Hauptspeise

Gebackene Fleischpalatschinken

Die besten Gebackenen Fleischpalatschinken, die es auf der Welt gibt – weiß Alex Lisetz zu berichten – sind von seiner Omi. Auch, wenn sie nicht gerne kochte, so waren sie dennoch unbestritten köstlich.

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Foto: Ingo Eisenhut
Ganz klassisch schmeckt zu den Gebackenen Fleischpalatschinken ein Grüner Salat mit Gurken.  

Meine Omi kochte nicht wahnsinnig gerne. Aber wir liebten, was sie kochte. Ein Dilemma? Nicht, wenn man es wie meine Omi anging. Und beschloss, dass die Welt so war, wie man sie sich selbst zurechtlegte.

Wahre Abenteuer und Falsche Forellen

Und? Wohin wollen wir heute fahren?, fragte meine Omi. Nach Afrika!, rief ich. Dann schnall dich an, sagte meine Omi. Wir saßen eingezwängt auf der Rückbank des winzigen zitronengelben Ford Fiesta meiner Eltern und zuckelten aus Caorle, Ramsau oder der Veitsch nach Hause, links mein Opa, rechts meine Omi, in der Mitte mein sieben-, acht-, neunjähriges Ich.

Die Fahrt dauerte gefühlt nur ein paar Minuten. Denn meine Omi und ich besaßen ein Wunderauto, das uns überall hinflog. Oh mein Gott, Löwen!, rief meine Omi, wenn wir an einem gassigehenden Hund vorbeifuhren. Ich beobachtete inzwischen mit imaginiertem Fernglas die Zebras und Giraffen der Serengeti, die meine Eltern vorn in der ersten Reihe mit Kühen auf einer Wiese verwechselten.

Zurück in der Stadt, überfiel uns die Oh-nein-der- August-ist-schon-fast-vorbei-Depression. Aber meine Omi kannte ein Gegenmittel, das alle aufmunterte: Sie machte Falsche Forellen. Falsche Forellen waren zwei Gründe zum Feiern:

  • Erstens war die Verschmelzung aus Fleischlaberl, Palatschinke und Schnitzelpanier so etwas wie die Dreifaltigkeit meiner Lieblingsspeisen.

  • Und zweitens, weil meine Omi das Kochen nicht besonders leiden konnte – die mühselige Zubereitung Falscher Forellen schon gar nicht. Doch einmal im Jahr machte sie uns die Freude, würzte Faschiertes, buk Palatschinken, rollte und panierte sie, erhitzte Fett und buk sie heraus.

Sie ließ uns nie merken, wie viel lieber sie diese Zeit mit ihrer Lieblingsradiosendung „Der Guglhupf“ oder in ihrer Stammboutique in der Reinprechtsdorfer Straße verbracht hätte. Vielleicht weil sie unsere glücklichen Gesichter vor Augen hatte – und nicht die Berge angepatzten Geschirrs.

Jetzt ist meine Omi seit fast dreißig Jahren dauerhaft verreist, möglicherweise mit dem Wunderauto, ich habe es seither nicht mehr gesehen. Und die Falschen Forellen? Die muss nun meine Mama machen. Mit dem gleichen gebremsten Enthusiasmus. Unter dem gleichen Jubel der restlichen Familie. Manche Dinge ändern sich eben nie.

Zum Autor: Alex Lisetz schreibt für Servus, Bergwelten und The Red Bulletin und war noch immer auf keiner echten Safari.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Juni 2020 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Zubereitungszeit Gesamtzeit
4 Portionen 20 Minuten 1 Stunde
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Für die Palatschinken
200 ml Milch
Salz, Muskatnuss
120 g glattes Mehl
3 Eier
Butter zum Backen
Für die Füllung
80 g Zwiebeln
40 g Räucherspeck
2 EL Rapsöl
400 g gemischtes Faschiertes
Salz, Pfeffer
1 EL Majoranblätter
Für die Panier
100 g griffiges Mehl
2 versprudelte Eier
100 g Semmelbrösel
Frittieröl
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Zubereitung
  1. Milch mit Salz, Muskatnuss und Mehl glatt rühren. Die Eier verquirlen und unter den Teig rühren. Den Palatschinkenteig 15 Minuten rasten lassen.

  2. Inzwischen Zwiebeln schälen und fein hacken. Räucherspeck fein schneiden und mit den Zwiebeln in einer großen Pfanne glasig anschwitzen. Das Faschierte zugeben und bei großer Hitze kräftig anrösten. Mit Salz, Pfeffer und Majoran würzen.

  3. Für die Palatschinken in einer beschichteten Pfanne ein fingernagelgroßes Stück Butter schmelzen und den Teig möglichst dünn eingießen. Das funktioniert am besten, wenn man dabei die Pfanne kippt und kreisförmig schwenkt. Die Palatschinken beidseitig goldbraun backen.

  4. Das Faschierte auf die Palatschinken streichen, die Ränder 3 cm einschlagen und die Palatschinken einrollen.

  5. Palatschinken in Mehl wälzen, durch die Eier ziehen und mit Bröseln panieren.

  6. Die Falschen Forellen in heißem Öl schwimmend goldbraun herausbacken und mit grünem Salat oder Gurkensalat servieren.

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