Nachspeise

Hollerfleck aus Omas Kochbuch

Wenn es bei der Pinzgauer Annemarie-Oma vom Tom Wendlinger Hollerfleck gab, hing ein zarter Duft in der Küche. Man spürte die Leichtigkeit des Frühsommers, und die Großfamilie mampfte glücklich Blütensterne.

Hollerfleck, Teigfladen mit Holunderblüten auf einem Brett.
Foto: Eisenhut & Mayer
Süß und knusprig: der Hollerfleck von Tom Wendlingers Annemarie-Oma.  

Gut zu wissen:

  • Die Zutaten reichen für 1 rundes Kuchenblech mit 33 cm Durchmesser

  • Für einen dünnen Teig aus der angegebenen Menge zwei Hollerflecke backen.

Die Geschichte zum Oma-Rezept finden Sie unter der Anleitung.

Anzeige
Gesamtzeit
2 Stunden
Anzeige
Zutaten
300 g glattes Mehl
150–200 ml lauwarmes Wasser
18 g frische Germ
1 TL Salz
3 EL Rapsöl
Für den Guss
200 ml Obers
2 EL glattes Mehl
200 g Sauerrahm
2 EL guter Bienenhonig
1 Ei (Größe L)
1 Prise Salz
2–3 EL getrocknete Holunderblüten
Anzeige
Anzeige
Zubereitung
  1. Etwas Mehl in eine Schüssel sieben und in der Mitte eine Mulde formen. Die halbe Menge Wasser in die Mulde gießen und Germ hineinbröckeln. Mit einer Gabel zu einem Brei verrühren. Vorteig mit einem Küchentuch bedecken und an einem warmen Ort 10 Minuten gehen lassen.

  2. Restliches Wasser, Salz und Rapsöl zufügen und zu einem geschmeidigen, eher festen Teig verkneten. Abgedeckt an einem warmen Ort ca. 1 Stunde gehen lassen.

  3. Backofen auf 225 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

  4. Aufgegangenen Teig gleichmäßig auswalken und auf ein befettetes rundes Kuchenblech legen. Nochmals rund 20 Minuten gehen lassen.

  5. Für den Guss Obers und Mehl verrühren, Sauerrahm und Honig unterrühren. Ei verquirlen, salzen und unterschlagen.

  6. Germteig mit Guss bestreichen und die Holunderblüten großzügig darüberstreuen.

  7. Im vorgeheizten Backofen auf der zweiten Schiene von unten rund 12–15 Minuten ausbacken. Warm mit Most oder Apfelsaft servieren.

Sie hatte rote Wangen, war klein, ein bissl rundlich und trug immer eine Hausschürze, die so wild gemustert war, dass einem schwindlig wurde. Allein deshalb musste man schon lachen – meine geliebte Oma Annemarie war aber auch so eine stets fröhliche Frau und für jeden Schabernack zu haben. Ein Ei aus Gips stand schnell einmal am Jausentisch.

Grandiose Köchin

Gegessen wurde bei ihr ja immer gern, gepriesen für ihre Bratln und Knödel ebenso wie für ihre herrlichen Mehlspeisen. Von allen ihren Köstlichkeiten war mir der Hollerfleck am liebsten. Auch weil ich damit den Duft und die Leichtigkeit des Frühsommers verbinde.

Wer Oma folgt, der wird belohnt

In diesen Tagen, wenn die Holunderbüsche wieder weiß blühten, schwärmte die ganze Großfamilie aus, um die Dolden zu ernten. Jeder versuchte den anderen zu übertreffen und noch mehr zu sammeln. Schließlich wollten wir ja nicht nur Sirup daraus machen, sondern auch möglichst oft Omas Hollerfleck vorgesetzt bekommen.

Diesen süßlichen Hefeteigfladen, der alle glücklich machte. Und auch ein wenig stolz. Schließlich hatte ja jeder nicht nur fleißig bei der Ernte mitgeholfen, sondern auch Omas Anweisungen brav befolgt.

  • „Wir pflücken nur zur Mittagszeit bei Sonnenschein“, sagte sie immer, „weil da die Blüten ihr bestes Aroma entfalten.“

Sie kannte sich bestens aus, die Oma. Und sie achtete darauf, dass wir die Blütensterne behutsam abschnitten und nach einem Tag Ruhezeit vorsichtig abschüttelten, bevor sie an einem warmen, schattigen Ort ausgebreitet und luftgetrocknet wurden.

Wir Kinder wunderten uns immer, dass die Blüten am ersten Tag nach dem Sammeln noch unangenehm rochen, bevor sie am zweiten Tag ihren wohlbekannten Duft entwickelten, den wir so liebten. Und der dann auch die dunkle, kühle Vorratskammer durchströmte, wo die Blüten in Gläsern und Leinensäcken aufbewahrt wurden und auf ihre Bestimmung warteten.

Wenn dann der Germteig mit den eingestreuten Blüten in den Ofen geschoben wurde – bei nicht zu großer Hitze, damit die zarten Sterne nur ja nicht verbrannten –, konnten wir es kaum mehr erwarten, bis die frisch gebackene Köstlichkeit endlich aufgetragen wurde. Oft saßen dann auch die Nachbarskinder bei uns in der Küche, und jeder bettelte ungeduldig ums erste Stück. Für Schabernack war da ausnahmsweise kein Platz. Dafür nahmen wir das Hollerfleck-Essen zu ernst.

Zum Autor: Tom Wendlinger ist freier Journalist und lebt in Wien. Seine Kindheit verbrachte er im Pinzgau im Salzburger Land. Auf dem Bauernhof seiner Oma Annemarie genoss er die herrlichsten Köstlichkeiten.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Juni 2025 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

  • Tipp: Frisch geerntete Blütendolden in einer Steingutschüssel einen Tag stehen lassen, dann kann man die Blütensterne leicht von den Stängeln streifen. Anschließend die Blüten an einem warmen Platz lufttrocknen. In Leinensäckchen, luftdichten Gläsern oder Dosen kühl und dunkel aufbewahren.