Wir haben in der Servus-Gemeinde gefragt, welche alten Wörter ihr bis heute auf der Zunge liegen. Unsere Mundart-Expertin Ingeborg Geyer ist dem Ursprung und der Bedeutung der eingeschickten Wortschätze nun auf den Grund gegangen.

Dr. Ingeborg Geyer leitete das Institut für Österreichische Dialekt- und Namenlexika und ist Mitautorin des „Wörterbuchs der bairischen Mundarten in Österreich“. Geyer betreut bei Servus und Start & Land die Kolumne „Mundart“ und zeigt dabei die amüsante Vielfalt der deutschen Sprache im Alpen-Donau-Raum.

Wir mögen uns fragen, warum wir uns aus unserem Wortschatz-Inventar an bestimmte Ausdrücke erinnern, aber nicht mehr wissen, was sie bedeuten und andere Wörter uns ganz fremd sind, die plötzlich jemand im Gespräch verwendet. Die Antwort darauf ist so vielfältig, wie der Inhalt einer gut gefüllten Wort-Schatztruhe selbst.

So können etwa Begriffe, die für junge Menschen oft unverständlich sind, für Ältere noch Alltagssprache sein. Umgekehrt, wenn sich ein älterer Mensch an bestimmte Ausdrücke nur mehr vage erinnert, sind sie wohl wirklich schon versunken. Dabei handelt es sich oft um Gegenstände, die nicht mehr in Verwendung sind, wie z.B. eine Waschrumpel.

Wo und von wem wurde das soeben Gehörte eigentlich gesagt? Auch das kann eine Rolle spielen. So mag ein Ausdruck aus der bäuerlichen Alltagssprache für einen Städter unverständlich sein und umgekehrt.

Bild: Andreas Posselt
Wir gehen versunkenen Wortschätzen auf den Grund (Bild: Andreas Posselt)

Was bedeuten Ballawatsch und Botznlüppi?

Bei den eingesendeten Ausdrücken der Servus-Gemeinde handelt es sich häufig um Wörter aus der älteren Umgangssprache, deren Ursprung im Französischen oder Italienischen zu finden ist. Einige Mundartausdrücke lassen sich aus mittelhochdeutschen Wortformen erklären. Viele Wörter sind Ausrufe, die verkürzt oder entstellt sind oder Flüche, die eigentlich einen religiösen Ausdruck verhüllend wiedergeben.

1. Lehnwörter aus Fremdsprachen

B(P)uschkawü bedeutet eigentlich Schmähschrift, Spottgedicht, wird aber häufiger in der Bedeutung „Lärm, Verwirrung“ verwendet und ist aus italienisch pasquillo „Schmähschrift“ abgeleitet und wird oft ironisch, scherzhaft gebraucht, wenn jemand um etwas viel Aufsehen und Aufregung verursacht, wegen dem so a Buschkawü måcha.

Bumpfinebara ist ein uniformierter Leichenträger, Bestattungsangestellter und wurde in Wien um die Jahrhundertwende nach dem Bestattungsunternehmen Entreprise des pompes funebres benannt.

Palawatsch bedeutet so viel wie Verwirrung, Durcheinander und ist wohl vom italienischen balordaggine Dummheit, Tölpelei entlehnt und ist in Wien und Niederösterreich eine beliebte Redensart:  Da wird ein schöner Ballawatsch herauskommen! Du hast einen sauberen Ballawatsch angerichtet!

blamischn bedeutet jemanden bloß stellen. Es kommt aus dem Französischen und ist eine Vermischung aus blâmer bloß stellen und blamage Bloßstellung.

etepeteete, übertrieben fein ist wahrscheinlich vom französischen Spruch être, peut-être abgeleitet

Scheselong, ist wie die Kommode ein typisches französisches Möbelstück, Chaiselongue, eigentlich ein langgestreckter Sessel, mit einer Lehne am Kopfende.

dischguriern, diskutieren, sich unterhalten, die Meinungen austauschen kommt aus gleichbedeutendem französischen discourir.

Appanage, vornehme Ausstattung, aus dem Französischen Apanage, die Abfindung eines nachgeborenen Herren mit Einkünften und Gütern, und diese Einkünfte und Güter.

kommod (sitzen), bequem, lässig (sitzen) kommt aus gleichebedeutendem französischen commode.

düpiert sein, der Betrogene sein, zu französisch dupe der Betrogene, Übertölpelte, Gefoppte.

2. Alte Mundartwörter

Hei aufhüfin Heu aufhüfeln, Heu auf einer hölzerne Vorrichtung, den Hüfler aufhäufeln.

