Anzeige

Brauchtum

„Wir müssen erkennen, dass wir selbst Teil der Natur sind“

Skisprung-Legende Toni Innauer über Perfektion und Gelassenheit, tierische Turnübungen – und eine Getreidemühle als Liebesbeweis. Das ganze Interview lesen Sie in der September-Ausgabe von Servus in Stadt & Land.

Interview mit Toni Innauer für das Servus Magazin – übers Leben reden!
Foto: Mirco Taliercio
Als „letzter Ureinwohner Österreichs“ wuchs Toni Innauer in einem Berggasthaus oberhalb von Bezau in Vorarlberg auf. Heute lebt er mit seiner Frau Marlene in Thaur bei Innsbruck. In der Sillschlucht geht der vierfache Vater seiner Leidenschaft für das Fliegenfischen nach.

Toni Innauer schlüpft aus den Turnschuhen, streift seine Socken ab und läuft barfuß über den feinen Sand, den die Sill ans Ufer gespült hat. Der 68-Jährige ist eine Legende: als Skispringer, Trainer und Sportdirektor. Vor fünfzig Jahren bekam der damals 17-Jährige als erster Athlet in der Geschichte für einen Sprung, der einem den Atem raubte, von allen fünf Juroren die Höchstnote 20. Er holte WM- und Olympia-Gold, schrieb Bücher, war Unternehmer. Und galt als Rebell, als einer, der oft mit dem Charakterkopf durch die Wand wollte. Die Sturheit von einst ist einem feingeistigen Selbstbewusstsein gewichen.

Toni Innauer wird als Philosoph gewürdigt, der mit einer Prise Humor gern kreuz und quer denkt. Wir treffen ihn in für die September-Ausgabe von Servus Innsbruck, dort, wo das dichte Blätterdach an der Sill hin und wieder den Blick auf die Bergisel-Schanze freigibt.

Anzeige

Als Kind haben Sie Forellen mit der Hand, sogar mit Ihrer Schultasche gefangen. Was fasziniert Sie bis heute am Fischen?

Das war eine lange Entwicklung. Früher hat der Beutetrieb überwogen, heute bin ich Fliegenfischer. Als Fliegenfischer ist man Anwalt der Lebewesen.

Servus Garten WhatsApp-Kanal

Die Bachforelle würdigen Sie nicht nur als Lebewesen, sie ist auch eine der „12 Tiroler“ – das sind Turnübungen, die Sie entwickelt und nach heimischen Tieren benannt haben. Es gibt beispielsweise auch Dachs, Bär und Gams.

Die Forelle steht für Eleganz, Biegsamkeit und Dynamik. Eine Rumpfübung, gut für Einsteiger.

Sie haben sich als „letzten Ureinwohner Österreichs“ bezeichnet, weil Sie als Kind auf einem Berggasthof sehr naturverbunden aufgewachsen sind. Mit Naturerlebnissen belohnen Sie sich immer noch.

Bleiben wir beim Fischen. Du versinkst symbolisch in den Watstiefeln und hörst auf zu denken. Als Bub hab ich schwarzgefischt, heute gehe ich in mein Revier, wann es mir passt – ein Geschenk.

Scheitern bedeutet ja nicht, unwürdig und unfähig zu sein.
Skisprung-Legende Toni Innauer

Wer Ihre Bücher liest, meint, einen in sich ruhenden Menschen kennenzulernen. Dabei hatten Sie von Ihrem Großvater „den Innauer“ geerbt, einen argen Jähzorn. Wie ist aus dem wütenden Kind der gelassene Mann geworden?

Das war ein langer Prozess, bis ich kapiert habe, dass man mit dem Schädel nicht durch die Wand kann. Scheitern bedeutet ja nicht, unwürdig und unfähig zu sein. Oft liegt es nur an deiner Geduld, ob du etwas schaffst oder nicht. Scheitern als etwas Vorübergehendes zu erkennen – das ist wichtig.

In Ihrem Buch „Ein neues Leben“ schreiben Sie: „Ich will mein Leben täglich ein bisschen zwischen Pflicht und Lebenskunst pulsieren spüren.“ Dazu gehören viele kleine Freuden. Worauf freuen Sie sich heute Abend?

Ich schlafe gerne (lacht). Ich freue mich, wenn ich um halb elf ins Bett komme – das ist meine Zeit.

Tiere als Fitness-Trainer

Vorbild Forelle. Toni Innauer war als Athlet so einzigartig wie als Trainer. Seit Jahrzehnten widmet er sich mit Hingabe dem Sport – und seinen gesunden Nebenwirkungen. In seinem Buch „Die 12 Tiroler“ stellt er Turnübungen vor, die er über die Jahre perfektioniert hat. Sie alle sind nach Tieren des Alpenraums benannt:

„Startübung ist die Bachforelle. Dazu auf den Rücken legen, die Arme im 90-Grad-Winkel seitlich neben dem Körper platzieren, Handflächen nach unten. Beide Knie Richtung Brust ziehen, nach rechts kippen, Schultern bleiben auf dem Boden. Das obere (linke) Bein kurz ausgestreckt halten. Beide Knie wieder zur Mitte bringen. Die Übung auf der anderen Seite wiederholen.“

Anzeige