Beilage

Böhmische Blini

Sie heißen zu Recht Strapazknödel, die Egerländer Erdäpfelbälle aus dem Rezeptbuch des Großvaters von Klaus Kamolz. Ihre Herstellung ist seit vielen Jahren ein Familienritual – sogar mit Matura-Abschluss.

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Foto: Eisenhut & Mayer
Böhmische Blini sind aus Erdäpfeln gemacht, aber dennoch nicht weniger köstlich, als ihre süße Variante.  

Nicht wenige in der Familie meinen, die Knödel seien erst nach Weihnachten so richtig gut: in Scheiben geschnitten, in Butter angebraten und mit dem übrig gebliebenen Bratensaft der Ente serviert. Ich habe mir irgendwann erlaubt, aus dem Restlessen ein Silvestergericht zu machen – in Scheiben geschnitten wie immer schon, angebraten wie immer schon, dann aber mit Sauerrahm und Forellenkaviar veredelt. Ich habe die böhmischen Blini erfunden.

So fanden Strapazknödel in unsere Familie

Die Knödel – sie stammen aus dem Rezeptfundus meines Großvaters, der aus dem böhmischen Egerland nach Kärnten zog. In unserer Familie heißen sie Strapazknödel, und ihre Herstellung am Christtag, an dem sie als Beilage zur Ente gereicht werden, ist alljährlich ein Ritual.

Wer immer sich als Frau per Ja-Wort der Sippe anschließt, muss Strapazknödel lernen: Meine Mutter nennt das die böhmische Matura. Aber auch die Männer waren gefragt. Mein Vater half schon als Kind in Klagenfurt mit. Wenn er erzählt, wie das damals war, in den 1940er Jahren, wird schnell klar, warum sie so heißen.

Es begann damit, dass Großmutter den Topfen selbst herstellte – mit einem umgedrehten Schemel, an dessen vier Beinen ein Küchentuch befestigt wurde, durch das die geronnene Milch tropfte. Im Tuch blieb Sauertopfen übrig. Die größte Herausforderung waren die rohen Erdäpfel. Sie mussten nach dem Reiben gründlich getrocknet werden.

Vater hatte am Christtag immer Blasen an den Händen, die vom Auswringen in einem Leinentuch herrührten. Irgendwann schaffte er aus Italien eine Gorgonzolapresse an, mit der es viel leichter ging, und sagte: „Es ist ja alles viel zu einfach heute.“

Dann saßen alle bei Tisch, und es wurde ganz still. Großvater erstach mit der Gabel einen der dampfenden, wegen der rohen Erdäpfel fransigen Bälle in der Schüssel, zog ihn zu sich, nörgelte wie jedes Jahr daran herum, einfach weil er das Familienoberhaupt war, und aß wie ein Scheunendrescher.

Die Großtante stieß jedes Jahr den gleichen spitzen Schrei aus: „Jessas, die haarigen Knedl!“ Sie mochte sie nicht, aber sie schmeckten ihr. Tatsächlich heißen die Knödel auf tschechisch chlupaté knedlíky, behaarte Knödel. Es sind trotz eifriger Bemühungen der familiären Tischgesellschaft immer reichlich Strapazknödel übrig geblieben – für ein herrliches Restlessen zu Silvester.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Jänner 2019 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

Autor: Klaus Kamolz

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Menge Zubereitungszeit Gesamtzeit
8 Portionen 30 Minuten 1:20 Stunden
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Zutaten
3 kg mehlige Erdäpfel (z.B. die Sorte Rubinia)
2 Eier (Größe M)
ca. 100 g glattes Mehl
400 g trockener Bröseltopfen
40 g Erdäpfelstärke
2 EL Kümmelsamen
Salz
Außerdem
Butter zum Anbraten
1 Becher Sauerrahm
Zitronensaft
Salz, Pfeffer
100 g Forellenkaviar
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Zubereitung
  1. Die Hälfte der Erdäpfel am Vorabend in der Schale kochen, heiß schälen, kurz ausdampfen lassen und in eine Schüssel pressen. Mit einem Küchentuch bedeckt über Nacht stehen lassen.

  2. Am nächsten Tag die andere Hälfte der Erdäpfel schälen und fein reiben. Durch die Erdäpfelpresse drücken, bis die Masse sich trocken anfühlt und zerfällt, dabei den austretenden Saft in einer Schüssel auffangen. Die rohe Masse sofort unter die gekochte Masse mischen, damit sie nicht braun wird.

  3. Restliche Zutaten gründlich untermischen. Den gepressten Erdäpfelsaft vorsichtig abschütten und die am Boden abgesetzte Stärke ebenfalls in die Knödelmasse mischen.

  4. Mit den Händen faustgroße Knödel formen und in reichlich leicht wallendem Wasser mit etwas Salz eine halbe Stunde ziehen lassen.

  5. In diesem Zustand werden die Knödel frisch als Beilage zu Ente, Gans oder Wildbraten verwendet.

  6. Für die böhmischen Blini die Knödel völlig auskühlen lassen und in ca. 1,5 kg dicke Scheiben schneiden.

  7. Sauerrahm mit einem Spritzer Zitronensaft, Salz und Pfeffer verrühren.

  8. Die Knödelscheiben in Butter anbraten, bis sie bräunen und krustig werden, auf Tellern anrichten, einen Klecks Sauerrahm draufgeben und dann noch je einen Löffel Forellenkaviar.

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