Viecha futtan geh  Vieh füttern gehen, mittelhochdeutsch fuotern „füttern“.

Berndatzn brocka geh, Bärentatzen pflücken, sammeln gehen. Botanisch Clavaria „Bärentatze oder Ziegenbart“ ist der Sammelbegriff für genießbare Speisepilze, aber auch verbreitet bekannt für den botanischen Pflanzennamen Heracleum sphondylium, gewöhnliche Bärenklaue.

Kier mella geh – Kühe melken gehen.

Dochtl kann eine Ohrfeige oder eine Dohle bedeuten:

  • Dåchtl Ohrfeige, könnte mit Dattel zusammenhängen, das mittelhochdeutsch als tahtel belegt ist und in der Mundart Dåchtl ausgesprochen werden kann, hat meines Erachtens aber doch weniger mit Früchten zu tun, denn die Ohrfeige ist eigentlich eine „Ohrfege“, ein „Ohrschlag“ und erst nachträglich wurde diese Art der Bestrafung mit Feige assoziiert. Jemanden gehörig tåchtln heißt verprügeln, von der die Dåchtl abgeleitet ist.
  • Die Dåchtl für Bergdohle, mittelhochdeutsch tahele lautet im Salzkammergut in älteren Mundartsammlungen Dåchtl.

Buttervogel ist eine alte Bezeichnung für Schmetterling, weil dem Volksglauben nach die Schmetterlinge verzauberte Hexern seien, die Molke, Milch und Butter stehlen; Vergleiche englisch butterfly Butterfliege.

Feuerteich, auch Löschteich genannt ist ein Teich nahe beim Dorf, der das Wasser zum Feuerlöschen liefert, aber früher auch zum Schwimmen oder als Enten- und Gänseteich genutzt wurde.

Ich werde bald krawutisch, ich werde bald zornig, wütend, ist wohl eine Zusammensetzung aus Krawall und Wut. Krawall wird abgeleitet von mittellateinisch charavallium, das sich zu französisch charivari weiterentwickelt hat.

Die Schreamsn ist die „Schräglage“, etwas über die Schreamsn legen, es „quer legen“ ist ein typisches bairisch-österreichisches Mundartwort und hängt mit dem Zeitwort schrämen, „schräg, schief machen“ zusammen, das in der Fachsprache der Bergleute bestimmte Techniken des Zurechtzimmern zusammenfasst.

Botznlüppi ist ein einfältiger, dummer Mensch, eine Zusammensetzung aus Batzen „Klumpen“ und einer Kurzform des Vornamens Phillip.

Nauchn untan, unklar, möglicherweise eine Richtungsangabe nachhin untenhin.

Zommbiaschn ist im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ  Bd. 3, 214 [zu-sammen]pirschen) für einzelne Orte im Pinzgau belegt und bedeutet „im Haus, in der Küche zusammenräumen“ und „Geschirr abwaschen“ in Fieberbrunn in Tirol. Es könnte vom jägersprachlichen Wort pirschen übertragen sein.

Lassing ist eine heute schon veraltete Mundartform von mittelhochdeutsch langeße Frühjahr, Frühling.

aschtleng ist eigentlich ärschling, also zurück, nach hinten gehend.

zwauchn bedeutet wohl waschen, zu gleichbedeutendem mittelhochdeutsch twahen.

Bunki, etwas Knolliges, Rundes, ist eine Verkleinerungsform von Bunkel, der mundartlichen Form von Bünkel Beule.

Hoaßzaschteg, Koitzaschteg sind wohl Zusammensetzungen mit dem Grundwort Zinstag „Dienstag“, möglicherweise besondere Brauchtumstage am Faschingsdientag.

Latzegalli, Schimpfwort, wird im Saarlaand für einen unzuverlässigen Menschen, oft auch für einen Schürzenjäger verwendet.

3. Ausrufe, Tabuwörter, Flüche, Wortspiele

Marantantanal ist ein scherzhafter Ausruf an die Muttergottes, die heilige Maria und heilige Anna, kann auch erweitert werden mit dem Anruf an den heiligen Josef. Dazu passt auch Marantanna und Marantjosef – als Ausruf des Erstaunens.

Sakrahaxn ist ein verhüllender Fluch, in dem das religiöse Wort Sakrament verkürzt wird und mit der profanen, weltlichen Haxe Fuß wieder erweitert wird. 

Oschauscheich und schling zruck ist wohl eine scherzhafte Verballhornung von wörtlich: arsch-außhin und (arsch)ling zurück, also „gerade aus und wieder zurück“.

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