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Ausflüge

Die Nockberge: Sanfte Gipfel, Speickkramperl und Zirbenstamperl

Hochgebirge, aber auf sanfte Art und Weise: Auf Wanderwegen geht es durch lichte Nadelwälder und über sanfte Bergkuppen, in urigen Hütten locken Kas und Kaiserschmarrn zur Einkehr, und Kuriositäten wie ein altes Bauernbad lassen uns genießen wie früher.

Grasende Rinder vor der Bergkulisse. (Bild: Peter Podpera)
Foto: Peter Podpera
Grasen im Paradies – Rinder in den Nockbergen.

Noch einmal tief durchschnaufen. Bald ist der Aufstieg auf den Großen Königstuhl geschafft. Und oben, wo uns am Gipfelkreuz in 2.336 Metern Höhe der Wind um die Nase weht, wartet der wunderbare Ausblick auf die umliegende Bergwelt: Der Königstuhl bildet das Dreiländereck zwischen Kärnten, Steiermark und Salzbug.

Auf gemütlichen Touren mit der ganzen Familie, herausfordernden Mehrtageswanderungen wie dem Nockberge-Trail, oder zum reinen Genusswandern: Weiter, immer weiter wandern möchte man hier im Biosphärenpark Nockberge. Über saftige Almwiesen, durch duftende Zirbenwälder, vorbei an blitzblauen Seen und über sanfte Kuppen, die den Nockbergen ihren Namen verleihen: Die „Nocke“, oder „Nokhn“ – auch bekannt aus der Küche – bezeichnet in der Kärntner Mundart breite Rücken und sanfte, kuppenförmige Gipfel. Das macht die Landschaft auch so einprägsam, denn im Gegensatz zu vielen anderen Alpenregionen sind die Berge hier nicht schroff, sondern sanft geschwungen.

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Geologisch gesehen haben die Nockberge schon einige Jahre auf dem Buckel: Sie zählen zu den ältesten Mittelgebirgsformationen Europas und bilden eine einzigartige Hochgebirgslandschaft in den Gurktaler Alpen im Süden Österreichs. Ein großer Teil davon gehört zum Nationalpark Nockberge, der heute als UNSECO-Biosphärenpark geführt wird. Zur Region zählen unter anderem auch das beschauliche Bad Kleinkirchheim, der türkis-blaue Millstätter See oder die Nockalmstraße. Die 34 Kilometer lange Panoramastraße schlängelt sich in sanften Kurven durch die gerundeten Gipfel des Biosphärenparks, am Wegesrand warten Naturerlebnisse, Ausstellungen und Almhütten.

Flora und Fauna

Die Nockberge sind das Zuhause unzähliger Tiere und Pflanzen: Gämsen, Murmeltiere, Füchse und Birkühner fühlen sich in der geschützten Landschaft wohl. Mit etwas Glück kann man einen Alpensteinbock oder sogar Steinadler entdecken. Harzig duftende Fichten, Zirben und Lärchen trotzen Wind und Wetter. In Feuchtgebieten und Mooren gedeihen der Rundblättrige Sonnentau und das watteweiche Wollgras.

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Auf den saftig grünen Hügeln wachsen Besonderheiten wie das Alpenedelweiß, der tiefblaue Alpen-Enzian zieht alle Blicke auf sich, und dann ist da noch ein zurückhaltendes Mauerblümchen: der Speick. Seine wahren Werte liegen unter der Erde verborgen, da, wo er seine Wurzeln in die grasbewachsenen Hügel schlägt.

Speickkramperl und Wurzelöl

Der Echte Speick (oder auch Speik) kommt nur in den Alpen vor, oberhalb von 1.800 Metern Seehöhe, und ist hart im Nehmen. Ganz besonders wohl fühlt sich die besondere Pflanze auf den sanften Bergkuppen der Nockberge. Sie ist so typisch für die Region, dass es sogar geführte Speick-Wanderungen mit einem Biosphärenpark-Ranger gibt. Der Speick wird gerne in der Naturkosmetik verwendet. In den Raunächten war es üblich, Haus und Stall mit Speick, Wacholder und Palmbuschen auszuräuchern.

Im Biosphärenpark darf der seltene Speik mit Maß und Ziel geerntet werden. Traditionell geschieht das zwischen Mitte August und Mitte September mit dem „Speikkramperl“, einem speziellen Grabwerkzeug, mit dem das unscheinbare Pflänzchen samt Wurzel geerntet wird. Nach dem Trocknen im „Speick-Schober“ wird dann das wertvolle Wurzelöl gewonnen, das in Körperpflegeprodukten verarbeitet wird. Entlang der Nockalmstraße gibt es mehrere Hütten und Almen, die Speickprodukte verkaufen, zum Beispiel Duftsäckchen oder kleine Speick-Seifen. Und wo wir schon bei Körperpflege sind ...

