchte. Nicht immer eine leichte Entscheidung – bei der Vielzahl an Exponaten. Wer am Ende der aufwändig und mit viel Liebe zum Detail gestalteten Ausstellung angekommen ist, dem blutet fast das Herz bei dem Gedanken, dass diese nach nur einem Jahr der nächsten weichen muss. Um Reiternomaden wird es da übrigens gehen – ein Grund mehr, bald wieder auf die Schallaburg zu kommen.

Ein Garten zum Verweilen

Wieder im Innenhof angelangt, stärken wir uns im Schlossrestaurant – übrigens eine Dependance des Melker Rathauskellers. Und welch' gute Entscheidung! Nach Spargelauflauf mit Erdbeeren, Ziegenkäse mit Radieschenrelish und Backhendlsalat wird es Zeit für einen Verdauungsspaziergang im Renaissance-Garten.

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Foto: Daniela Matejschek
Im abwechslungsreich bepflanzten Garten der Schallaburg summt und brummt es.

Um in den Garten zu gelangen, müssen wir eine hohe Mauer passieren – kein Zufall, sollten Mauern in der Renaissance doch die „Paradeisung“ (den Garten) von der Realität abschirmen. Richtig geraten: Von Paradeisung leitet sich das heutige Wort Paradies ab. Und das ist dieser Garten wahrlich. Auf sechs Hektar Fläche finden sich Liegewiesen, eine duftende Zitrusbaum-Sammlung und Beete nach historischen Vorlagen. Das Renaissance-Beet ist dem heutigen Bauerngarten durchaus ähnlich: Blumen, Gemüse und Kräuter werden gemeinsam gepflanzt und außen von Beerensträuchern begrenzt.

Auf 1.600 m² laden Wiesen, bunte Sessel und Liegestühle zum Lesen, Picknicken und Verweilen ein. Sogar Ballspielen ist hier erlaubt und erwünscht.

Am Rande der Gartenanlage befindet sich die mittelalterliche Schießanlage, auf der heute angehende Bogenschützen ihr Können ausprobieren können. Gleich daneben befindet sich das Ballhaus – der 1.000 Jahre alte Vorgänger heutiger Tennishallen.

Erst kürzlich wurde eine Aufzeichnung übersetzt, in der sich eine genaue Beschreibung des damaligen Gartengeländes fand. Das Ballhaus wurde demnach zum Tennisspielen genutzt, gegenüberliegend befindet sich auch heute wieder ein Schießstand. Der ganze Stolz der Burgherren damals waren exotische Pflanzen wie der Zitronenbaum.

Wer möchte, macht ein gemütliches Picknick im Garten oder genießt eine Schallaburg-Torte im Restaurant. Uns zieht es aber nun weiter Richtung Gartenwelt Gundacker.

Infos zur Schallaburg im Überblick

Kontakt:

3382 Schallaburg 1
Tel.: +43 2754 6317-0
buchung@schallaburg.at

www.schallaburg.at/de

Schallaburg das Restaurant
T: +43 2754 56530

Öffnungszeiten:

20. März bis 7. November 2021
Montag bis Freitag: 9.00 bis 17.00 Uhr
Samstag, Sonn-  und Feiertage: 9.00 bis 18.00 Uhr
Kassaschluss jeweils eine Stunde vorher

Tipp: Wer Freude an Nervenkitzel und Rätselraten hat, kann in der Schallaburg im Ecape Room „Gefangen im Eis - Aufbruch zum Norpol“ ein historisches Abenteuer erleben.

Der Gundacker Schaugarten

Der Schaugarten der Familie Gundacker liegt am Rückweg von der Schallaburg Richtung Melk in Winden. Der beeindruckende Garten voller mächtiger Bäume und Gehölze aus aller Welt entsprang der Fantasie eines Meister-Fleischhauers. Karl Gundacker sammelte auf Gartenreisen in ganz Europa Wissen und Samengut und pflegte seine Leidenschaft, die er mit Frau Sigrid und Tochter Gisela teilt.

Im Großteil der Anlage von Karl Gundacker sind Pflanzengesellschaften nach ihren Heimatländern angeordnet. Tochter Gisela öffnet die Tore des Gartens für Besucher.

Lange war dieses Kleinod ein gänzlich privates Vergnügen, in dem der Fleischer seinem eigenen Glück nachging. Erst mit Tochter Gisela wurde es auch für Außenstehende zugänglich. Begeistert führt uns die studierte Landschaftspflegerin durch das Gelände und zeigt auf Magnolien, Pfingstrosen, Funkien und zu Bäumen herangewachsenen Thujen.

Dankbare Funkien, Steine aus der Donau im alpinen Garten und ein Blick ins Grüne – nur ein kleiner Ausschnitt aus der Gartenwelt.

Eine Reise von Land zu Land auf 45.000 m² machen wir heute, entstammen die 4.000 Pflanzenarten doch der ganzen Welt. Die Hanglage der Pflanzenwelt schafft verschiedene Kleinklimate, denen die einzelnen Gehölze und Stauden mit Bedacht zugewiesen werden. Darunter finden sich nicht wenige Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind und hier bei den Gundackers ihr Kleinod gefunden haben, wie etwa die Japanische Eiche.

Die Nadeln der Engelmann-Kiefer haben eine wahrlich beeindruckende Länge. Gisela erzählt uns von ihrem Wunsch, Studenten hier ihre Forschungsarbeit tun zu lassen, um die seltenen Pflanzen zu schützen.

Dass in dem Garten alles so wunderbar gedeiht, grünt und blüht, liegt an vielfältigen Gründen. Zuallererst natürlich an der liebevollen Pflege und Hingabe sowie einem besonders grünen Daumen in der Familie. Aber auch andere Einflüsse spielen hier mit, etwa die Nordhanglage des Gartens und das pannonische Klima der Wachau. Besonderer Fokus wird auf die naturnahe und ökologische Pflege der Pflanzen gesetzt. So entsteht ein immerwährender Kreislauf, in dem Blätter und Hölzer liegen bleiben dürfen, die in Herbst und Winter als Kälteschutz und Zuhause für Nützlinge wie den Hirschhornkäfer dienen.

Unser Tipp: Jeden Freitag gibt es in der Gartenwelt Gundacker eine Führung mit anschließender Weinverkostung der besten Wachauer Weine. Mehr Infos dazu finden Sie auf visitmelk.com.

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