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Ausflüge

Taverne Silmbroth

Beim Silmbroth im oberösterreichischen Viechtwang, wo im Sommer gegrillt wird und Würste eine große Rolle spielen, ist die Welt noch in Ordnung. So in Ordnung, dass manche gar nicht mehr heimgehen wollen.

Wirtshaus, Gasthaus Taverne Silmbroth, Viechtwang, Oberösterreich
Foto: Mirco Taliercio
Familie Silmbroth in Viechtwang

Ja, der Silmbroth. Oder vielmehr „Süm­ brod“, wie man im oberösterreichischen Almtal sagt beziehungsweise seufzt, ent­ weder vorfreudig oder bereits glücklich gesättigt, mit Hochachtung jedenfalls und liebevoller Zuneigung. Denn so ein Wirtshaus wie jenes am zauberhaften Ortsplatz von Viechtwang findet man nicht mehr so oft. Wer ein Stündchen oder zwei in der seit siebzig Jahren nahezu unveränderten Gast­stube verbringt, stellt sich unweigerlich zwei Fragen: Wird unsere Kindergeneration so etwas noch erleben dürfen? Und: Kann man hier eventuell auch noch in Schilling zahlen?

Fakten wie Währungen, wechselnde Herr­schaften oder Landesgrenzen schrumpfen beim Silmbroth nämlich zu historischen Fußnoten. Immerhin existiert das Gasthaus an dieser Stelle bereits seit 1448.

Damals war die benachbarte barocke Pfarrkirche noch lange nicht erbaut, ge­schweige denn das ferne Amerika entdeckt. Kartoffeln gab es also in der damaligen Taverne nicht. Heute nennen die Wirtsleut’ ihren Hort der kulinarischen Herrlichkeiten immer noch Taverne, und Kartoffeln gibt es nach wie vor nicht. Dafür Erdäpfel. „Bei uns san die Erdöpfön rund und blei’m rund“, sagt Kellnerin Irmi und lacht. Pommes frites wird man auf der Karte also vergeblich suchen, und auch sonst haben die Silmbroths statt auf Modetrends immer auf die Ehrlich­keit der Produkte gesetzt. Im wahrsten Sinne schnörkellos. „Pulled Pork“, sagt Fritz senior und zieht die Augenbrauen hoch, „das ist Schweinefleischvergewaltigung im aller­ höchsten Grad.“

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Legendäre "Kesselhoasse"

Ja, die Silmbroths. Fritz & Fritz, Vater und Sohn, Rückgrat eines Familienbetriebs, in dem Ehefrau, Partnerin, Schwager, Ge­schwister, Töchter und Söhne mitarbeiten, ein bisschen Patchwork durch Schicksals­schläge und Lebenswege. Will man vom alten Fritz etwas wissen, sagt er gerne: „Das musst den Buam fragen.“ Fragt man den Jungen, antwortet er: „Das weiß der Papa.“

Ein zusammengeschweißtes Team also die beiden, das seit zwanzig Jahren gemein­sam jeden Tag von vier Uhr morgens bis in den Abend hinein arbeitet. Ob sie jemals streiten? „Höchstens wegen Kleinig­keiten“, erzählt Fritz junior. Über das Große und Ganze sind sie sich nämlich einig: Ob Schwein, Rind, Kalb, Lamm oder Wild, alle Tiere kommen aus dem Almtal und werden nach kürzestmöglichem Transport in der zum Wirtshaus gehörenden Fleischhauerei geschlachtet. Alle 75 Wurstsorten werden im Haus gefertigt. Geräuchert wird in der Selchkammer mit Buchenholzspänen.

Besonders legendär und geradezu inter­national berühmt ist der Donnerstag beim Silmbroth: Da gibt es nämlich die legen­dären „Kesselhoaßen“: Die frisch gemachten Würste sieden in einem riesigen Kessel, die Gäste fischen sich heraus, worauf sie Lust haben. Dazu gibt es Almtaler Bier von der Brauerei Eggenberg und Zwieballen, ein traditionelles, mit Kümmel gewürztes Weckerl, das aus zwei faustgroßen Teilen besteht und nur im Almtal gebacken wird. An diesen Donnerstagen sitzen Blaumann­ und Krawattenträger einträchtig nebenein­ ander. Selbst Geschäftsleute, die regelmäßig beruflich im Almtal zu tun haben, richten ihre Termine nach diesen bekannten Tagen.

