Nahaufnahme der trockenen, pergamentartigen Samenschoten der Mondviole (Lunaria annua) im Gegenlicht. Die ovalen, goldbraun leuchtenden Hülsen an zarten Stielen vor unscharfem Herbstlaubhintergrund.
Foto: Pixabay

Herbstschönheiten: Wenn die Blüte vorbei ist, fängt das Schauspiel erst an

Wollige Büschel, bizarre Kapseln, bunte Beeren: So manche Pflanze entfaltet im Herbst erst ihren ganz besonderen Reiz. Wir zeigen 6 Herbstschönheiten mit wundersamen Samenständen, Fruchtkapseln und leuchtenden Beeren.
Text: Elke Papouschek

Übersicht: Welche Pflanzen sehen im Herbst noch schön aus?

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1. Jungfer im Grünen (Nigella damascena)

Ihre Samenkapseln schweben luftig-leicht im Wind.

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Die auch als Gretl in der Staudn bekannte bezaubernde einjährige Sommerblume trägt hellblaue, weiße oder rosa Blüten. Während die Blütenform jener der Kornblume ähnlich ist, erinnert die ganze Pflanze mit ihren fedrigen Blättern an Dill.

Wenn die Zeit gekommen ist, ans Vermehren zu denken, entwickelt sie ebenso auffällige Samenhüllen, die zuerst violette Längsstreifen tragen und mit zunehmender Reife austrocknen, bis sie im Spätsommer bräunlich und pergamentartig werden. Die Fruchtstände der traditionellen Bauerngartenpflanze sind hübsche Trockenblumen für Gestecke.

Jungfer im Grünen (Nigella damascena)

Familie

Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

Blütezeit

Mai bis Juli

Wuchshöhe

10–25 cm

Standort und Pflege

Vollsonne; sehr anspruchslos; verträgt auch Trockenheit

Aussaat

Im Herbst oder im zeitigen Frühling; Selbstaussaat möglich

Grün-violett gestreifte, aufgeblasene Samenkapsel der Jungfer im Grünen (Nigella damascena) umgeben von feinen grünen Fäden, Nahaufnahme
Foto: Pixabay
Die gestreiften Kapseln der Jungfer im Grünen (Nigella damascena) stecken wie kleine Lampions zwischen feinen grünen Fäden – ein Blickfang im Herbstbeet und in der Trockenvase.

2. Silberblatt (Lunaria annua)

Wie Silberlinge glänzen die Samenstände im Herbstlicht.

Wenn das Silberblatt seine Samen freilässt, bleiben die silbrigen Scheidewände der Frucht zurück, die sich wie Pergamentpapier im Wind wiegen und dabei rascheln. Auf diesen Zeitpunkt nach der rosa-violetten Blüte beziehen sich auch die vielen Bezeichnungen, unter denen die seit Jahrhunderten kultivierte Bauerngartenblume bekannt ist: Silberblatt, Silbertaler, Judas-Silberling, Judas-Pfennig, Mondviole.

Die zweijährig wachsende Blume bildet im ersten Jahr eine Blattrosette mit kräftiger Wurzel, erst im nächsten Jahr folgen die Blüten.

Silberblatt (Lunaria annua)

Familie

Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)

Blütezeit

April bis Juni

Wuchshöhe

40–70 cm

Standort und Pflege

Sonnig bis halbschattig, z. B. unter lichten Gehölzen; nahrhafte, nicht zu trockene Böden; anspruchslos

Aussaat

Im Frühsommer direkt am Standort; danach Selbstaussaat

ransparente, silbrig-weiße ovale Samenschoten des Silberblatts (Lunaria annua) mit feinen Blattadern und Wassertropfen, Nahaufnahme
Foto: Pixabay
Die pergamentdünnen Schoten des Silberblatts (Lunaria annua) schimmern wie kleine Mondscheiben – und halten sich in der Trockenvase bis weit in den Winter.

3. Akanthus (Acanthus sp.)

Imposante Fruchtstände mit Samen, die knallen und springen.

Die mehrjährige Staude fällt schon im Sommer durch große violett-rosa Blütenkerzen und dunkelgrüne, ornamentale Blätter auf. Letztere haben als charakteristisches Element der korinthischen Kapitelle Kunstgeschichte geschrieben. Im Herbst erscheinen in den trockenen Blütenständen große braune, bohnenartige Samen, die bei Reife mit einem Knall aus dem Fruchtstand springen.

Der Akanthus wächst zu stattlichen Horsten mit starkem Ausbreitungsdrang heran und braucht starke Partner an seiner Seite. Besonders gut kommt er als Vorpflanzung vor Gehölzen zur Geltung.

Akanthus (Acanthus sp.)