Wellness, aber urtümlich

... schauen wir im Karlbad an der Nockalmstraße vorbei. Bei Hausmannskost und Höhenluft entspannt man hier seit gut 200 Jahren im Bauernbad im Kar. Statt ätherischer Klänge schallt das langgezogene „Bådn“ über die Alm: der Wirt ruft zum Bad. Nach einer traditionellen Methode wird Quellwasser in Lärchenholztrögen mit glühenden Bachsteinen auf rund 40 Grad erhitzt. Schon im 18. Jahrhundert empfahl der Gmündner Arzt und Forscher Anton Karl von Willburg das Wasser schwerarbeitenden Bauern, Holzfällern und Jägern. Heute kann man hier in sieben Doppelzimmern spüren, wie es anno dazumal zuging.

Die Zimmer werden von Petroleumleuchten und Kerzen erhellt, in der Küche wird mit Holz gekocht – und wie! Wem das angenehme Badewasser nicht reicht, der wird spätestens mit der heiligen Dreifaltigkeit der Kärntner Nudelküche glücklich: Kasnudel, Fleischnudel, Kletzennudel. Hinterher darf ein guter Zirbenschnaps nicht fehlen. In der Region wird er oft aus den saftigen, roten Zapfen der Zirbe selbst angesetzt.

Das Bauernbad der Familie Aschbauer. (Bild: Peter Podpera)
Foto: Peter Podpera
Die Bauern gehen schon seit Generationen ins Karlbad, um das Immunsystem zu stärken. Die Familie Aschbacher betreibt die urtümliche Almhüttenversion einer Wellnessoase schon seit mehr als 200 Jahren.

Brettljausn mit Weitblick

Ob als Ziel einer Wanderung, zur Stärkung auf einer anspruchsvollen Mehrtagestour, oder um hier für einige Tage so richtig auszuspannen: In vielen urigen Almhütten kann man die besten Schmankerl der Region verkosten. Dazu serviert die Natur ihr umwerfendes Panorama. Von der Alexanderalm auf 1.780 Metern zum Beispiel schaut man hinunter auf den klaren Millstätter See, der eingebettet zwischen den Nockbergen und einem bewaldeten Seerücken liegt.

In der von Uschi und Franz Glabischnig bewirtschafteten Alm und Bio-Sennerei kann man regionale Käsespezialitäten wie den Harber Kas verkosten. „Harb“ das bedeutet hier in den Nockbergen salzig. Dazu schmeckt der Käse herb und würzig – ein rustikales Gustostückerl.

Ausflüge, Wirtshaus, Alexanderhütte und Sennerei, Ausblick auf den Millstätter See, Kärnten
Foto: Fabian Sackl
Die Alexanderhütte glänzt mit grandiosem Ausblick auf den Millstätter See

Blutstropfen der Nockberge

Von der Alexanderalm startet auch der Sentiero dell´amore, der Weg der Liebe. Wer die Augen offenhält, kann auf der rund dreistündigen Wanderung zum Granattor ebensolche entdecken. Denn die Nockberge, besonders rund um die Millstätter Alpe, beherbergen eines der größten Granatvorkommen der Alpen. Granate gibt es auch im kristallklaren Kaningbach. Im Granatium schärft man seinen Blick – damit man die Edelsteine auch im Rohzustand erkennt. In der Erlebniswelt kann man auch unter Aufsicht schürfen und die gefundenen Granaten dann gleich schleifen lassen. Wer möchte, so rund, wie die Kuppen der Nockberge.

Besuch auf einem urigen Almparadies

„Rehe und Hirsche soll man schießen, e’ sie flüchten in den Wald, junge Mädchen soll man küssen, e’ sie runzlig werden und alt.“ So steht es geschrieben auf einem Spitzendeckerl im Gastzimmer auf der Lamprechthütte. Auf 1.700 Metern gleich unterm Langnock (2.109 Meter) kann sich der Hungrige die Forellen selbst aus dem Teich holen. Falls er Lust dazu hat. Ein uriges Almparadies mit 150 Kühen, 15 Pferden, grandioser Hüttenkost zwischen Kaiserschmarren und Schwarzbeerschnaps und einer Familie, die „bewusst auf den alten Charakter“ setzt.

Frische Forellen in der Bratpfanne. (Bild: Peter Podpera)
Foto: Peter Podpera
Die Forellen landen direkt vom Teich vor der Hütte in der Pfanne.

Harberkas kosten

„Harb“ sagt man in den Nockbergen für salzig, und der Harberkas ist salzig im besten Sinn des Wortes. Dazu herb, würzig, ein rustikales Gustostückerl, das es nur hier in der Gegend gibt. Susanne Winkler, die Bäuerin vom Glabatschhof, macht den Harberkas nach dem Rezept der Schwiegermutter. Am besten schmeckt er ganz schlicht – mit Bauernbrot und Butter. Ein grob gebröselter Geheimtipp der Kärntner Küche.

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