„Früher sind halt am Donnerstag der Schuldirektor, der Pfarrer und der Gemeinde­schreiber in der Fleischhauerei gesessen, weil am Donnerstag traditionell für das Wochenende gewurschtet wird“, erzählt Fritz senior, „aber dass das einmal so groß herauskommt, hätte niemand gedacht.“ Das Einzugsgebiet umfasst nicht nur Linz, Mühl­ und Innviertel, auch aus Tirol ist extra eine Gruppe angereist. Und jedes Jahr macht sich ein Motorradverein mit uralten Puch­Mopeds von Linz­Urfahr auf die 40­km/h­Reise ins Almtal. Und, noch er­staunlicher, auch wieder zurück.

Fleisch ist die Leidenschaft der Silmbroths

Feuer & Flamme für Fleisch

An diesen Donnerstagen bleiben manche Gäste nur zehn Minuten, andere sitzen bis in den Abend hinein. Jene, die gar nicht mehr heimgehen wollen, kommen dann in den Genuss des Grillabends, der ab Juni ebenfalls am Donnerstag zelebriert wird: mit Steaks, Beiriedschnitten, Koteletts und Schopf, Bratwürsteln, Käsekrainern, gegrill­ter Braunschweiger ... und einem Buffet mit 25 verschiedenen Salaten. Dieses Buffet hat unter anderem damit zu tun, dass Barbara, die Ehefrau von Fleischermeister Silmbroth junior, Vegetarierin ist. Momentan ist sie mit den zwei Kindern mehr als ausgelastet, „und ohne sie wäre das alles nicht denkbar“, sagt Fritz. Ob er angesichts einer vegetarischen Ehefrau nicht manchmal kritisch über seinen Beruf nachdenkt? „Ich bin schon als Volksschulkind mit dem Papa zu den Bauern gefahren und hab die Tiere geholt. Ich bin so aufgewachsen. Das ist für mich etwas Natürliches und Urtümliches.“

Ja, die Silmbroths. Man merkt, dass ihnen die Arbeit Freude macht, trotz des drakonischen Weckerläutens zu einer Zeit, da andere noch tief und fest schlafen. Aber zum Beispiel der sagenhafte „Leberkas-Bunki“, ein doppelt gebratener Leberkäse in Kugelform, muss eben spätestens um acht Uhr früh warm und knusprig bei den Nahversorgern der Umgebung liegen. Manche Tage werden besonders lang, eben besagter Donnerstag zum Beispiel mit den Würsten aus dem Kessel und dem Grillabend.

Bei Regen und Hagel

Auch den gibt es nun schon seit vierzig Jahren, erzählt Vater Fritz: „Damals hat ja noch kein Mensch gegrillt. Damit unter der Woche auch einmal etwas anderes los ist, habe ich den Grillabend ins Leben gerufen. Auf einem winzigen Griller habe ich begonnen, natürlich mit Holzkohle. Jede Woche, auch bei Regen und Hagel, nur damals ohne Vordach, bin ich dagestanden und habe Koteletts und Würstel gegrillt, später auch Steaks. Heute wird ja so vieles übertrieben. Was heute alles Steak genannt wird, ein Stück Schermrippe zum Beispiel ... Wenn wir das als Lehrbuam gesagt hätten, wir hätten solche Tetsch’n kriegt.“

Ein Lehrbub war einst auch Fritz junior, der immer nur Fleischhauer werden wollte. Mit siebzehn Jahren wurde er Bundessieger beim Lehrlingswettbewerb. „Die Meisterprüfung hat damals eine Woche gedauert, man musste einfach alles können, was dazugehört. Heute, mit vierzig, habe ich immer noch eine Freude mit einem schönen Stück Fleisch auf dem Griller, auch wenn ich das noch so oft gesehen habe.“

Ja, so sind sie, die Silmbroths.

Die fleißigen Helfer der Familie Silmbroth

Spezialitäten in der Übersicht

  • Kesselheiße Würste am Donnerstag Vormittag

  • Grillabend am Donnerstag

  • Fleischstrudelsuppe

  • Blunzengröstl

  • Souffliertes Schnitzel

Servus Wirtshaus

Taverne Silmbroth

Familie Silmbroth
Viechtwang 23
4644 Scharnstein
Tel.: +43 7615 2254
Mail: gasthaus@silmbroth.at
https://www.silmbroth.at

Öffnungszeiten

Warme Küche 11–14 Uhr, Sonntag bis 12.30 Uhr, Donnerstag, Freitag auch 18–20 Uhr

Ruhetag

Mittwoch

Zahlungsmöglichkeiten

  • Bankomat
  • Bar
  • Kreditkarte

Gut zu wissen

  • Gastgarten
  • Fleischerei
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