Familie

Akanthusgewächse (Acanthaceae)

Blütezeit

Juni bis August

Wuchshöhe

70–100 cm

Standort und Pflege

Sonnig bis halbschattig; tiefgründige, nährstoffreiche Böden; kommt auch mit Trockenheit gut zurecht; unverwüstlich

Pflanzung

Im Frühjahr und im Herbst; Wurzelteilung möglich; ausreichend Platz einplanen; vor Staunässe schützen

Getrocknete braune Hüllblätter und Fruchtkapsel des Akanthus (Acanthus) in Nahaufnahme, Herbst
Foto: Pixabay
Nach der Blüte zeigt der Akanthus (Acanthus) sein zweites Gesicht: Mit seinen braunen, papierartigen Hüllblättern und der gelblich-grünen Fruchtkapsel ist sein Samenstand ein stilles Kunstwerk des Herbstes.

4. Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)

Hunderte Samen verstecken sich in einer einzigen Stachelfrucht.

Der Gemeine Stechapfel ist der in Mitteleuropa häufigste Vertreter seiner Gattung und zählt zu den stärksten psychoaktiven Pflanzen. Schon in der Antike wusste man um seine narkotische und giftige Wirkung. Als Zierpflanze jedoch ist er von besonderer Schönheit.

Die weißen, trichterförmigen Einzelblüten öffnen sich nachts und duften dann süßlich. Nach der Blüte erscheinen die stacheligen Fruchtkapseln, die beim Aufplatzen nierenförmige schwarze Samen freigeben.

Die Fruchtstände machen auch als Trockenblumen in der Vase eine gute Figur.

Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)

Familie

Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Blütezeit

Juni bis Oktober

Wuchshöhe

80–120 cm

Standort und Pflege

Sonnig; auf nährstoffreichen, warmen Böden

Aussaat

Im Herbst oder im Frühling; danach Selbstaussaat

Aufgeplatzte, stachelige goldbraune Fruchtkapsel des Stechapfels (Datura stramonium) mit schwarz glänzenden Samen, Nahaufnahme
Foto: Pixabay
Bizarr und eindrucksvoll: Die aufgeplatzte Kapsel des Stechapfels (Datura stramonium) gibt den Blick auf schwarz glänzende Samen frei. Achtung – die gesamte Pflanze ist stark giftig.

5. Herbstanemone (Anemone japonica)

Flaumige Samenstände tanzen schwerelos im Garten.

Mit weißen oder rosafarbenen Blüten auf langen Stielen bringen Herbstanemonen verspielte Leichtigkeit in den Garten. Nach der Blüte bilden sie flaumige Samenstände wie Wattebäuschchen, die für einen wunderbaren Kontrast im Herbstbeet sorgen.

Die Anemoi waren in der griechischen Mythologie die Götter des Windes. Der Erzählung nach war Anemona eine Nymphe am Hof der Göttin Flora. Floras Gatte Zephyr, der Gott des Westwindes, verliebte sich in Anemona. Die eifersüchtige Ehefrau Flora verwandelte sie in eine Blume, die seitdem den Namen Anemone trägt.

Herbstanemone (Anemone japonica)

Familie

Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

Blütezeit

August bis Oktober

Wuchshöhe

60–100 cm

Standort und Pflege

Sonnig bis halbschattig, unter lichten Gehölzen; nährstoffreiche Böden

Pflanzung

Frühjahrspflanzung empfohlen; bei Herbstpflanzungen im ersten Winter einen Schutz aus Laub oder Reisig aufbringen; Teilung des Wurzelstocks möglich

ugelförmiger, flauschig-weißer Samenstand der Herbstanemone (Anemone hupehensis) auf schlankem Stiel, Nahaufnahme vor unscharfem grün-goldenem Hintergrund
Foto: Pixabay
Klein, rund und mit feinen Härchen besetzt: Der wollige Samenstand der Herbstanemone (Anemone hupehensis) ist ein echter Blickfang im Garten – auch lange nach der Blüte.

6. Lampionblume (Physalis alkekengi)

Orange Lampions im verholzten Käfig leuchten in der Sonne.

Nach unscheinbaren weißen Blüten erscheinen ab September die aufgeblasenen orangen Fruchthüllen der Lampionblume. Noch spektakulärer wird der Anblick, wenn spät im Jahr nur noch das verholzte Skelett davon übrig ist und die orange Beere sichtbar wird. In beiden Stadien ist die Lampionblume eine Zierde für Trockensträuße und Gestecke.

Essen sollte man die Beeren nicht, denn die ganze Pflanze ist giftig. Was optisch ähnlich und wohlschmeckend ist, wird im Handel angeboten: als Früchte der Kapstachelbeere.

Lampionblume (Physalis alkekengi)

Familie

Nachtschattengewächse (Solanaceae)

Blütezeit

Juli (unscheinbar)

Wuchshöhe

50–80 cm

Standort und Pflege

Sonnig bis halbschattig; sandig-humoser, kalkhaltiger Boden

Pflanzung

Im Frühjahr und im Herbst; Pflanze bildet nach einigen Jahren Ausläufer und kann sich schnell ausbreiten, deshalb in Pflanzkörbe setzen

Skelettierte, netzartige Hülle der Lampionblume (Physalis alkekengi) mit leuchtendem roten Fruchtknoten, Nahaufnahme vor grünem Hintergrund
Foto: Pixabay
Was bleibt, wenn die orange Hülle der Lampionblume (Physalis alkekengi) verwittert, ist ein kleines Wunder: ein zartes, netzartiges Geflecht – und mittendrin die leuchtend rote Beere.

