Hauptspeise

Zaunbändernudeln

Die Zaunbändernudeln kommen im Weststeirischen traditionell erst dann auf den Tisch, wenn die Kühe wieder auf den saftigen Almen und Wiesen weiden.

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Foto: Eisenhut & Mayer
Wenn die Kühe wieder auf den Almen und Wiesen weiden, kommen im Weststeirischen diese Nudeln auf den Tisch.  

Dieses alte Gericht aus der Weststeiermark wird man vergeblich in den Kochbüchern von Bürgerfrauen suchen. Es stammt aus der Bauernküche und verweist gleich dreifach auf die Frühlingszeit.

  • Da wäre einmal der Einsatz von Rahm, der erst wieder verwendet wurde, wenn die Kühe frisches Grün fressen konnten und viel Milch gaben.

  • Dazu kommen Wald- und Wiesenkräuter quasi als i-Tüpferl.

  • Schließlich ist auch der Name selbst irgendwie eine Referenz an die wiedererwachende Natur: Zaunbändernudeln.

Wie die Zaunbändernudeln zu ihrem Namen kamen

Für das Reparieren der Zäune gab es eine besonders gut geeignete Jahreszeit: den Mai nämlich, wenn die Rinde von jungen, dünnen Fichtenästen so richtig im Saft stand. Die jetzt sehr biegsamen, etwa fingerdicken Zweige hat man zu einer Art Seil miteinander verdreht und damit die Zaunlatten an den Stehern fixiert. Eine mühselige Arbeit, die aber Jahr für Jahr notwendig war, um die Zäune intakt zu halten, bevor das Vieh wieder raus auf die Weide konnte.

Die Milchwirtschaft hat auf den steirischen Almen eine lange Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zählte man fast 3.000 Hütten, anno 1952 waren es exakt 4.356 Ställe. Dazu gab es noch an die 600 Schwaigen, das sind selbständige und das ganze Jahr über bewohnte Viehwirtschaften.

Die Sennerinnen oder Schwaigerinnen haben die Kühe gemolken und nahezu täglich Butter und Käse hergestellt. Der Rahm selber wurde im sogenannten Rahmschaff gesammelt. Ein wichtiges Arbeitsgerät war auch der „Rahmzweck“, mit dem der Rahm von der Milch getrennt wurde.

Rahmzwecke waren ein beliebtes Geschenk, oft verziert mit Sinnsprüchen, wie diese Inschrift von 1895 zeigt: Mein Schatz ist a Schworgrin, hat e segs a sim Kühr, sie hat an gschetertn Bolster, gut liegt ist bei ihr.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Mai 2012 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Zubereitungszeit Gesamtzeit
4 Portionen 20 Minuten 1:40 Stunden
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Für den Teig
300 g Mehl
4 Eier
1 EL Öl
0.5 TL Salz
Für die Fülle
200 g Sauerrahm
4 EL gehackte Kräuter
2 EL Butter oder 4 EL Grammeln zum Abschmalzen
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Zubereitung
  1. Die Zutaten zu einem festen Teig kneten und 1 Stunde rasten lassen.

  2. In zwei Teile schneiden und dünn ausrollen. Die Teigfladen mit Rahm bestreichen und mit Kräutern bestreuen. Eng einrollen und die Enden zusammendrücken.

  3. In eine Stoffserviette wickeln und in leicht kochendem Wasser 20 Minuten ziehen lassen oder ohne Serviette im Dampfgarer dämpfen.

  4. In zweifingerbreite Streifen schneiden und mit heißer zerlassener Butter oder in Butter angebratenen Grammeln anrichten.

  5. Entweder als Hauptgericht mit grünem Salat oder als Beilage (ohne Butter oder Grammeln) zu Rindsbraten oder Wild servieren.

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