Nachspeise

Oma Ernas Reinkalan mit Honigbutter

Die Reinkalan hat sich Maria Dorners Oma bei den Gurktalern abgeschaut. So haben sie es auf den Esstisch ihrer Kindheit geschafft.

Kärnternische Reinkalan auf einer Servierplatte mit blauem Goldrand verziert, daneben steht ein Häferl mit angerührter Honigbutter.
Foto: Ingo Eisenhut
Die Reinkalan von Maria Dorners Oma Erna können auch pikant gegessen werden.  

Gut zu wissen:

  • Reinkalan kann man auch pikant mit Salat und als Beilage servieren.

Als Butter und Honig flossen

Ich seh sie heute noch da stehen, auf den Stufen vor dem Haus mit den vielen geheimen Winkerln. Das silberne Haar zum Dutt gebunden, die zarten Stoffballerinas an den Füßen, sommers wie winters, ein erstaunlicher Kontrast zu ihrem fülligen Körper.

Es muss ein Sonntag gewesen sein, denn am Sonntag haben wir bei der Feistritzer Oma zu Mittag gegessen. Ritschert und Einbrennsuppe, gefüllte Paprika und Rindsrouladen, „Nudelen“ – und manchmal auch meine heiß geliebten Reinkalan mit Honigbutter, ein typisches Kärntner Gericht aus dem Gurktal. Ich schließe die Augen und rieche die Butter, wie sie in der braunen Emaillepfanne vor sich hin schmilzt und dieser Duft als süßes Versprechen durch die Räume wabert.

Die Erna und das Kochen, das war eins

Nicht nur weil sie uns gerne verwöhnt hat – meine Oma war einst leidenschaftliche Hauswirtschaftslehrerin. Einfache Nachkriegsgerichte mussten es im Unterricht sein, kosteneffzient, schmackhaft und obendrein was fürs Auge. Und ja, das konnte sie. Dieser Kniff ist ihr ein Leben lang geblieben, auch später noch, als das Geld nicht mehr so knapp war und nur noch in der eigenen Küche gerührt wurde.

Lob wollte sie dafür keines, am tiefsten hat immer sie selbst gestapelt. So wie an meinem Geburtstag. Jahr für Jahr gab’s für die Party ein Blech Bananenschnitten. Jedes Mal perfekt, von der Glasur bis zum letzten Krümel, jedes Mal überreicht mit den Worten: „Diesmal sind sie nichts geworden!“

Während meine Oma sonntags am Herd stand, streiften wir Kinder durch die Dienstwohnung. Sie war ungewöhnlich geschnitten und grenzte direkt an den Turnsaal der Hauptschule, an der meine Großeltern früher unterrichtet haben. Ein großer, schmuckloser Bau, das Innenleben dafür umso aufregender. Ich erinnere mich an den versteckten Wandschrank hinter der Schiebetür, Heimat des Gruseltrolls Guggiwanzi – so wurde gemunkelt –, den wir in all den Jahren seiner bedrohlichen Existenz jedoch nie zu Gesicht bekommen haben. Und, natürlich, der Schnürboden, ein Relikt aus alten (Schul-)Tagen und später das Handarbeitsplatzl meiner Oma.

Hatten wir am großen Esstisch Platz genommen, hievte sie mit hochrotem Kopf die dampfenden Töpfe von der Küche im Erdgeschoß über die fast senkrechte Stiege. Helfen durfte ihr dabei keiner. Und auch nachdem die Köstlichkeiten aufgetragen waren, setzte sie sich nicht zu uns.

„Essen tu ich später“, sagte sie immer, und ja, sie hat Wort gehalten. Abends in der Badewanne Wurstsemmeln zu verputzen, gerne auch zwei oder drei, das war vor allem in den letzten Lebensjahren ihr persönliches Vergnügen. Dazu gab’s eine leicht verdauliche Illustrierte, viel mehr brauchte sie nicht zum Glücklichsein. Du hast es dir verdient, liebe Oma, lass es dir schmecken, wo immer du jetzt bist.

Zur Autorin: Maria Dorner schreibt (auch) für carpe diem und sehnt sich als Villacherin in Wien häufig nach der Kärntner Küche. Die traditionelle Kasnudel kommt ihr nur ordentlich gebraten auf den Teller – und ja, das Krendeln wird sie irgendwann schon noch lernen.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im September 2025 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
4 Portionen 25 Minuten
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Zutaten
250 g Magertopfen
4 g Salz
1 Prise Muskatnuss
30 g weiche Butter
50 g Sauerrahm
25 g Grieß
120 g glattes Mehl
je 1 EL Butter und Öl zum Braten
Für die Honigbutter
100 g weiche Butter
50 g guter Bienenhonig
1 Prise Zimt
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Zubereitung
  1. Topfen mit Salz, Muskatnuss, Butter und Sauerrahm glatt rühren. Grieß und Mehl untermengen und flott verkneten.

  2. Aus dem Teig zwölf bis sechzehn kleine Bällchen formen und flach drücken.

  3. In einer Pfanne Butter und Öl erhitzen und die ReinkaIan bei milder Hitze darin beidseitig anbraten.

  4. Für die Honigbutter die weiche Butter in einem Messbecher weiß-schaumig rühren. Honig zufügen und luftig aufschlagen. In kleine Schalen füllen und mit Zimt bestreuen.