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Garten

Birnbaum im Garten: Alte Sorten, Standort und was er wirklich braucht

Etwa 5.000 Birnensorten gibt es weltweit. Welche für den Garten geeignet ist, was der Baum braucht und warum alte Birnbäume für Spechte, Bienen und Kleiber unverzichtbar sind, erfahren Sie in unserem Gartenwissen zur Birne.

Birnbaum mit reifen Birnen zwischen den Blättern
Foto: mauritius images/ Ruslan Olinchuk / Alamy / Alamy Stock Photos
Im Herbst hängen in den Birnenbäumen die schönsten Früchte.

Birnen im Garten in der Übersicht:

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1. Die Birne im Kurzporträt

Merkmal

Information

Botanischer Name

Pyrus communis

Abstammung

Heimische Holzbirne (Pyrus pyraster)

Herkunft

Seit etwa 4.000 Jahren in Europa bekannt

Bekannte Sorten weltweit

etwa 5.000

Typen

Tafelbirnen, Mostbirnen, Kochbirnen, Sommer-, Herbst- und Winterbirnen

Beliebteste Sorten hierzulande

Kaiser Alexander, Conference, Packham, Gute Luise, Williams Christ

Schalenfarbe

grün, rot, gelb bis bräunlich

Fruchtfleisch

knackig bis saftig-weich

Geschmack

leicht säuerlich, muskatartig oder süß

Lebensdauer

bis zu 200 Jahre

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Birne, Lebensmittel-Lexikon
Foto: Adone Stock
Wissenswertes über die vielfältige Birne.

2. Geschichte der Birne: Von Persien nach Europa

  • Die Birne war schon im Altertum bekannt. Vor etwa 4.000 Jahren fand sie den Weg von Persien nach Europa, wo sie sich rasch verbreitete. Im 17. Jahrhundert waren bereits 300 verschiedene Sorten bekannt – 200 Jahre später rund 1.000.

  • Laut zeitgenössischen Niederschriften der Pomologie gehörte der Birnbaum damals in jeden Küchengarten, und man bevorzugte die aromatische Vielfalt der Birnensorten. Obstexperte Siegfried Bernkopf aus Oberösterreich bringt es auf den Punkt: „Der Apfel kommt an diese Nuancen im Geschmack tatsächlich nicht heran.“

  • Unsere Kulturbirne (Pyrus communis) stammt meist von der heimischen Holzbirne (Pyrus pyraster) ab, deren kleine, harte Früchte ziemlich herb schmecken. Die bei früheren Birnen typischen Steinzellen – winzige Körnchen im Fruchtfleisch, die ursprünglich die Funktion eines Stützgewebes hatten – wurden im Lauf der Jahrhunderte weitgehend weggezüchtet.

3. Was braucht ein Birnbaum im Garten?

Grundsätzlich ist die Birne recht anspruchslos – mit einer Ausnahme: Sie mag es wärmer als Äpfel. Späte Sorten sind für raue Lagen daher weniger geeignet. Obstexperte Siegfried Bernkopf empfiehlt, sich bei der Sortenwahl Zeit zu nehmen: „Es lohnt sich, vor der Pflanzung eines Birnbaums über die Sorte und ihren Charakter Bescheid zu wissen.“

Standort und Boden:

  • Warmer, geschützter Standort

  • Boden bevorzugt sandig-lehmig, damit sich das Erdreich im Frühjahr rasch erwärmt und ausreichend Wasser durchlässt

  • Sind die letzten Monate vor der Ernte zu nass, wachsen um das Kerngehäuse mehr Steinzellen als in einem warmen Sommer

Bestäubung: Birnen sind selbstunfruchtbar: Sie benötigen eine zweite Sorte in der Nähe, die den Pollen beisteuert. Wer also einen Birnbaum pflanzen möchte, braucht immer mindestens zwei verschiedene Sorten im Garten.

Birnengitterrost – wenn Birnenblätter „Masern“ bekommen: Orangerote Flecken auf Birnenblättern sind ein Zeichen für den Birnengitterrost, eine Pilzerkrankung. Bis zu fünf Flecken pro Blatt sind noch unbedenklich. Bei stärkerem Befall leidet der Baum und kann seine Früchte nicht mehr ausreichend ernähren.

Der Pilz braucht eine Wirtspflanze zum Überleben. Verschiedene Wacholderarten zählen dazu – nicht jedoch der heimische Juniperus communis. Wachsen im Umkreis bis zu einem Kilometer keine Wirtspflanzen, kann kein Birnengitterrost übertragen werden.

Birnenexperte Siegfried Bernkopf schaut sich eine Birne an.
Foto: Raphael Gabauer
Birnenexperte Siegfried Bernkopf bei einem seiner Birnenbäume

4. Tafelbirne - Mostbirne - Saftbirne: Was im Garten pflanzen?

Der Anspruch, im Garten eine Birnensorte für alle Zwecke zu pflanzen, lässt sich kaum erfüllen. Die Konsistenz des Fruchtfleischs entscheidet neben dem Säure- und Zuckergehalt darüber, wofür sich eine Sorte am besten eignet. Zart schmelzende, steinzellenarme Sorten isst man am besten direkt vom Baum gepflückt. Birnen mit höherem Säure- und Gerbstoffgehalt eignen sich besser zum Keltern.

Klaus Strasser, Betreiber eines Obstsortengartens in Ohlsdorf, weist auf eine besondere Gruppe hin, die beides kann: „Es gibt einige wenige Speisebirnen, die nicht so weichfleischig sind, nicht schmelzend und etwas saurer. ‚Herzogin Elsa‘, ‚Paulsbirne‘, ‚Gute Luise‘, ‚Gute Graue‘ oder ‚Kieffers Sämling‘ können frisch vom Baum gegessen oder als Saftbirnen gepresst werden.“

Typ

Merkmale

Wofür im Garten pflanzen?

