Gesundheit

Wasser spüren: Warum Quellen, Bäche und Kälte uns guttun

In Ruhpolding ist Wasser allgegenwärtig: in Bergseen, Bächen und der Weißen Traun, die mitten durch den Ort fließt. Es prägt Landschaft und Erleben gleichermaßen – wer dem Wasser folgt, findet unterschiedliche Ursprünge und eine Einladung zum Innehalten.

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Barfuß durch einen Bach in Ruhpolding
Foto: Ruhpolding Tourismus
Barfuß durchs Wasser

Wo die Weiße Traun ihren Ursprung hat

Eine der Quellen der Weißen Traun liegt wenige Kilometer südlich von Ruhpolding im Dreiseengebiet, das Einheimische wegen seiner naturbelassenen Weite liebevoll „Klein-Kanada" nennen. Hier liegt der Förchensee, einer der schüttungsstärksten Quellseen Deutschlands: Sein Wasser stammt ausschließlich aus unterirdischen Quellen und bleibt Sommer wie Winter rund zwölf Grad kalt. Sein Abfluss, die Seetraun, vereinigt sich bei Laubau mit dem Fischbach zur Weißen Traun – wer am Ufer des Förchensees steht, blickt damit auf den Ursprung jenes Wassers, das wenig später durch Ruhpolding rauscht.

Auch die Urschlauer Achen entspringt in unmittelbarer Nähe: Sie entsteht aus dem Zusammenfluss von Röthelmoosbach und Eschelmoosbach nahe der Röthelmoosalm auf rund 810 Metern Höhe – klares, naturnahes Wasser, bevor es bei Ruhpolding in die Weiße Traun mündet.

der Förchensee
Foto: Ruhpolding Tourismus / Andreas Plenk
Ursprung der Weißen Traun: der Förchensee.

Warum kaltes Wasser uns ins Hier und Jetzt bringt

Kälte lässt sich nicht beiläufig erleben. Wer die Füße in zwölf Grad kaltes Wasser stellt, hat plötzlich wenig Platz für alles andere – der Reiz fordert Aufmerksamkeit und holt sie aus den Gedanken zurück in den Moment. Das ist weniger eine Frage von Wellness als von Wahrnehmung: Ein intensiver körperlicher Reiz lässt andere Ablenkungen für einen Augenblick in den Hintergrund treten. In einer Landschaft, die ohnehin zur Langsamkeit einlädt, wird dieser Effekt besonders unmittelbar spürbar.

Kneippen: Kälte als Naturerlebnis

Dass sich dieser Effekt gezielt nutzen lässt, weiß man in Ruhpolding schon lange. Die Tradition des Wassertretens geht auf Sebastian Kneipp zurück, dessen ganzheitliches Gesundheitskonzept auf fünf Säulen beruht.

An der Weißen Traun liegt eine frei zugängliche Kneippanlage. Wer Kneipps Prinzipien intensiver erleben möchte, kann den rund fünf Kilometer langen Kneipp-Rundweg erkunden: Fünf Stationen widmen sich Wasser, Heilkräutern, Ernährung, Lebensordnung und Bewegung. Alternativ lässt sich auch direkt im flachen Wasser der Weißen Traun kneippen.

Kneippen im Fluss
Foto: Ruhpolding Tourismus
Kneippen ist gesund, das wusste schon Namensgeber Sebastian Kneipp vor über 150 Jahren – und herrlich erfrischend nach einem Sommertag am Berg.

So kneippt man richtig:

  • Gewässer wählen: Die Unterschenkel sollten zu einem guten Teil bedeckt sein, die Wassertemperatur nicht mehr als 17 Grad betragen.

  • Storchengang: Ein Bein ganz aus dem Wasser heben, die Zehenspitzen leicht nach unten strecken, kurz halten – dann das Bein wechseln. Wer sich dabei wie ein Storch im Salat vorkommt, macht alles richtig.

  • Auf der Stelle oder in Bewegung: Beides ist möglich – auf der Stelle treten oder Schritte machen.

  • Aussteigen zur richtigen Zeit: Sobald es an den Füßen schneidend kalt wird, meist nach ein bis drei Minuten, ist der Moment zum Aussteigen gekommen.

  • Danach nicht abtrocknen: Das Wasser nur mit den Händen abstreifen – die Bewegung an Land, etwa auf Waldboden oder Wiese, sorgt von selbst wieder für warme Füße.

Wassertreten regt die Durchblutung an, gilt als vorbeugend gegen Krampfadern und wird traditionell auch bei Kreislaufproblemen und Migräne eingesetzt; regelmäßig angewendet soll es zudem das Immunsystem stärken. Abends durchgeführt, so die Kneipp-Lehre, fördert es zusätzlich einen ruhigeren Schlaf.

Veranstaltungs-Tipp:

Wer die Kälte noch bewusster erleben möchte, findet dafür inzwischen auch einen zeitgemäßen Rahmen: Bei der Naturkraft Experience, einem mehrtägigen Programm rund um Bewegung, Naturerlebnis und Regeneration in den Chiemgauer Alpen, gehört neben Achtsamkeitswanderungen, Yoga und Trailrunning-Kursen auch geführtes Eisbaden zum Angebot – eine Fortsetzung dessen, was Kneipp vor über 150 Jahren begründete.

Kneippen: Unterschenkel im Wasser
Foto: Ruhpolding Tourismus
Richtig kneippen: Die Unterschenkel sollten zu einem guten Teil vom Wasser bedeckt sein.

Ein Tag am Wasser in Ruhpolding

Wer Ruhpolding am Wasser entdecken möchte, muss sich nicht festlegen: Quelle, Fluss, Bach oder See – der Ort bietet gleich mehrere Ausgangspunkte für einen erfrischenden Tag. Die Uferwege sind weitgehend eben und lassen sich unkompliziert zu Fuß verbinden.

Ruhpoldinger Energiequellen:

  • Kneippanlage: Die vom Kneipp-Verein Ruhpolding gepflegte Anlage am Ufer der Weißen Traun (nahe Grashof) bietet auch einen Barfuß-Parcours, der die Sinne schärfen soll.

  • Weiße Traun: Rastmöglichkeiten am Fluss gibt es viele – besonders schön sind die Stellen entlang der nördlichen Traunauen, ab der Egglbrücke flussabwärts.

  • Urschlauer Achen: Der zwischen Röthelmoos- und Eschelmoosgebiet entspringende Bach bietet schöne Einstiegsmöglichkeiten in der Urschlau, in Brand gegenüber der Windbeutelgräfin oder in der Nähe des Vita Alpina.

  • Dreiseengebiet – Lödensee, Mittersee, Weitsee: Die Wahl fällt schwer, welcher der drei Seen der schönste ist. Am mildesten und damit besonders badefreundlich ist aufgrund seiner geringen Tiefe der Weitsee.

Ein Handtuch genügt. Und ein wenig Zeit. Wer dem Wasser folgt, entdeckt Ruhpolding nicht nur von seiner erfrischenden Seite – sondern vielleicht auch einen einfachen Weg, für einen Moment ganz bei sich zu sein.

Diese Informationen stellen keine medizinische oder ärztliche Beratung dar. Bitte beachten Sie die allgemeinen Dosierungsempfehlungen und konsultieren Sie insbesondere bei Beschwerden und Vorerkrankungen Ihren Arzt. Jegliche Haftung wird ausgeschlossen.