Wohnen, Hausbesuch, Sitzecke, Farben, Einrichtung
Foto: Harald Eisenberger

Hausbesuch in einem traditionellem Haus am Wolfgangsee

Nahe am Wolfgangsee haben Sigrid und Johann Gründbichler ein Haus im traditionellen Baustil des Salzkammerguts errichtet. In dem nur wohnen darf, wer positiv denkt. So wie sie selber.
Text: Karin Tomka, Fotos: Harald Eisenberger

Still und starr liegt der See ...“ klingt es wie bestellt aus dem Radio. Wir fahren soeben die Uferstraße des Wolfgangsees entlang, und das allseits bekannte Adventlied passt perfekt dazu. Zwar rieselt kein Schnee, der See aber liegt wirklich still und starr vor uns, und der Wald glänzt tatsächlich weihnachtlich.

Nicht mehr lang und wir haben das Haus von Johann und Sigrid Gründbichler erreicht. Malerisch thront es auf einer Anhöhe am Fuße des Schafbergs, nur drei Minuten vom See entfernt.

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„Das ist für mich das schönste Fleckerl der Welt“, sagt der Hausherr. Schon in jungen Jahren wollte er hier ein Haus bauen, 30 Jahre hat er warten müssen, doch dann stand endlich ein Grund zum Verkauf. „Das war ein großer Zufall“, sagt er. „Aber geh, das Platzerl hat auf uns gewartet“, widerspricht ihm die Sigrid und lacht.

Lauter alte Sachen im neuen Haus

Jedenfalls haben die beiden sofort zugegriffen und vor drei Jahren im hier so typischen Salzkammergut-Baustil ein Anwesen errichtet, das aussieht, als wäre es Jahrhunderte alt. Doch das ist nicht das Besondere. Das Besondere sind die Menschen, die in dem dreistöckigen Gebäude leben.

Abgesehen von der Wohnung der Gründbichlers gleich unter dem Kreuzgiebeldach gibt es nämlich noch fünf weitere, die vermietet wurden. Und deren Bewohner sich, so unterschiedlich sie auch sind, doch in einem gleichen: Sie alle zeichnet Menschlichkeit, Fröhlichkeit und positives Denken aus.

Sigrid und Johann, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und das Haus auch barrierefrei bauen ließ, war das ganz wichtig. Zumal die beiden selbst lebensfrohe, glückliche und zufriedene Menschen sind.

Und „begeisterte Sammler“, wie der Hausherr betont, der früher Polier war und der, seit er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, ein Antiquitätengeschäft in Bad Ischl führt. „Damit haben wir uns einen Traum erfüllt. Mein Mann verkauft die Pretiosen, und ich schleppe sie heran“, sagt die Sigrid. Und verrät auch gleich, dass sich ihr Mann von vielem nicht mehr trennen mag, was ihm so unterkommt. Was freilich gar nicht so schlimm ist. Denn so ist man auch zum Prunkstück in der Wohnung gekommen: einem voll funktionstüchtigen Hochzeitsofen der Keramik-Manufaktur Sommerhuber aus den 1930er-Jahren.

Die Dinge erzählen eine Geschichte“, sagt Johann, „und es steckt Lebensenergie drinnen“, fügt Sigrid hinzu. „Wir können nichts wegwerfen, was ein anderer Mensch sich vom Mund abgespart hat. Früher war das oft die Bettwäsche.“

Darum fertigt die gelernte Schneiderin und Fachlehrerin an der Modeschule in Ebensee daraus Polsterbezüge. Auch Großmutters bestickten Nachthemden hat die 44-Jährige neues Leben eingehaucht: Sie dienen nun als Vorhänge im Schlafzimmer.

Überhaupt ist vieles selbst gemacht oder dient nun einem anderen Zweck. So wurden etwa Holzskier zu Kleiderablagen umfunktioniert, kunstvoll gearbeitete Schlitten zu Nachtkästchen, und die aus Holz geschnitzten Musikanten und Figuren – die einst Luster schmückten – stehen nun in Reih und Glied auf dem Sims über der Eckbank. Ein Stück, das Sigrid aus Altbeständen zusammengeschraubt hat.

