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Stadtspaziergang durch Melk: ein Servus Podcast

Wer kennt es nicht zumindest vom Vorbeifahren – das beeindruckende Stift Melk? Die kleine Stadt an den Toren zur Wachau hat aber noch viel mehr zu bieten. Was es selbst in der kleinsten Gasse zu entdecken gibt, zeigt uns Fremdenführer Stefan Scholz.

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Ausflug, Melk, Podcast, Altes Bäckerhaus, Blumen
Foto: Servus
Das schindelgedeckte malerische Häuschen aus dem 17. Jahrhundert besitzt zwei später hinzugefügte Ecktürmchen mit romantischen Schlüssellochscharten. Die Fledermäuse freut's.

Die Servus-Online-Redaktion durfte für eine Woche ihre Redaktionszelte im schönen Melk aufschlagen. Ausgangspunkt unserer täglichen Ausflüge ist der Rathauskeller inmitten der Altstadt. Für den Servus-Podcast trifft sich Autor Harald Nachförg mit dem staatlich geprüften Fremdenführer Stefan Scholz aber ein paar Schritte vom Stadtkern entfernt, bei der St.-Leopold-Brücke nämlich. Von hier aus haben wir einen wunderbaren Blick auf das Stift und können dem geschäftigen Treiben rund um die Melker Arena zusehen. Schließlich beginnen am 16. Juni 2021 die Melker Sommerspiele und es gibt einiges zu tun.

Wir reißen uns los, anderen bei der Arbeit zuzusehen und gehen über die alte Hubbrücke aus Eisen Richtung Altstadt. Früher konnte diese vier Meter hochgezogen werden und war damit hochwassersicher. 16 Mann hat man dafür gebraucht, erzählt uns Stefan Scholz. Nein, Harald möchte es nicht versuchen. Dafür reichen die „Knödel“ wohl nicht. Außerdem wird die Brücke über den Melkfluss heute nicht mehr als Einfahrt Richtung Waldviertel genutzt - dafür gibt es seit 1973 die Melker Donaubrücke. Schade eigentlich, hat man doch von dieser Seite einen besonders schönen Blick auf die Schmuckseite des Stifts Melk.

Ausgangspunkt unseres Stadtspaziergangs ist die Leopoldsbrücke bei der Melk Arena. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf das Stift.

Am Fuße es Berges entdecken wir ein erstes Koloman-Denkmal, dem Schutzheiligen von Melk gewidmet. Gleich daneben, zur Erinnerung an die schweren Hochwasser, die hier schon durchgestanden wurden, ein in den Himmel ragendes Monument. Die Jahreszahlen auf dem Turm zeigen, wie hoch das Wasser in diesen Jahren gestanden hat. Beeindruckt ob der Kraft der Natur gehen wir weiter zu einem Steinschild an dem ersten Haus am Eingang der Stadt. In altertümlichen Lettern steht ein Gedicht geschrieben, das uns in der Servus Sommerfrische-Woche schon so oft begegnet ist - ein Auszug aus dem Nibelungenlied, der sich wie ein kleiner Reiseführer entlang der Donau liest.

Beim Tor zur Stadt treffen wir auf das erste Koloman-Denkmal. Das Hochwasser-Monument erzählt von den Überflutungen, die immer wieder die Stadt heimgesucht haben. Das Nibelungenlied begrüßt Besucher beim Sandtor.

Direkt gegenüber befindet sich das Touristische Info-Zentrum der Stadt. Wer eine Unterkunft sucht, ist hier genau richtig. Und packt sich am besten auch gleich den Audioguide „Der rote Faden“ ein. Praktische Aufsteller mit Bildern & Informationen finden sich in der ganzen Stadt und mit den Informationen aus dem Kopfhörer lässt sich Melk auf eigene Faust entdecken. Wir haben es aber noch besser, schließlich können wir unserem Stefan Scholz auch Fragen stellen.

Im Infocenter können sich Besucher einen Audio-Guide ausleihen. Die dazugehörigen „Roter Faden“-Tafeln sind quer durch die Stadt zu entdecken.

