Handwerk

Handarbeit mit Tradition: Zu Besuch in der Werkstätte von Gmundner Keramik

Wie entsteht das berühmte Grüngeflammte? Die Servus-Redaktion besucht die Werkstätte von Gmundner Keramik, spricht mit den Menschen hinter dem Handwerk und darf selbst zum Pinsel greifen.

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Handbespritzer Teller mit grüngeflammt Motiv
Foto: Gmundner Keramik
Handbespritzer Teller mit grüngeflammt Motiv

Wer an das Salzkammergut denkt, hat oft Seen, Berge und Sommerfrische vor Augen. Doch die Region ist auch Heimat eines Handwerks, das seit Jahrhunderten Generationen begleitet: die Keramikkunst von Gmunden. In der Manufaktur von Gmundner Keramik entstehen bis heute Teller, Tassen und Schüsseln in aufwendiger Handarbeit – jedes Stück ein Unikat.

Die Servus-Redaktion durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen, mit Produktionsleiter Herrn Köck über Qualität und Tradition sprechen und einer Keramikmalerin bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Eines wird dabei schnell klar: Hinter jedem Stück steckt weit mehr als nur handwerkliches Können.

Feinste Handarbeit und ein feines Gespür für Tradition.

Wo Tradition auf Handarbeit trifft

Beim Rundgang durch die Werkstätte begleiten wir den Weg eines Keramikstücks von den ersten Arbeitsschritten bis zum fertigen Produkt. Obwohl moderne Technik einzelne Prozesse unterstützt, bleibt die Handarbeit das Herzstück der Manufaktur.

Besonders beeindruckend ist die Ruhe und Konzentration, mit der die Malerinnen arbeiten. Mit geübten Bewegungen setzen sie Pinselstrich für Pinselstrich auf die noch unglasierte Keramik. Was einfach aussieht, ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung.

Auch wir dürfen selbst zum Pinsel greifen und ein Keramikstück bemalen. Spätestens dabei wird deutlich, wie viel Geschick und Präzision hinter den charakteristischen Mustern steckt.

Tonform für Gmundner Keramik Tassen
Foto: Gmundner Keramik
Tonform für Gmundner Keramik Tassen

Die Kunst des Bemalens

Für die Keramikmalerin, mit der wir sprechen, ist ihre Arbeit weit mehr als ein Beruf. Jeder Tag bringt neue Stücke, neue Formen und neue Herausforderungen.

Gearbeitet wird mit speziellen Farben und Pinseln, die auf die Anforderungen der Keramikmalerei abgestimmt sind. Jeder Strich muss sitzen, denn die Dekore entstehen freihändig und erfordern viel Übung. Gerade diese Verbindung aus Kreativität und handwerklicher Präzision macht den Reiz der Arbeit aus.

Besonders schätzt sie das Arbeiten in einer Manufaktur, in der Tradition und Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen. Viele Mitarbeiter sind seit Jahren Teil des Unternehmens und tragen ihr Wissen an jüngere Generationen weiter. So bleibt das Handwerk lebendig und entwickelt sich dennoch stetig weiter.

Durch das bemalen mit der freien Hand, gleicht kein Stück dem Anderen.

Was bedeutet eigentlich „geflammt“?

Spricht man über Gmundner Keramik, kommt man am berühmten Dekor „Grüngeflammt“ nicht vorbei. Die charakteristischen grünen Pinselstriche machen die Keramik weit über Österreich hinaus bekannt.

Produktionsleiter Herr Köck erklärt, dass „geflammt“ die besondere Maltechnik beschreibt, bei der die typischen geschwungenen Linien freihändig aufgetragen werden. Da jeder Pinselstrich von Hand entsteht, gleicht kein Stück exakt dem anderen. Gerade diese kleinen Unterschiede machen den besonderen Charme der Keramik aus.

Jedes Produkt trägt damit die Handschrift jener Menschen, die es gefertigt haben – ein bewusster Gegenentwurf zur industriellen Massenproduktion.

Handbemalung Teller grüngeflammt
Foto: Gmundner Keramik
Handbemalung Teller grüngeflammt

Keramikstadt Gmunden

Die Geschichte der Keramik in Gmunden reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Die Stadt entwickelte sich durch ihre Lage an wichtigen Handelswegen früh zu einem bedeutenden Zentrum des Keramikhandwerks. Bis heute prägt die Keramik das kulturelle Selbstverständnis der Region und gehört ebenso zu Gmunden wie der Traunsee oder das Schloss Orth.

Für Herrn Köck ist die Manufaktur deshalb weit mehr als ein Produktionsstandort. Sie bewahrt ein kulturelles Erbe, das über Generationen gewachsen ist und bis heute Menschen aus aller Welt begeistert.

Bereits seit mehreren Jahrhunderten wird hier Kunsthandwerk gelebt.

Handwerk als UNESCO-Welterbe

Traditionelles Handwerk erlebt derzeit eine neue Wertschätzung. Umso wichtiger ist es, Wissen, Techniken und Fertigkeiten für kommende Generationen zu erhalten.

Auch bei Gmundner Keramik spielt dieser Gedanke eine zentrale Rolle. Die Weitergabe von Wissen, die Ausbildung junger Fachkräfte und der Erhalt traditioneller Fertigkeiten sind wesentliche Bestandteile der Unternehmenskultur. Das Handwerk wird hier nicht als Relikt vergangener Zeiten verstanden, sondern als lebendige Kulturform mit Zukunft.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern erkunden wir die Besonderheiten, der unterschiedlichen Produktionsschritte.

Ein Stück Salzkammergut für Zuhause

Als wir die Werkstätte verlassen, halten wir unsere selbst bemalten Keramikstücke in den Händen. Sie sind vielleicht nicht perfekt geworden, aber sie vermitteln eine Ahnung davon, wie viel Können und Erfahrung hinter jedem Teller und jeder Tasse stecken.

Vor allem nehmen wir eine Erkenntnis mit: Gmundner Keramik ist weit mehr als ein Gebrauchsgegenstand. Sie ist Ausdruck regionaler Identität, gelebter Handwerkskunst und jener Liebe zum Detail, die das Salzkammergut seit jeher auszeichnet.