Brauchtum

Das 1x1 des österreichischen Weins

Der österreichische Wein ist ein Kulturgut: Traditionell und modern ist er ein fester Bestandteil der heimischen Gemütlichkeit. Von den Weinhügeln in der Südsteiermark bis zu den Weingärten in der Großstadt Wien entsteht eine Vielfalt an Geschmäckern.

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Wachau, Weinbau, Weingarten
Foto: ÖWM / Robert Herbst
Der Weinbau prägt vielerorts die Landschaft.  

Österreich mag flächenmäßig kein Weinriese sein, der heimische Wein bietet jedoch einige unvergleichliche Charakteristika, die ihn zu etwas ganz Besonderem machen. Um bei der nächsten Weinverkostung so richtig glänzen zu können, gehört ein gewisses Grundwissen einfach dazu.

Lektion #1: Die Rebsorten

Grüner Veltliner und Zweigelt: Klassische heimische Rebsorten

Alles beginnt bei den Rebsorten. Sorgfältig ausgewählt schaffen die verschiedenen Rebsorten den einzigartigen Geschmack des österreichischen Weines. Sage und schreibe 40 verschiedene Rebsorten, 26 weiße und 14 rote, sind für die Produktion von österreichischem Qualitätswein zugelassen. Rebkunde hat in Österreich eine lange Tradition, in Klosterneuburg in Niederösterreich befindet sich die älteste Weinbauschule der Welt, wo bereits seit über 160 Jahren Wissen rund um den Wein weitergegeben wird.

In Österreich wird auf knapp 45.000 ha Wein angebaut. Fast ein Drittel der Rebfläche ist vom österreichischen Rebsortenklassiker Grüner Veltliner belegt. Dabei handelt es sich um eine sogenannte autochthone Rebsorte. Das heißt, sie ist typisch für ein bestimmtes Gebiet, in dem sie ihre beste Qualität erbringen kann, sie ist natürlich durch Mutationen und Kreuzungen entstanden und meist mit hoher Tradition behaftet.

Bekannte weiße einheimische und internationale Rebsorten sind: Zierfandler, Rotgipfler, Riesling, Weißer Burgunder, Welschriesling, Sauvignon Blanc, Muskateller und Chardonnay.

Ein weiteres Drittel der Rebfläche fällt mittlerweile auf rote Rebsorten. Österreichischer Rotwein gewinnt auch international immer mehr an Bedeutung. Während der Grüne Veltliner unter den Weißen eindeutig die Nummer eins ist, ist bei den Roten der Zweigelt die am häufigsten angebaute Rebsorte. Weitere rote Qualitätsrebsorten sind unter anderem: Blaufränkisch, St. Laurent, Merlot, Cabernet Sauvignon und Blauburgunder.

Lektion #2: Die Weintypen

Weinvielfalt, Weintypen, Verkostung
Foto: ÖWM / Bernhard Schramm
Es braucht viele Verkostungen, um sich durch die österreichische Weinvielfalt zu probieren.  

Die Auswahl an unterschiedlichen Weintypen ist groß. Die richtige Wahl zu treffen, ist dabei nicht immer so einfach. Die verschiedenen Geschmäcker und Nuancen entstehen durch die jeweilige Rebsorte in Kombination mit der Herstellung des Weines. Während bei manchen Weintypen ein Hauptaugenmerk auf die Frucht gelegt wird, schmeckt man bei anderen die Lagerung im Holzfass. Einen großen geschmacklichen Unterschied bewirkt außerdem die Dauer der Lagerung.

Grundsätzlich lassen sich die österreichischen Weintypen in 10 Kategorien zusammenfassen:

Weintyp

Beschreibung

Beispiel

Perlweine & Sekt

Der erfrischende Aperitif

Schilchersekt

Sekt hergestellt nach traditioneller Methode

Der prickelnde Speisenbegleiter

Sekt Austria Reserve, Sekt Austria Große Reserve

Klassische Weißweine

Frisch, fein säuerlich, elegant

Grüner Veltliner, Steinfeder, Federspiel, Traminer, Muskateller, etc.

Große Weißweine

International anerkannte Weine mit Reifepotential

Grüner Veltliner, Riesling (Smaragd), Zierfandler, Sauvignon Blanc, Weißburgunder, Gemischter Satz, etc.

