Nachspeise

Clothis Tschoklad-Omelett

Das Tschoklad-Omelett von Julia Kropiks Wiener Clothi-Omi ist bodenständiger, als sie selber zu Lebzeiten war.

Scholkomelett halb zusammengeschlagen auf einem weißen Keramikteller mit blauem Muster, gefüllt mit Marillenmarmelade, darüber ist eine Schokosauce gegossen und alles mit gerösteten Mandelsplittern bestreut. Auf dem Teller liegt eine alte Silbergabel und daneben steht ein Glas Milch. Alles zusammen steht auf einem leicht gräulichem Tischtuch mit eingesticktem Blumenmuster.
Foto: Ingo Eisenhut
Das Tschoklad-Omlett von Julia Kropiks Oma wird es wohl in so manches Familienrezeptbuch schaffen, so gut wie es schmeckt.  

Es ist gar nicht so einfach, über jemanden zu schreiben, an den man sich kaum erinnert und den man hauptsächlich von vergilbten Fotos kennt. Zusammen mit den in unserer Familie kursierenden Anekdoten über meine Großmutter Clothilde, genannt Clothi, fügt sich dennoch ein Bild für mich zusammen.

Dieses zum Beispiel: Sie, die Linien eines langen Lebens ins Gesicht geschrieben, und ich, ein zweijähriges Mondgesicht mit Babyspeck, sitzen nebeneinander. Ich habe mir ihren exzentrischen grünen Filzhut aufgesetzt. Sie lächelt mich zurückhaltend an, ich schaue herausfordernd in die Kamera.

Dann sind da noch die alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die ich auf dem Dachboden gefunden habe. Da posiert Clothi anno 1920 stolz mit Pelzstola vor der Wiener Gloriette. Ein anderes zeigt sie gemeinsam mit meinem Opa Ernst vor der Hütte eines alten Weingartens. Sie etwas skeptisch, er sehr verliebt, beide sehr jung und sehr schön. Meine Oma Clothilde liebte Mode, Schmuck und Altaussee.

„Clothi wurde von meinem Opa ‚Schursei‘ genannt“

Warum, weiß ich nicht. Es kam oft vor, dass er, vor dem Empfangsgerät im Wohnzimmer, hinüber in die Küche rief: „Schursei, Moooode!“, wenn es im Fernsehen einen Bericht über die neuesten Kostüme gab. Clothi war außerdem Stammgast im Dorotheum, wo sie im Laufe ihres vierundachtzigjährigen Lebens kistenweise alten Schmuck erwarb.

Im Vergleich zu ihrem modischen Geschmack waren Clothis kulinarische Vorlieben eher deftig: Sie aß viel Fleisch, und eine ihrer Leibspeisen war Hirn mit Ei. Auch das Schoko-Omelett kommt recht bodenständig daher. Clothi war eine waschechte Wienerin, deswegen hieß es bei ihr auch „Tschoklad-Omelett“. Es kam abwechselnd mit böhmischen Süßspeisen wie Buchteln oder Powidltascherln auf den Tisch.

  • Der Teig soll beim Tschoklad-Omelett bitte nicht flaumig aufgehen wie ein Biskuit, sondern ein bisschen sitzen bleiben. Er darf sogar speckig sein. Wenn er dann noch die säuerliche Marillenmarmelade aufgesogen hat, schmeckt es am besten.

  • Die Schokoglasur darf man üppig drüber leeren, sie muss nicht fein säuberlich glatt gestrichen werden wie bei einer Sachertorte.

  • Dann noch ein paar geschälte Mandeln, frei von der Leber weg auf der Glasur platziert, das war’s schon mit der Deko.

Als Clothi nicht mehr lebte, ließ es sich auch mein Opa nicht nehmen, bei spontanen Besuchen eines zu backen. „Ich mach schnell ein Tschoklad-Omelett“, hieß es dann. Dazu gab es großzügig gezuckerten Schlag, der sogar meinen Schwestern, damals noch kleine Kinder, zu süß war. Es ist Clothis Schwiegertochter zu verdanken, dass es das Schoko-Omelett ins eher magere Süßspeisen-Repertoire von meinen Schwestern und mir geschafft hat.

Die Mengenangaben meiner Mutter sind, wie bei vielen versierten Bäckerinnen, recht vage. „Nach Gefühl halt“, sagt sie dann, und uns bleibt nichts anderes übrig, als es selbst auszuprobieren und zu lernen, wie so oft im Leben. Und wenn der Teig dann sitzen bleibt – umso besser!

Zur Autorin: Julia Kropik ist freie Journalistin und Redakteurin und unterstützt das Servus Online-Team. Ihr Interesse für Mode hat sie von der Oma geerbt – die Liebe zu deftigen Speisen definitiv nicht.

Dieses Rezept erschien in Servus in Stadt & Land im Oktober 2025 in der Rubrik „Aus Omas Kochbuch“.

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Menge Gesamtzeit
4 Portionen 40 Minuten
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Zutaten
20 g Butter
40 g glattes Mehl
250 ml Milch
50 g Schokolade (dunkel oder hell)
1 EL Kakao
4 Eier (Größe L)
2 EL Zucker
Marillenmarmelade (nicht zu süß)
Schokoglasur
geschälte Mandeln
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Zubereitung
  1. Butter in einem Topf schmelzen, Mehl einrühren und hell anschwitzen. Milch nach und nach mit einem Schneebesen einrühren und einmal kräftig aufkochen.

  2. Schokolade hacken, mit Kakao in der Einbrenn schmelzen lassen, glatt rühren und zugedeckt warm abkühlen lassen.

  3. Auf Backpapier vier Kreise mit ca. 15 cm Durchmesser anzeichnen und mit zerlassener Butter einfetten. Backrohr auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

  4. Eier trennen, Dotter verquirlen und unter die überkühlte Einbrenn rühren.

  5. Eiklar mit Zucker nicht ganz steif schlagen und unter die Schokomasse heben.

  6. Omelettmasse in die Kreise auf das Backpapier streichen, im Backrohr auf mittlerer Schiene 8–10 Minuten backen.

  7. Die warmen Omeletts mit möglichst saurer Marillenmarmelade bestreichen und einmal falten. Mit Schokoglasur und Mandeln dekorieren.