Aufeinander schauen und helfen

Bis auf Küche und Badezimmer stammt in der Wohnung der Gründbichlers fast alles aus dem vorigen oder vorvorigen Jahrhundert. Der alte Kasten mit Originalschloss und -schlüssel etwa stand, bevor er vom Ehepaar einen Ehrenplatz erhielt, 250 Jahre lang im Vorhaus eines Bauernhofes.

Zentrum der Wohnung ist aber der extralange Fichtenholztisch unter dem Giebel, mit der Sitzbank und den Sesseln drumherum. Von hier aus überblickt man den See und die dahinter aufragenden Berge der Salzburger Kalkvoralpen: den großen Sperber, die Bleckwand, das Wieserhörndl, den Rettenkogel, das Zwölferhorn ...

An diesem rustikalen Tisch werden die Mahlzeiten eingenommen, hier wird gearbeitet – und gern, oft und ausgiebig gefeiert. Demnächst: der Jahreswechsel. Mit einem großen Fest wird die Hausgemeinschaft das alte Jahr im Dachgeschoß verabschieden und das neue begrüßen. Und Nachbar Leo, ein rüstiger 80-jähriger Kavalier der alten Schule, alle Damen des Hauses reihum zum Donauwalzer bitten.

Kein Wunder, dass sich die quer durch alle Altersgruppen bunt gemischte fidele Gesellschaft schon seit Wochen auf Silvester und dessen Höhepunkt freut: das prachtvolle Feuerwerk. „Wir haben hier bei uns heroben die beste Aussicht. Es ist so schön, dass man es gar nicht beschreiben kann“, sagt Johann Gründbichler.

„Und es ist halt auch immer sehr lustig bei uns“, ergänzt seine Frau, die Sigrid, die sich auch darüber freut, „dass unsere Hausgemeinschaft in zweieinhalb Jahren schon richtig zusammengewachsen ist und sich alle miteinander sehr wohl fühlen“.

Dem Zufall hat das Paar bei der Auswahl der Mieter wie gesagt nichts überlassen. Die Kriterien, die erfüllt werden mussten, waren ebenso einfach wie schwierig: Das Haus soll bevölkert sein mit Menschen, die positiv denken, die weder Neid noch Missgunst kennen, Menschen, die mit der Natur und den Ressourcen achtsam umgehen, Menschen, die das Schöne sehen und schätzen, und nicht zuletzt Menschen, die gewillt sind, aufeinander zu schauen und einander zu helfen – so Johanns und Sigrids Wunsch.

Und der erfüllte sich. „Es macht Freude, dass sich das alles so wunderbar gefügt hat“, sagt Johann. „Schließlich wollten wir das Haus nicht für uns allein, sondern auch andere daran teilhaben lassen.“

Zurück zur alten Bauweise 

Was das Gebäude alles bieten muss, war den beiden von vornherein klar. Behindertengerecht musste es sein und komfortabel ausgestattet. Direkt von der Tiefgarage aus sollte man mit dem Aufzug barrierefrei jede Wohnung erreichen können.

Und weil das Anwesen auf einem Sonnenhang liegt, wurde es so geplant, dass es sich im Winter quasi von selbst aufheizt, während im Sommer die Dachvorsprünge der Veranden vor Hitze schützen.

Kurz und gut: Man bevorzugte eine Bauweise, die sich seit alters bewährt hat. Und so ist der Ziegelbau im Erdgeschoß verputzt, die Obergeschoße sind mit Lärchenholz verschalt, und das Holz am Kreuzgiebeldach ist nach traditionellen Mustern der Gegend ebenso kunstvoll ausgesägt wie jenes der Veranden und Balkone.

Beheizt wird mit einer Luftwärmepumpenheizung über den Fußboden. „Die Energiekosten sind sensationell gering“, freut sich Johann Gründbichler.

Dass es keine gröberen Probleme gab und das Haus auch so aussieht, als wäre es immer schon da gewesen, hat mit der langen Planung – die Bauzeit selbst betrug nur 15 Monate – zu tun.

Dieser Hausbesuch erschien in Servus in Stadt & Land im Dezember 2013.

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