Roséweine

Frisch, duftig, würzig, vielseitig einsetzbar

Zweigelt-Rosé, Schilcher, Blaufränkisch-Rosé

Fruchtige Rotweine

Klassisch, im Holzfass gelagert, mit Tiefgang, nicht zu schwer

Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent, Blauburgunder

Große Rotweine

Gehaltvoll, dicht und komplex, mit Reifepotential

Zweigelt, Blaufränkisch, St. Laurent, Pinot Noir

Alternativweine

Innovative Weintypen voller Charakter

Natural Wine, Raw Wine, Orange Wine

Fruchtsüße Weißweine

Restsüße kommt von vollreifen Trauben

Spätlese, Auslese

Edelsüße Weine

Süße und Geschmack durch Edelfäule, gefrorene oder getrocknete Trauben

Beerenauslese, Trockenbeerenauslese Eiswein, Strohwein/Schilfwein

Lektion #3: Die Weinbaugebiete

Damit die Trauben wachsen und zu geschmackvollem Wein weiterverarbeitet werden können, brauchen sie möglichst günstige klimatische Bedingungen. Obwohl Wein in allen Bundesländern angebaut wird, befinden sich die meisten Weinbaugebiete im Osten des Landes, in Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Wien.

Niederösterreich ist aufgrund seiner Lage und Größe Heimat des größten Weinbaugebiets in Österreich, dem Weinviertel mit seinem typischen Grünen Veltliner. Die bekannteste Weinbauregion ist dabei wohl die Wachau. Typisch für das Donautal sind der Grüne Veltliner und der Riesling, aber auch andere Weißweine entstehen unter der Herkunftsbezeichnung „Wachau DAC“.

Die bekanntesten Rotweine Österreichs kommen aus dem Burgenland, das aufgrund des günstigen Klimas gute Bedingungen für rote Rebsorten bietet. Die Steiermark mit ihren malerischen Weinhügeln bringt frische, brillante und somit herkunftstypische Weine hervor.

Nicht zu vergessen bei den österreichischen Weinbaugebieten ist Wien. 580 Hektar Rebfläche befinden sich in der Hauptstadt, weit mehr als nur ein paar Schaugärten als Touristenattraktion. Der Wiener Gemischte Satz ist seit 2013 sogar Teil der DAC-Familie.

Vom Bergland bis zur Großstadt: Im ganzen Land finden sich Weinbaugebiete

Lektion #4: Anbau und Pflege der Weinreben

Österreichs Winzer sind das ganze Jahr über gut beschäftigt. Während jeder Jahreszeit gilt es bestimmte Abläufe abzuarbeiten, sei es im Weingarten oder im Weinkeller. Das Motto dabei lautet „Mit den Reben leben“.

Die Grundlage einer jeden Weintraube ist die gesunde Weinrebe. Damit Weinreben den gewünschten Ertrag bringen, muss vom Anbau bis zur Ernte sorgfältig vorgegangen werden. Viel Know-How und Herzblut fließen in die Pflege der Weinreben. Wird ein Weingarten neu angelegt, beginnt man im Frühjahr mit der Pflanzung der Reben. Auch abgestorbene Reben können in diesem Zeitraum durch neue ausgetauscht werden.

Im April beginnen die Weinreben auszutreiben und werden dabei im besten Fall nicht mehr von Frosteinfällen gestört. Danach werden die für die Weinqualität und den Ertrag entscheidenden Laubarbeiten durchgeführt. Bis Ende Juni dauert die Weinblüte – unterschiedlich je nach Rebsorte und Lage. Den ganzen Sommer über werden die Reben immer wieder ausgedünnt, um optimale Verhältnisse für die Früchte zu schaffen. Gleichzeitig beginnen die Winzer, die Weinlese vorzubereiten und den Reifegrad der Trauben immer wieder zu testen. Im Herbst ist es dann soweit: Je nach Traubensorte findet meist ab Mitte September bei möglichst stabilem und trockenem Wetter die Hauptweinlese statt. Für die Eisweinlese braucht es Minusgrade, deshalb wartet man damit bis Jänner oder Februar.