Tafelbirne

Zart schmelzend, steinzellenarm

Frisch essen, als Dessert- oder Kuchenbirne

Mostbirne

Höherer Säure- und Gerbstoffgehalt

Keltern zu Saft, Most, Marmelade, Gelee, Schnaps

Saftbirne

Nicht zu weichfleischig, etwas saurer

Frisch essen und pressen – beides möglich

Tipp: Da das Entsaften meist im Herbst stattfindet, kann auch ein Teil der spätreifenden Speise-Winterbirnen für Saft verwertet werden – die Säure nimmt mit zunehmender Reife ab, der Zuckergehalt zu.

5. Die bunte Welt der Birnennamen

Viele alte Birnensorten haben sich über Jahrhunderte überwiegend regional verbreitet. Das führte dazu, dass eine einzige Sorte an verschiedenen Orten ganz unterschiedliche Namen bekam. Pomologe Siegfried Bernkopf nennt ein anschauliches Beispiel: „Die ‚Gelbe Wadelbirne‘ heißt in Oberösterreich ‚Wirgerlbirn‘, weil sie so trocken ist, dass es einen beim Kauen würgte. Man kennt sie in manchen Gegenden aber auch als ‚Schweiferlbirn‘, weil die Frucht stielwärts oft schweifartig ausläuft. Und dazu kommen noch die Namen ‚Langzoglbirn‘ oder ‚Goasduttenbirn‘, ebenfalls wegen der typischen Form.“

  • Häufig sind Dialektausdrücke die Wurzel eines Sortennamens. Die „Hirschbirne“ aus dem steirischen Pöllauer Tal hat nichts mit Rotwild zu tun – ihr Name leitet sich vom Dialektwort „Hiascht“ für Herbst ab. Die ältesten Exemplare dieser Sorte sind rund 200 Jahre alt, wachsen auf 450 bis 800 Meter Seehöhe und gelten als äußerst frosthart.

  • Manchmal steckt hinter einem Birnennamen auch eine frühere Funktion. Siegfried Bernkopf erklärt, was es mit der „Roten Püllerbirne“ auf sich hat: „Die ‚Rote Püllerbirne‘, oder hochdeutsch ‚Rote Pichelbirne‘, hatte früher eine wichtige Funktion als sogenannte Mostputzerbirne. Man fügte ihren Saft dem Jungmost zu, wenn dieser nicht klar wurde. Das Eiweiß, das für die Trübung verantwortlich war, flockte durch den hohen Gerbstoffgehalt der Pichelbirne aus und konnte so entfernt werden.“ Der Name „Püller“ geht auf das alte Wort „Bühel“ für Hügel zurück – dort oben fühlen sich ursprüngliche Birnensorten am wohlsten.

Drei Körbe mit Hirschbirnen.
Foto: Peter Podpera
Drei Körbe mit Hirschbirnen. Aus ihnen wird Schnaps.

6. Sechs alte Birnensorten mit Charakter

Sorte

Beschreibung

Ernte / Reife

Verwendung

Doppelte Philippsbirne

Robust, sehr saftig, süß-säuerlich, viele Lentizellen

Bereits um 1800 bekannt

Speise

Gelbe Wadelbirne

Sanft gerötet, saftig bis teigig, flaschenartige Form

Erstmals um 1400 in der Schweiz erwähnt

Speise

Frauenbirne

Klein, rotbackig, herb-säuerlich-süß; vermutlich schon vor 1700 in Oberösterreich

Kletzen, Most

Herzogin Elsa

Saftig-süß in der Vollreife; 1879 bei Stuttgart entdeckt

Früh geerntet auch pressbar

Speise oder Saft

Speckbirne

Saftig, herb-süß-säuerlich; wahrscheinlich vor 1850 in Kärnten entstanden

Oktober

Most

Paulsbirne

Sehr süß und saftig; bereits 1850 in Deutschland bekannt

Ende Oktober; genussreif von Mitte Dezember bis Februar

Speise

Tipp: Wer einen alten Birnbaum im Garten hat und die Sorte bestimmen lassen möchte, kann das übrigens im Obstsortengarten Ohlsdorf beauftragen. Soll eine seltene Sorte erhalten werden, setzen Baumschulen ein Edelreis auf einen Unterlagsbaum – daraus wächst ein neuer Jungbaum heran.

Sechs Birnensorten aus der Steiermark, großer Katzenkopf, Philippsbirne
Foto: Karin Lernbeiß
Sechs Birnensorten aus der Steiermark

7. Der Birnbaum als Lebensraum

Ein alter Birnbaum ist weit mehr als ein Obstbaum. In seiner knorrigen Rinde verbirgt sich ein reich gedecktes Buffet aus Käfern, deren Larven und anderen Insekten. Kleiber und Specht profitieren davon ebenso wie alle zehn in Österreich vorkommenden Spechtarten, die in den Asthöhlen alter Gehölze gerne nisten. Die weißen Blütenwolken im Frühjahr sorgen außerdem für ein üppiges Pollen- und Nektarangebot für Bienen.

Streuobstwiesen mit alten Birnbäumen gibt es seit dem 16. Jahrhundert rund um Dörfer und Städte. Sie prägten lange den ländlichen Raum und dienten auch als Vieh- und Bienenweiden. Streuobstbäume sind allesamt Hochstämme, die auf Sämlinge veredelt wurden, und haben als Tiefwurzler eine wesentlich höhere Trockenheitstoleranz als andere Obstbäume.

Streuobstwiese in der Steiermark mit Birnenbäumen
Foto: Karin Lernbeiß
Streuobstwiese in der Steiermark mit Birnenbäumen.
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