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Brauchtum

So feiern Wir - bei der Imster Fasnacht

Alle vier Jahre herrscht in Imst in Tirol Ausnahmezustand. ServusTV begleitet die Imster von den Vorbereitungen bis hin zum großen Tag. Ein Blick hinter die Kulissen eines des ursprünglichsten Brauchtumsfestes Europas.

Imst Fasnacht Schemenlauf
Foto: Andreas Praefcke (Wikimedia Commons CC-BY-4.0)
Die Imster Fasnacht: Welterbe und gelebte Tradition

Lust auf mehr Geschichten aus der Heimat? Bei uns gibt es die besten ServusTV Reportagen hier auf einen Blick.

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Für den Tiroler Ort Imst ist die Fasnacht mehr als nur ein Volksfest. Sie ist Tradition, Zusammengehörigkeit und ganzer Stolz der Region. Selbst in Zeiten, in denen der Brauch verboten wurde, haben sie an ihrem Schemenlauf festgehalten. Nur alle vier Jahre findet die Kulturveranstaltung statt. Wenn es so weit ist, dann helfen alle zusammen.

Ganz Imst fiebert mit

Wenn der Herbst Einzug hält, beginnt in der 10.000-Seelen Gemeinde im Tiroler Oberland das Fasnachtsfieber. Schon sechs Monate bevor der eigentlichen Nacht der Nächte beginnen die Vorbereitungen. Und dabei wird wahrlich kein Stein auf dem anderen gelassen. In einem eigens aufgestellten Zelt treffen sich die dreizehn Männer des Ortsteils Gunglgrün, darunter Erwin Pechtl und Sohn Pascal, über Monate hinweg, um einen der sieben Wagen zu bauen.

Thema, Bemalung und Dekoration bleiben bis zur Fasnacht ein streng gehütetes Geheimnis. Nicht einmal ihre Frauen werden eingeweiht. Und auch vor landschaftlichen Umbauten scheuen die Gunglgrüner nicht zurück. Ragt der Baum zu weit in die Straße, um den mächtigen Wagen passieren zu lassen, wird er einfach abgesägt. Auch Dachrinnen werden abgebaut und kleinere Umbauarbeiten an den Häusern vorgenommen. Das stärkt den Zusammenhalt.

Da werd’n neue Freundschaften entwickelt und diese halten ein Leben lang.
Walter Zangerle

Auch Günther Hafele bereitet sich schon Monate lang auf die Fasnacht vor. Er wird als „Scheller“ gehen, eine der beiden Hauptfiguren des Schemenlaufs. Um die 25 Kilogramm schweren Glocken durch den Ort zu tragen, ist ein mehrmonatiges, straffes Fitnessprogramm nötig. Auf der Gebirgsstraße Richtung Lech trainiert er mit dem Rennrad. Wenn es mal steil bergauf geht, dienen ihm die schönen Erinnerungen an die vorherigen Fasnächte als Motivation.

Etwas filigraner geht es bei Walter Zangerle zu. Der Schnitzer hat den Auftrag bekommen, eine Hexenvaterlarve zu schnitzen. Es sind diese einzigartigen Masken, die der Tiroler Fasnacht ihren unverwechselbaren Charme verleihen. Jede ist ein Einzelstück, die in höchster Handwerkskunst hergestellt wird. Am liebsten arbeitet der Meister mit Zirbenholz, dadurch kann er besonders gut den Charakter der einzelnen Figuren herausarbeiten, erklärt er uns. Viele der Larven sind schon seit Jahrzehnten in Familienbesitz und für einen Imster ist es der größte Stolz, wenn er die eigene Larve an den Sohn weitergeben kann.

Mitte Oktober gehen die Vorbereitungen auch für „Roller“ Markus Walch los. Schon seit Kindheitstagen zieht er mit Günther Hafele zur Fasnacht durch die Straßen. Um sein Kostüm zu vervollständigen, muss er sich noch einen frischen Besen, auch „Pemsel“ genannt, herstellen. Aus dem nahe gelegenen Waldstück holt er das frische Holz der Zitterpappel.

Die Bretter der Zitterpappel müssen anschließend trocknen und werden dann in feinste Streifen gehobelt. Um die 200 „Haare“ benötigt er für seinen Pemsel. In gekonnter Manier schwingt er den Stock bei der Fasnacht vor sich her und beeindruckt mit seinem Geschick und Können.

Männertradition mit weiblicher Unterstützung

Die monatelange Vorbereitung verlangt nicht nur den teilnehmenden Männern vieles ab. Auch die Frauen helfen tatkräftig mit. Sie sind hauptsächlich für die Dekoration zuständig. Außerdem müssen sie in den Monaten vor der Fasnacht auf ihre männlichen Begleiter verzichten.

Die einheimischen Frauen Waltraud Mark, Pia und Gabi Walser sind seit Generationen Aufputzmacherinnen. Ungefähr 15.000 Einzelteile müssen die Damen in geschickter Handarbeit aneinanderfügen, um den aufwendigen Schmuck für die Roller und Scheller herzustellen. Bei den vielen gemeinsamen Stunden kommen Generationen zusammen und das Weitergeben der Tradition erfreut Eltern und Großeltern genauso wie ihre Kinder und Enkelkinder.

So viel Aufwand für einen einzigen Tag.
Waltraud Mark

Unzähmbar und trotzdem strengen Regeln folgend, farbenprächtig, quirlig und voller Bewegung – so ist die Imster Fasnacht. Der älteste Brauch der Ostalpen ist hunderte Jahre alt. In dieser fünften Jahreszeit zelebrieren die Imster ihre Heimatverbundenheit. 2012 wurde das Brauchtum zum immateriellen UNESCO Kulturerbe ausgezeichnet.

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