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Ausflüge

Looshaus

Vor fast hundert Jahren ließ sich der Mayonnaisefabrikant Paul Khuner am Kreuzberg in Niederösterreich ein Landhaus errichten. Heute ist das Architekturjuwel ein Gasthaus – mit herrlich bodenständiger Küche und tollen Ausblicken.

Wirtshaus, Looshaus, Außenansicht, Payerbach, Niederösterreich
Foto: Christian Redtenbacher
Das urige Looshaus in Payerbach

Ich habe das Gefühl, daß das Honorar, das ich Ihnen zahlte, viel zu klein war ... Gestatten Sie, dass ich mein Gewissen durch Übersendung des beiliegenden Schecks erleichtere.

Ja, der Lebensmittelfabrikant Paul Khuner war von Adolf Loos schwer begeistert und ließ sich das auch etwas kosten. Der geniale Architekt hatte ihm seine erste Wohnung in Wien eingerichtet – wofür ihm der Industrielle zwei Jahrzehnte später, man schrieb nun das Jahr 1929, noch einmal brieflich und finanziell dankte. Schließlich stand in diesen Tagen auch Khuners Landhaus kurz vor der Fertigstellung. Und auch hier, am Kreuzberg im niederösterreichischen Payerbach, hatte Loos ein visionäres Bauwerk geschaffen, das dem Auftraggeber große Freude bereitete.

Heute wird die Villa als Gasthaus genutzt. Sogar übernachten kann man in dem Kleinod. Wir betreten das Looshaus über den engen, verschachtelten Eingang und öffnen die Tür zur Gaststätte. Unvermittelt steht man in einer riesigen, lichtdurchfluteten Halle. Von einem Fenster zu sprechen wäre untertrieben, fast die gesamte Nordfassade besteht aus Glas und bietet einen grandiosen Ausblick auf die Voralpenlandschaft, auf die Raxalpe und den Schneeberg.

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Wirtshaus, Looshaus, Wirtsleute, Payerbach, Niederösterreich
Foto: Philipp Horak
Die Wirtsleute des Looshauses: Norbert Steiner und seine Schwester Hanna Sehn

Kein Chichi und Tata

Draußen pfeift der Sturm. Hier drinnen ist es gemütlich warm und angenehm ruhig. Die Tische sind schon eingedeckt, aber außer Hanna Sehn, Norbert Steiner und ihren Mitarbeitern ist vormittags noch niemand da. Die Geschwister sitzen am großen Küchentisch. Sie führen das Looshaus nun schon seit dem Jahr 2001 und sorgen dafür, dass man in dem denkmalgeschützten Architekturjuwel auch entsprechend isst.

Wie Loos halten die beiden nichts von Chichi und Tata. Sie bieten dem Gast eine schnörkellose, dafür wunderbar bodenständige Küche mit regionalen Spezialitäten. Lamm-, Schweinefleisch und Schafkäse kommen vom Althammerhof am Semmering, Gänse bringt der Nachbar, Wild der Jäger. Die fangfrischen Fische stammen aus Trattenbach am Wechsel oder aus dem Gut Dornau in Leobersdorf – wie etwa der Wels, der heute das Szegediner Gulasch verfeinert.

In der Küche wird schon fleißig gearbeitet. Hanna Sehn hat natürlich die Oberaufsicht, jedoch drei Vertraute, die ganz in ihrem Sinn ans Werk gehen. Die Silvia, zu der aber alle Mitzi sagen. Den Alex, der wie­ derum Schurli genannt wird. Und die Moni­ka, allseits bekannt als das Kräuterzwergerl. Die Chefin will alle drei gewürdigt wissen. „Sie sind schon eine Ewigkeit bei mir“, sagt sie stolz. „Und das mit den Namen hat sich so ergeben“, erklärt sie lachend.

Claudia und Markus heißen wirklich so. Sie arbeiten im Service, und dafür ist Norbert Steiner verantwortlich. Ebenso für Bier, Schnaps, Wein. Seine Empfehlung in eben­ dieser Reihenfolge: Raxbräu, die Kreuzberger Edelbrände vom Loiblhof und den Cabernet Sauvignon vom Weingut Payr, eine Exklusivabfüllung fürs Haus.

Wir kosten erst einmal vom naturbelassenen Bier. Es ist handgebraut, wird weder fil­triert noch pasteurisiert und schmeckt tat­sächlich großartig. Der Norbert erzählt uns einstweilen, wie das Looshaus in den Besitz seiner Familie kam und warum es nahezu im Originalzustand erhalten blieb.

