Eibe pflanzen und pflegen: Was den Baum der Trauer so besonders macht
Hecke, Grabpflanze, Palmbusch: Die Eibe begleitet den Menschen seit vielen Jahrtausenden. Wir zeigen, welchen Standort sie braucht, wie Sie sie schneiden und was es mit ihrem Gift auf sich hat.
Wissenswertes über die Eibe in der Übersicht:
1. Die Eibe im Kurzporträt
Die Europäische Eibe ist ein immergrüner Nadelbaum mit dunkelgrünen, weichen Nadeln. Die ungewöhnlichen Nadelbäume haben kein Harz, werden uralt und begleiten den Menschen schon seit vielen Jahrtausenden. Weil sie kein Harz haben, fehlt ihnen der typische würzige Geruch anderer Nadelbäume.
Merkmal | Eibe |
|---|---|
Botanischer Name | Taxus baccata |
Familie | Taxaceae (Eibengewächse) |
Wuchs | langsam, oft mehrstämmig, nicht selten als Strauch |
Höhe | in der Regel 2 bis 5 Meter, gelegentlich bis über 15 Meter |
Blütezeit | Ende Februar bis April |
Samenstände | September bis Oktober, sie sehen aus wie rote Beeren |
Sorten | mehr als 200 Ziersorten, darunter eine mit gelben Samenfrüchten (T. baccata „Lutea“) |
2. Ist die Eibe giftig?
Ja. Nadeln, Samen, Holz und Rinde der Eibe sind hochgiftig für Mensch und Tier. Schon eine Handvoll Nadeln kann ausreichen, einen Menschen zu töten.
Tiere: Besonders gefährdet sind Pferde. Hirsche und Rehe sind offenbar immun gegen das starke Gift und knabbern gern an Eiben.
Rote Früchte: Der rote Samenmantel ist die Ausnahme. Er sieht aus wie eine unten offene Beere und umgibt den kleinen grünen Samen. Der Samen selbst gehört zu den giftigen Teilen.
3. Welchen Standort braucht die Eibe und wie pflegt und schneidet man sie?
Die Eibe stellt an ihren Platz kaum Ansprüche. Sie ist robust und widerstandsfähig und kommt gut mit Wind zurecht. Sie lässt sich gut stutzen und schlägt bereitwillig wieder aus. Damit ist sie unter den Nadelbäumen eine Ausnahme und eine sehr beliebte Hecken- und Formschnittpflanze für Park- und Gartenanlagen geworden.
Boden | humos und feucht ebenso wie sandig und trocken |
Licht | Sonne, Halbschatten und Vollschatten |
Pflanzzeit | früher Herbst oder Frühjahr, bevor sie neu antreibt |
Schnitt | einmal pro Jahr, am besten im Frühjahr vor dem Neuaustrieb |
Düngen | rund um die Antriebszeit einen Langzeitdünger für Nadelbäume in die Erde einarbeiten |
4. Wie alt wird die Eibe und wo stehen die ältesten Bäume Österreichs?
Eiben wachsen sehr langsam. Dafür schlagen sie auch nach radikalen Rückschnitten und Beschädigungen wieder neu aus und erreichen ein hohes Alter. Es soll Exemplare geben, die weit über 1.000 Jahre alt sind, vereinzelt sogar 3.000 Jahre.
Feldkirch-Tosters, Vorarlberg: An der nördlichen Friedhofsmauer von St. Corneli steht die „Tausendjährige Eibe“, wie Pilger sie nennen. Ihr Stammumfang betrug mehr als fünf Meter, bevor ein Blitzschlag einen Teil des Stockes zerstörte. Der Legende nach soll die heilige Maria hier auf dem Weg von der Schweiz nach St. Gerold eine Rast eingelegt haben. Sie gilt als ältester Baum im Ländle und ist sicher auch einer der ältesten Bäume Österreichs.
Größere natürliche Vorkommen: im oberösterreichischen Scharnstein, im Almtal und vor allem im Vorarlberger Rohrach.
5. Warum nennt man die Eibe den Baum der Trauer?
Kaum eine Pflanze ist enger mit dem ewigen Kreislauf von Leben und Tod verbunden als die Eibe. Die vielen uralten heidnischen und christlichen Mythen um sie erzählen von der Doppelgesichtigkeit dieses immergrünen Nadelbaums. Sie handeln von Wiedergeburt und Auferstehung, aber auch von Verfall, Sterben und Zerstörung.
Griechen: Für sie war die Eibe der Baum der Trauer und des Todes. Die Rache bringenden Furien ihrer Sagenwelt trugen Fackeln aus Eibenholz.
Römer: Dunkellaubige Eibenbäume säumten die Wege des Totenreichs.
Kelten: Cäsar berichtet von Lanzenspitzen, bestrichen mit Eibengift, und von politischen Selbstmorden mit Eibensaft.
Germanen: Ihnen waren Eiben heilig. Für sie standen die dunkelgrünen, weichen Nadeln für ungeheure Vitalität und Langlebigkeit.
Diese Verbindung ist bis heute lebendig. Auf Friedhöfen zählt die Eibe gemeinsam mit Thujen oder Buchs zu den traditionellen Grabpflanzen. In Teilen Süddeutschlands und Österreichs gehören Eibenzweige zu den festen Bestandteilen der österlichen Palmbuschen. Auch dort stehen Tod und Wiederauferstehung nebeneinander, und die Eibe ist ihr Sinnbild.
6. Wofür nutzte man Eibenholz?
Das rötliche Holz der Eibe ist hart, schwer, zäh, elastisch und widerstandsfähig. Es war wie gemacht für Bögen und Armbrüste, Pfeile und Spieße.
Ötzi: Die Gletschermumie vom Tiroler Hauslabjoch starb in der späten Jungsteinzeit vor über 5.000 Jahren im Eis der Ötztaler Alpen. Sie trug einen langen Bogen aus Eibenholz bei sich. Es gibt auch noch ältere Funde von Eibenholzspeeren.
Mittelalter: Eibenvorkommen wurden geplündert, um Zehntausende von Langbögen zu fertigen. Man pflanzte Eiben gern in der Nähe von Burgen, wo man rasch auf ihr Holz zugreifen konnte.
Alltag: Aus Eibenholz entstanden außerdem Pfosten und Balken, Möbel und Pfähle, Webschiffchen und Kübel.
Weil die Bäume seit Jahrtausenden stark genutzt und abgeholzt wurden, sind dichte Eibenvorkommen an Naturstandorten selten geworden. Da Eiben in der heimischen Wildnis so selten sind, stehen sie unter Naturschutz. In Österreich war die Eibe 2013 der Baum des Jahres.
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