Hauptspeise

Omas Brathendl

Die Anfahrt zur Oma von Andreas Gröbl ins Mostviertel dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Als Belohnung gab’s Brathendl.

Auf einem alten Tischofen steht ein Bräter mit einem Brathendl und Kartoffel fertig gebraten. Daneben liegt ein Holzbrett mit einem allten kleinen Schöpflöffel
Foto: Ingo Eisenhut
Immer wieder mit Suppe übergossen, schmeckt das Brathendel besonders würzig.  

Ein Besuch bei der Oma war für meine kleine Schwester und mich in den Siebzigerjahren wie eine Reise in eine andere Welt. Die Stunde über Mostviertler Landstraßen nach Waidhofen an der Ybbs auf der Rückbank der Familienkutsche – selbstverständlich ohne Unterhaltungselektronik, ohne Klimaanlage und ohne Sicherheitsgurte – forderte ihren mentalen und körperlichen Tribut.

Einmal angekommen, folgte das immer gleiche Ritual

Oma stand leicht gebückt und mit einer schwarzen Schürze bekleidet in der Eingangstüre ihres winzigen Hauses und winkte uns herein. Entweder hat sie das Brummen von Vaters altem Mercedes schon von weitem gehört, oder sie hatte einen sechsten Sinn. Die neuerdings übliche minütliche Vorankündigung per WhatsApp kann ich nach heutigem Wissensstand ausschließen.

Oma – eigentlich war sie meine Uroma – wusste nur zu genau, was uns Kinder magisch anzog. Also ging sie unverzüglich mit uns in den kleinen Holzverschlag neben dem Haus, in dem Hühner, Hasen und weiß Gott noch was wohnte.

Wir durften die Tiere füttern, streicheln und die frisch gelegten Eier im Stroh suchen, bis sie uns in ihre Stube rief, aus der es bis vor die Türe duftete. Oma war Jahrgang 1901. Eine kleine, fleißige und sehr gläubige Frau mit gutmütigem Herzen und wachem Blick.

Sie hatte als Mädchen Kaiser Franz Joseph in der Provinz gesehen

Sie hatte zwei Weltkriege überstanden und bekam als Witwe eine winzige Pension, was ihre Großzügigkeit heute in noch größerem Licht erscheinen lässt. Denn uns Enkerln gab sie immer alles, was sie hatte, oft noch mehr als das. Ihr Wohnzimmer war auch Küche und Schlafzimmer, in der Ecke stand ein holzbefeuerter Ofen.

Zu gerne hätte ich als Knirps mit dem Schürhaken einmal diese glühend heiße Metallabdeckung entfernt und selbst Holz nachgelegt. Aber das war Chefsache.

Unser Leibgericht war Omas Brathendl

Es war so weich und so schmackhaft zubereitet, dass es auf der Zunge zerging. Als Beilage gab es Bratkartoffeln. Das alles wurde in einem gusseisernen Bräter langsam gegart und immer wieder mit Hühnersuppe übergossen.

Selbstverständlich war Omas Küchebio“ – und „nachhaltig“ ohnedies. Denn der Weg auf den Teller war keine zwanzig Meter für Karotten, Kräuter, Salat und natürlich auch das Brathuhn selbst. Dass unser Mittagessen wohl noch gelebt hatte, als wir an Amstetten vorbei ins Ybbstal einbogen, wurde meiner Schwester und mir erst viele Jahre später bewusst.

Zum Autor: Andreas Gröbl ist Formel-1-Kommentator und Moderator bei ServusTV. Wenn er nicht die Rennstrecken der Welt bereist, spielt er leidenschaftlich gern Gitarre in seiner Band Cow Hill Gang oder steht selbst am Herd und bekocht seine Familie.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Juli 2025 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
1 Stück 2 Stunden
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Zutaten
1 Bio-Hendl mit ca. 1,4 kg
2 EL weiche Butter
1 TL Hendlgewürz
1 kg speckige Erdäpfel
ca. 250 ml heiße Hendlsuppe
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Zubereitung
  1. Backrohr auf 200 °C Heißluft vorheizen.

  2. Hendl innen und außen sauber waschen und mit Küchenpapier trocken tupfen. Dann mit 1 EL Butter rundum ordentlich einschmieren und mit Hendlgewürz bestreuen.

  3. Erdäpfel schälen und je nach Größe halbieren oder vierteln. 1 EL Butter und Erdäpfel in einen schweren Ofenbräter geben und das Hendl draufsetzen.

  4. Den Bräter in das Rohr auf die unterste Schiene stellen und die Temperatur auf 150 °C senken.

  5. Brathendl ca. 30 Minuten braten, dann mit 125 ml Hendlsuppe übergießen. Nach 15 Minuten mit restlicher Suppe übergießen und 30 Minuten weiterbraten. Dabei regelmäßig mit Hendlsuppe aus dem Bräter übergießen.

  6. Brathendl weitere 30 Minuten braten, dabei aber nicht mehr mit Suppe übergießen, damit die Haut schön knusprig wird.