Gaststube des Looshauses

Großmutter kaufte ohne zögern

Als Paul Khuner, der mit Bratfetten und Ma­yonnaise ein Vermögen gemacht hatte, 1932 mit nur 48 Jahren starb, ging sein Landhaus in den Besitz der Unilever AG über. Diese war drei Jahre zuvor von Waschmittel­ und Spei­sefett Erzeugern gegründet worden – ein Zusammenschluss, in dem auch Khuner sein Unternehmen einbrachte, das aufgrund der Weltwirtschaftskrise vor dem Ruin stand.

Die Unilever jedenfalls nützte die Villa als Gästehaus, bevor sie das Gebäude 1948 an die Teerag­Asdag AG verkaufte. Das Bau­unternehmen wiederum verwendete es un­ter anderem als Erholungsheim, wusste kei­ne zehn Jahre später aber nicht mehr viel damit anzufangen und sperrte das Haus zu. Es hatte übrigens den Krieg unbeschädigt überstanden und war, weil durchgehend in Betrieb, immer noch ganz gut in Schuss.

„Jetzt zu unserer Großmutter“, sagt der Norbert. Ilse Wurdack. Sie betreibt in den 1930er­Jahren mit ihrem Mann das Holl­haus auf der Tauplitzalm. Als der Ende des Zweiten Weltkriegs ums Leben kommt, schafft sie es noch eine ganze Weile allein. Dem Besucheransturm in den Wirtschafts­wunderjahren ist sie aber nicht mehr ge­wachsen. Sie wünscht sich etwas Kleineres.

Es fügt sich, dass sie vom ungeliebten Haus der Teerag­Asdag erfährt; 1959 kauft sie es ohne viel Federlesens. Noch ist da aber niemandem die architektonische Bedeutung der Villa bewusst.

„Das wurde uns erst viel später klar“, sagt Norbert Steiner. Zum Glück hatte die Großmutter keine schlimmen Veränderungen veranlasst, und auch die Eltern, die das Looshaus Anfang der 1970er-Jahre übernahmen, modernisierten es behutsam. „Ich hab noch Kleinigkeiten verändert, aber immer so, dass ich entweder wieder den Originalzustand hergestellt hab oder ihm zumindest nahegekommen bin“, erzählt Norbert.

Kaiserschmarren für den König

Er findet es hier am Kreuzberg „lässig“, kann sich keinen anderen Arbeitsplatz mehr vorstellen. Und das heißt was bei einem Mann, der die ganze Welt gesehen hat. Als Koch und Kellner verschlug es ihn nicht nur nach Salzburg ins Hotel Sacher oder nach Israel, wo er am See Genezareth die koschere Küche kennenlernte. Norbert Steiner eroberte auf Kreuzfahrtschiffen auch alle Kontinente.

Ich hab sogar für den König von Tonga gekocht.
Sagt Norbert Steiner

Was er dem Herrscher der Südseeinsel kredenzt hat? „Schnitzel und Kaiserschmarrn, was sonst?“

Auf solche Klassiker versteht sich freilich auch Hanna Sehn. Als etwa Otto von Habsburg sie einst nach Reichenau ins Schloss Wartholz bat, tischte sie dort Tafelspitz und Apfelstrudel auf. Im Gegensatz zu ihrem Bruder hat sie es zwar nicht so mit dem Reisen, Ausflüge nach Wien zu Helmut Österreicher und nach Filzmoos zu Johanna Maier mussten aber sein. Von Köchen mit vier Hauben kann man sich ja was abschauen.

12 Uhr. Während wir uns den Maroniauflauf auf der Zunge zergehen lassen, beginnt sich das Looshaus schnell zu füllen. Nicht wenige Gäste kommen aus Wien. Mitunter sind Touristen dabei, die nur wegen der Architektur vorbeischauen.

Hanna verdreht die Augen. Zu oft sind welche darunter, die ohne zu fragen durchs ganze Haus rennen und sich sogar in die Zimmer schleichen. „Einmal hab ich so unverfrorene Menschen eine Viertelstunde lang darin eingesperrt“, sagt Hanna und lacht. Ja ja, mit der leidenschaftlichen Wirtin sollte man es sich nicht verscherzen.

Spezialitäten in der Übersicht

Servus Wirtshaus

Looshaus

Familie Steiner
Kreuzberg 60
2650 Payerbach
Tel.: +43 2666 52911
Mail: steiner@looshaus.at
http://www.looshaus.at/

Öffnungszeiten

Juli und August täglich von 11.30–21 Uhr geöffnet.

Ruhetag: 

Von September bis Juni am Mittwoch.

Zahlungsmöglichkeiten

  • Bankomat
  • Bar
  • Kreditkarte

Gut zu wissen

  • Gastgarten
  • Zimmer
  • Attraktion des Wiener Architekten Adolf Loos
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