Wohnen, Hausbesuch, Stube, Sitzgelegenheit
Foto: Harald Eisenberger

Hausbesuch in Stainz bei Theresa und Michael Schöffel

Im weststeirischen Stainz haben Theresa und Michael Schöffel ein altes Bauernhaus restauriert. Wegen ihrer Kinder. Aber auch der Trauzeuge von Erzherzog Johann, Theresas Ururururgroßvater, ist nicht ganz unschuldig daran.
Text: Ursula Macher, Fotos: Harald Eisenberger

Wirklich begeistert waren sie an­fangs nicht. Kein Wunder: Als Theresa und Michael Schöffel 2001 das alte Bauernhaus im weststeirischen Stainz entdeckten, war das Anwesen halb verfallen und derart von Gestrüpp über­ wachsen, dass man es im hüfthohen Gras kaum als solches erkennen konnte.

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Weil aber Theresa Schöffel damals ge­rade ihr erstes Kind erwartete, das ebenso in der Natur aufwachsen sollte wie sie und ihr Mann – „der Michi in Tirol, ich in Graz“ –, entschied man sich schließlich doch da­ für, das Haus zu kaufen und es herzurich­ten. Zumal es durchaus Charme hatte und ursprünglich nur als Bleibe fürs Wochen­ende gedacht war.

Die Hausherren haben versucht, so viel als möglich von der alten Substanz zu erhalten und zu zeigen.

Dass daraus dann doch der Hauptwohn­sitz der Familie wurde, ist der recht rasch entfachten Begeisterung am Renovieren zu verdanken. In nur zweieinhalb Jahren wur­de durch Um­- und Zubauten ein gemütli­ches Heim geschaffen, das mit etwa 290 Quadratmeter Wohnfläche sehr großzügig dimensioniert ist.

In jedem Detail sieht man, wie viel Mühe, Kreativität und Liebe die neuen Besitzer in ihr Haus gesteckt haben. Das Dach zum Bei­spiel zieren heute alte Ziegel, die Michael Schöffel in weiser Voraussicht über längere Zeit gesammelt hat.

Moos lässt das Haus atmen

Auch die Stube, der einzige zur Gänze er­haltene Raum des 130-­jährigen Anwesens, wurde mit viel Hingabe restauriert. Um den Stil nicht zu verändern, suchte der Herr des Hauses penibel nach Holztramen, die den bereits morschen ähnlich waren.

Aus Rücksicht auf die Ursprünglichkeit wurde in diesem Raum auch auf eine neue Dämmung verzichtet. Wer genau hinschaut, kann daher immer noch hie und da durch die dicken Holzlatten nach draußen lugen. „Früher hat man die Zwischenräume mit Moos ausgesteckt. Das machen wir auch heuer noch so – alle drei bis vier Jahre. Da­ durch atmet das Haus ganz anders“, sagt Theresa Schöffel.

Während uns die mittlerweile zweifache Mutter auch noch erzählt, dass das Gebäude früher einem Knecht gehörte, bereitet ihr Mann das Frühstück zu. In der Pfanne brutzelt der Speck, den man von einem benachbarten Bauern bezieht. Dazu gibt’s eine Eierspeis’ – mit Kernöl, versteht sich.

Michael Schöffels Kochleidenschaft wird übrigens auch noch dadurch befeuert, dass er die Küche nicht nur geplant, sondern auch gebaut hat. Sogar Maurer- und Tischlerarbeiten erledigte der Geschäftsmann selbst. Die Türen der Küchenkästchen etwa fertigte er aus Brettern, die er auf steirischen Flohmärkten aufgestöbert hatte.

Keine Frage, dass sich die Familie in diesem Ambiente – sogar einen offenen Kamin gibt es, der vor allem an regnerischen Herbsttagen für Behaglichkeit sorgt – äußerst wohl fühlt. Und die Entscheidung, nach Stainz zu ziehen, keine Sekunde bereut. „Für mich ist die Gegend hier ein unentdecktes Paradies“, schwärmt Theresa Schöffel.

Die Familie und der Schilcher

Außerdem hat schon ihr Ururururgroßvater hier gelebt. „Er war als Botaniker natürlich sehr naturverbunden – das liegt also in der Familie.“ Zudem war Johann Zahlbruckner auch der Privatsekretär und Trauzeuge von Erzherzog Johann und leitete die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft, die er gemeinsam mit dem Habsburger gegründet hatte. Die beiden waren notabene auch die Ersten, die in der Gegend Schilcher-Reben anbauten, eine Weinsorte, für die die Weststeiermark längst berühmt ist.

So viel zur Vergangenheit. Jetzt aber wieder zur Gegenwart. Zurück zum Daheim, das für Theresa Schöffel auch Arbeitsstätte ist. Diese hat die Dirndlschneiderin seit zehn Jahren im Nebengebäude, einem ehemaligen Stall, der im nahe gelegenen Schwanberg abgetragen und auf ihrem Grundstück wieder aufgestellt wurde.

Er dient heute nicht nur den zwei Haflingern als Bleibe, die ebenso zum Haustier-Zoo der Schöffels gehören wie Hasen, Hühner, Katzen und Laufenten – sondern er wird, wie gesagt, auch von der leidenschaftlichen Modemacherin als Atelier genutzt.

Wer es betritt, sieht sofort die riesigen Stofftücher, die von der Galerie hängen und von Theresa Schöffel bedruckt werden. Bis zu hundert Jahre alt sind die rund vierhundert Holzmodel, die sie dafür verwendet – sie sind ein wertvolles Geburtstagsgeschenk ihres Mannes.

So einfallsreich die Steirerin in Einrichtungsfragen ist, so kreativ ist sie auch in Sachen Mode: „Mir ist es wichtig, dass jedes meiner Stücke ein Unikat ist. Und von Hand gefertigt – von der Borte bis zur Schürze“, sagt Theresa Schöffel.

Hinter der Küche wiehern die Pferde

Weil sie hier aber nicht nur arbeitet, sondern auch gerne Freunde empfängt, wurde ins Atelier eine kleine Küche eingebaut. Gleich neben dem Herd kann man übrigens durch eine Glaswand direkt in den Pferdestall schauen, was sich noch kein Besucher entgehen hat lassen.

Wir haben es uns nun mit ihnen auf der dazugehörenden Terrasse gemütlich gemacht. Vor uns liegt ein prächtiger Bauern- und Gemüsegarten. Die Wiese zwischen dem Atelier und dem Haupthaus bietet Louise, 12, und Valentin, 10, samt ihren Freunden genügend Platz zum Spielen.

Theresa und Michael Schöffel haben sich mit einem Glaserl Wein in der Hand zufrieden zurückgelehnt, wohlwissend, dass sie sich ihren großen Traum erfüllt haben – und nun mitansehen können, wie ihre Kinder im Grünen aufwachsen.

Drinnen und draußen wohlfühlen, das ist Familie Schöffel wichtig.

Servus-Empfehlung: Die Dirndln von Theresa Schöffel gibt’s in ihren Geschäften in Graz und Stainz. www.theresaschoeffel.com

Dieser Hausbesuch erschien in Servus in Stadt & Land im Oktober 2014.

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