Lektion #5: Die Weintraube: Verarbeiten, Lagern und Abfüllen

Nach der Weinlese folgt die Verarbeitung der Weintrauben. Weißweintrauben werden entweder direkt gepresst oder zuerst gerebelt, also von den Stielen getrennt. Der daraus resultierende Most wird mittels Hefe zur alkoholischen Gärung gebracht. Rotweintrauben gären auf den Schalen, dadurch erhält der Wein seine typische Farbe und die sogenannten Tannine (Gerbstoffe). Die Dauer der Gärung hängt vom Weintyp und vom Winzer ab. Danach wird der Wein in Fässer, Tanks oder andere Behältnisse abgefüllt und je nach Philosophie des Winzers unter mehr oder weniger Einflussnahme weiterentwickelt.

Klassische Holzfässer oder moderne Stahltanks: Die Verarbeitung und Lagerung des Weins haben großen Einfluss auf den Geschmack.

Um die Qualität und den Geschmack zu kontrollieren, wird der gelagerte Wein regelmäßig verkostet und immer wieder aufgefüllt, um die Verdunstung auszugleichen. Auch die Zusammensetzung von Cuvées wird bestimmt. Ist der Geschmack zur Zufriedenheit des Winzers, ist der Wein bereit zur Flaschenabfüllung und zum Verkauf.

Lektion #6: Kulinarik & Wein

Wein und Kulinarik sind in vielerlei Zusammenstellung ein Traumpaar.

Kulinarik und Wein passen einfach zusammen. Allerdings ist es bei der Vielfalt an Qualitätswein nicht immer einfach, den perfekten Speisenbegleiter zu finden. Grundsätzlich gibt es den passenden österreichischen Wein für jede Speise, ob mediterran oder asiatisch, vegetarisch oder wild, würzig oder süß. Angelehnt an den Weintypen hier eine kleine Orientierungshilfe:

Trockene Schaumweine

Aperitif, Begleiter von geräucherten Speisen, Lachs, Süßwasserfischen, Fingerfood

Körperreicher Sekt

Reis- und Pastagerichte, helles Fleisch, Geflügel, Gemüsegerichte, Fisch und rohe Meeresfrüchte

Frische Weißweine

Amuse-Gueule, leichte Vorspeisen, Brathuhn, Fisch, Meeresfrüchte, asiatische Wokgerichte

Große Weißweine

Fisch mit kräftigen Saucen, helles Fleisch, klassische Wiener Küche, asiatische Küche

Roséweine

Aperitif, vielseitig einsetzbar auch zu exotischen Gerichten

Fruchtige Rotweine

Pastagerichte, Aufläufe, Geflügel (Wild), Kaninchen, Käse

Große Rotweine

Braten im ganzen Stück, Lamm, Steaks, Schmorgerichte

Fruchtsüße Weißweine

Pikant-scharfe Gericht, Käse, Desserts

Edelsüße Weine

Desserts, süßliche Wildgerichte, asiatische Küche, Käse

Will man die österreichische Weinkultur in vollen Zügen erleben und genießen, macht man das am besten beim Heurigen oder der Buschenschank. Dort kommen Wein und Speisen aus der Region und können gemeinsam genossen werden.

Lektion #7: Der österreichische Sekt

Der österreichische Sekt unterliegt den gleichen Qualitätskriterien wie der österreichische Wein. Auch er darf nur aus den 40 zugelassenen Rebsorten bestehen. Um als österreichischer Sekt zu gelten, müssen zumindest die Trauben oder der Grundwein zur Schaumweinherstellung aus Österreich stammen. Die Bezeichnung "Sekt Austria" gemeinsam mit einer rot-weiß-roten Flagge auf dem Flaschenkopf garantiert prickelnden Genuss, der zu 100 % aus Österreich stammt. Um die Erzeugung und Vermarktung des Sekts hierzulande voranzutreiben, gibt es seit einigen Jahren ein bundesweit agierendes Sektkomitee

Sekt, Österreich, Anstoßen
Foto: ÖWM / 1000things, Katharina Tesch
Mit verschiedensten Schaumweinen lässt es sich hervorragend anstoßen.  

Jedes Jahr am 22. Oktober wird zur Ehrung der Qualität, Vielfalt und Herkunft des heimischen Sekts der „Tag des österreichischen Sekts“ begangen. Zahlreiche Veranstaltungen sollen den Menschen den Sekt näherbringen. Gleichzeitig wird die Sekt-Hochsaison eingeläutet. Sage und schreibe rund 12 Millionen Flaschen Sekt werden bis zum Jahresende konsumiert.