Was es etwa mit den goldenen und blauen Pflastersteinen, die sich in der ganzen Stadt finden, auf sich hat, wollen wir wissen. „Die blauen führen zur Donau, die goldenen Steine hinauf in das Stift“, verrät uns der Fremdenführer. Und vom Himmel aus sind es auch Morsezeichen – ein Gedicht ist da zu lesen. Dann werden wir in ein kleines Gasserl entführt, an dessen Ende das älteste Haus der Stadt zu finden ist: das Haus am Stein. Darauf rankt ein 500 Jahre alter Weinstock, der Reblaus und Hochwasser getrotzt hat und bis heute Früchte trägt. Wir gehen weiter und nehmen Platz auf einem Stein-Bankerl, um das prachtvoll gestaltete Posthaus zu betrachten.

Das Haus am Stein liegt versteckt in einer kleinen Seitengasse. Goldene und blaue Glassteine helfen bei der Orientierung in der Stadt. Besonders beeindruckend: das kunstvoll gestaltete Postamt.

Wasser, Kirche & Villenviertel

Vorbei am Nepomuk-Brunnen, einst Aufpasser am Weier- oder Marktbach, dessen Weg durch die Stadt führte, werfen wir einen Blick in die kühle Pfarrkirche. „Ah endlich Gotik“ entfährt es dort so manchem Besucher nach all den barocken Einflüssen, die sonst in der Stadt zu finden sind.

Der Brückenheilige steht heute am Trockenen. In der Pfarrkirche haben gotische Elemente die Überhand. An der Außenmauer sind alte Grabsteine und das Ölbergrelief – um 1500 entstanden – zu finden.

Nach einem kleinen Spaziergang landen wir im prunkvollen Villenviertel in der Nähe des Melker Bahnhofs. Wien ist von dort aus übrigens in weniger als einer Stunde erreichbar und es ist wahrlich etwas ganz Besonderes, wenn ausgerechnet das sonst in den meisten Städten eher triste Bahnhofsviertel so glänzt. In diesem so genannten Cottage Viertel sind etwa zwei Dutzend wundervolle Häuser im neogotischen Stil zu entdecken. Unter anderen eine „Mustervilla“, die als Vorbild von gut betuchten Häuserlbauern besichtigt werden konnte. 1893 beauftragte die Sparkasse den Chefarchitekten des Wiener „Cottage-Vereins“, Carl von Borkowsky, diese zu errichten – zu finden in der Abt-Karl-Straße Nr. 6.

Die Mustervilla ist als Beispiel für alle folgenden Gebäude im Melker Cottage zu verstehen. 1901 beauftragte der Notar Hans Loos von Losimfeldt den Wagner-Schüler Josef Plečnik (1872-1957) mit dem Bau einer Jugendstil-Villa – heute „Loosvilla“ genannt.

Über den Stiftweg – oben beim Stift Melk waren wir ja bereits an Tag 1 unserer Sommerfrische – geht es zurück in Richtung Innenstadt. Beim Stadtwappen wird ein Erinnerungsfoto gemacht. Am Kolomann-Brunnen erzählt Stefan Scholz die tragische Geschichte des Stadtheiligen – ab ca. Minute 54 im Servus-Podcast nachzuhören. Besonders entzückt sind wir vom nahe gelegenen „Alten Brotladen“, in dem im 13. Jahrhundert die drei Melker Brotmacher abwechselnd ihre Ware verkaufen durften. Außerdem bot das kleine Haus, an dem übrigens nachträglich zwei Türmchen angebracht wurden, eine Unterkunft für Bäckerwitwen.

Wir schleichen – mit Erlaubnis versteht sich – in einen Innenhof in der Sterngasse mit atemberaubendem Blick auf das Stift. Im bemalten Fleischerhaus soll Richard Löwenherz einmal genächtigt haben. In der Mitte das alte Bäckerhaus. Im Zentrum der Stadt der Kolomani-Brunnen und das Stadtwappen.

Zum Abschluss unserer Stadtführung durch Melk kehren wir im Melker Rathauskeller ein und gönnen uns ein Mittagsmenü aus regionalen Zutaten. Dabei lassen wir die vielen Eindrücke Revue passieren und Harald weiß schon jetzt: Er muss mit seinen Kindern noch einmal herkommen, sie durch die kleinen Gässlein Melks führen und ihnen die geschichtsträchtigen Geheimnisse zeigen, die sie verbergen.

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