Hauptspeise

Škubánky

Harald Nachförg wurde nach der Schule immer von seiner Oma bekocht – die schönste Erinnerung, die ihm davon blieb waren Škubánky – Erdäpfelnockerl mit Mohn und Staubzucker.

Erdäpfelnocken, Mohn, Zucker, Glas Milch, Servus Rezept, Süßspeise
Foto: Sonja Priller
Zu den Škubánky passt ganz köstlich eine Schale Apfelmus.  

Gut zu wissen:

  • Haralds Großmutter reichte dazu immer Apfelkompott oder Apfelmus.

Nach der Schule wurde ich immer von meiner Oma bekocht. Ich liebte sie über alles, was ihre kulinarischen Künste betraf, war sie aber weniger anbetungswürdig. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sie ja guten Willens war, mir was Feines zu kredenzen.

Leider orientierte sie sich in Sachen Geschmack aber zu sehr am Opa. Der hatte im Krieg sehr eigenwillige Vorlieben entwickelt, die ich notgedrungen mit ihm teilen musste. Grießnockerl zum Beispiel wurden so steinhart serviert, dass man sie nur mit Hammer und Meißel zerkleinern konnte. Reisfleisch genoss er am liebsten als klebrigen Ball, und Fettes und Kruspeln machten ihn ebenso glücklich wie Quargeln, deren Gestank einem die Tränen in die Augen trieb.

Dementsprechend oft stocherte ich im Essen herum. Ich galt als Zezn. Nur nicht bei Süßspeisen. Da liebte der Opa die böhmische Küche, und die hatte die Oma perfekt drauf. Mein Lieblingsgericht waren Škubánky, sprich Schkubanki. Wer einfach Mohnnudeln dazu sagt, verkennt die Lage.

  • Die Erdäpfelteignockerl, die zum großen Finale mit Mohn und Staubzucker bestreut wurden, waren mehr als das und schmeckten als wohlklingende Škubánky noch besser. Es gab sie übrigens nur freitags – ich bin ja in einer Zeit groß geworden, als freitags noch kein Fleisch, sondern nur Fisch oder Süßes auf den Tisch kam.

Škubánky – das Tor zum Freizeitglück

Heute noch seh ich die Oma, wie sie im Hauskleid vor dem weiß emaillierten Holzofen steht und die Nockerl goldbraun herausbackt. Aus dem Radio plärrt „Autofahrer unterwegs“. In dem Moment aber, in dem die Oma zerlassene Butter über die Škubánky gießt, gilt Opas Andacht nur mehr dem Essen. Für mich bedeutete die Mehlspeise sogar noch mehr als Gaumenglück. Sie war die Ouvertüre zum Wochenende – zur Freizeit, auch wenn man damals noch samstags Schule hatte.

Zum Autor: Harald Nachförg ist Journalist, Kolumnist und Autor des Buches „Kannst dich noch erinnern?“, in dem er einen auf eine vergnügliche Zeitreise in die 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahre mitnimmt.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Jänner 2020 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
4 Portionen 1:15 Stunden
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Zutaten
500 g mehlige Erdäpfel
40 g glattes Mehl
50 g Butterflocken
40 g Butterschmalz zum Ausbacken
30 g zerlassene Butter
150 g geriebener Mohn
50 g Staubzucker
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Zubereitung
  1. Die Erdäpfel mit der Schale in Salzwasser kochen, noch heiß schälen, in Stücke schneiden und mit Mehl bestreuen. Butterflocken darüber verteilen und eine Viertelstunde stehen lassen.

  2. Die Erdäpfel mit einer Gabel zerdrücken und alles zu einem Teig verkneten.

  3. In einer Kasserolle Butterschmalz zerlassen. Mit einem in heißes Fett getauchten Esslöffel Nockerl abstechen und diese 4 bis 6 Minuten unter mehrmaligem Wenden goldbraun backen.

  4. Škubánky nebeneinander in eine flache Schüssel setzen und mit zerlassener Butter beträufeln.

  5. Mohn mit Staubzucker vermischen und die Škubánky vor dem Servieren damit bestreuen.

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