Weitere Herbstschönheiten im Garten

Beeren und Hüllen

  • Für Menschen sind die orangen Beeren des heimischen Aronstabs (Arum maculatum) zwar giftig, von Vögeln werden sie aber gefressen. Die Pflanzen brauchen ein halbschattiges Plätzchen und humosen, nicht zu trockenen Boden.

  • Schwach giftig ist auch die Kermesbeere (Phytolacca acinosa), deren dunkelroter Farbstoff einst als Färbemittelverwendet wurde. Die Kermesbeere kommt am besten als Solitärstaude zur Geltung, sollte also rundherum genug Platz zur Entfaltung ihrer Schönheit haben.

Trauben mit glänzend schwarzen und unreif grünen Beeren der Amerikanischen Kermesbeere (Phytolacca americana) an leuchtend pinkfarbenem Stiel, vor grünem Hintergrund
Foto: Pixabay
Üppig, dramatisch, unübersehbar: Die Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) trägt im Herbst schwer an ihren tiefschwarzen, glänzenden Beerentrauben an leuchtend pinkfarbenen Rispen. Achtung – die gesamte Pflanze ist giftig.

Haarig, wollig und fedrig

  • Um die Fruchtstände der heimischen Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) zu entdecken, muss man schon etwas genauer hinsehen. Die in der Natur streng geschützte Pflanze zeigt ihre fedrigen Haarbüschel, die aneinen Besen erinnern, in sonnigen Steingärten, Trockenmauern und Böschungen. Einst fand man sie aber gar nicht hübsch, sondern sogar unheimlich und gab der kleinen Pflanze auch die Namen Teufelsbart und Bocksbart.

  • Ebenso vielgestaltig wie die Blüten sind auch die Frucht- und Samenstände der Astern – von den kleinen Silbersternchen der Waldaster (Asterdivaricatus) bis zu den wolligen Samenständen der Sommeraster (Aster umbellatus).

  • Neben den Staudenvertretern sei an dieser Stelle auch die Waldrebe (Clematis vitalba) genannt. Bilden sich ihre Samen, bleiben an ihnen die haarigen Stempel erhalten, um später den Transport durch den Wind zu ermöglichen. Es entstehen weiche, wollige Knäuel, die schon bei wenig Wind in Bewegung geraten.

Federleichter, sternförmiger Samenstand der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) mit silbrig-weißen Federhaaren und rötlichen Griffeln, Nahaufnahme vor dunklem Hintergrund
Foto: Pixabay
Kaum zu glauben, dass das eine Pflanze hervorbringt: Der Samenstand der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) öffnet sich nach der Blüte zu einem federleichten Stern aus silbrigen Haaren und geschwungenen, rötlichen Griffeln.

Kerzen, Kapseln und Kegel

  • Bis zu einen Meter hoch werden die gelben Blütenstände des Brandkrauts (Phlomis russeliana). Mit nährstoffreicher Erde versorgt, bleiben diese Pflanzen für lange Zeit im Garten zu Gast. Nach der Blüte wachen die braunen Samenquirl an aufrechten Stielen bis zum Frühjahr im Beet.

  • Noch höher ragt die Wilde Karde (Dipsacus fullonum) in den Himmel, eine wahre Schönheit für naturnahe Gärten, die zur Blütezeit im Juli und August eine Futterpflanze für Schmetterlinge und Bienen ist. Später freuen sich Vögel, besonders Distelfinken, über die Samen in den trockenen braunen Kegeln.

Drei getrocknete, stachelige braun-schwarze Samenköpfe der Wilden Karde (Dipsacus fullonum) auf dornigen Stielen vor goldenem Herbsthintergrund
Foto: Pixabay
Die Wilden Karde (Dipsacus fullonum) bleibt auch im Winter im Garten eine Erscheinung – ihre stacheligen, eiförmigen Samenköpfe trotzen Wind und Frost und sind eine wertvolle Futterquelle für Vögel.
  • Die Moschusmalve (Malva moschata) entwickelt nach den rosafarbenen, leicht nach Moschus duftenden Blüten attraktive nussartige Früchte. Es handelt sich um dicht behaarte Spaltfrüchte, die aus bis zu fünfzehn Teilfrüchten mit je einem Samen bestehen.

  • Wer Verblühtes an der Pfingstrose (Paeonia sp.) nicht abschneidet, kann sich im Herbst an den außergewöhnlichen Samenständen erfreuen. Es sind Balgfrüchte, die beim Aufspringen dunkel gefärbte Samen im roten Fruchtfleisch freigeben.

  • Weniger bekannt, aber eine Besonderheit sind die kurzstieligen, aufgeblähten Sammelbalgfrüchte der Blasenspiere (Physocarpus opulifolius). Die Sorte „Diabolo“ wird auch als Teufelsstrauch bezeichnet und färbt leuchten rot aus.

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