Kärntner Kirchtagsg’fühl – so feiern wir in Villach
Ganz Villach steht für eine Woche Kopf: 450.000 Besucher feierten am Kirchtag. Richard Deutinger ist mittendrin zwischen Party und Tradition. Was machen zum Beispiel die „Bauerngman“? Und warum werden hier über 100.000 Liter Suppe gekocht?
Heimatleuchten vom Villacher Kirchtag ist am Freitag, dem 14. August 2026, ab 20.15 Uhr bei ServusTV und ServusTV On zu sehen.
Sieben Tage lang ist die Villacher Altstadt im Ausnahmezustand. Über tausend Mitwirkende, 209 Aussteller und geschätzte 450.000 Besucher, 34 Fahrgeschäfte wie das Riesenrad und 611 Musikantinnen machen das Event zum größten Brauchtums-Fest Österreichs. Doch bevor gefeiert wird, braucht es vor allem eines: Menschen, die monatelang planen, aufbauen, kochen, schmieden, backen, tanzen und anpacken.
ServusTV-Moderator Richard „Richie“ Deutinger möchte genau diese Menschen kennenlernen. Er begleitet Schausteller beim millimetergenauen Aufbau ihrer Fahrgeschäfte mitten in der Altstadt, lernt mit den Kirchtagsladern das „Tuschn“, versucht die berüchtigte „Oje-Musik“ zu vermeiden, tanzt Kärntner Figurentanz und serviert Kirchtagssuppe, während draußen bereits hunderte Gäste auf ihren Platz warten. Außerdem fragt er nach: wie schaffen es die Kärntner eine Woche durchzufeiern? Und was ist am Kirchtag eigentlich schon Lustiges passiert? Heimatleuchten blickt hinter die Kulissen eines Festes, das seit Generationen ganz Kärnten bewegt – und erzählt von Menschen, die den Villacher Kirchtag nicht nur feiern, sondern mit Leidenschaft am Leben erhalten.
Die letzten Cowboys
Wenn Villach noch schläft, beginnt für Fritz Thurner und Ludwig Rieger der härteste Teil der Woche. Seit ihrer Kindheit reisen die beiden Schaustellerfamilien gemeinsam durchs Land. Nun müssen Riesenrad, Geisterbahn und Fahrgeschäfte mitten zwischen Häusern, Gastgärten und Kirchen aufgebaut werden.
Zentimeterarbeit statt grüne Wiese. Sogar geschlafen wird mitten auf dem Rummelplatz: „Um 1 ist Sperrstund. Bis 3 ist Radau und um 6 kommt die Kehrmaschine“, erzählt Fritz Richie in seinem Wohnwagen. Richie hilft beim Aufbau mit – und erfährt, warum Ludwig seinen Beruf bis heute den der „letzten Cowboys“ nennt.
300.000 Portionen Kirchtagssuppe
Bei Katharina Rainer dampfen schon Tage vor der Eröffnung drei riesige Suppenkessel. Während Richie versucht, die geheimen Zutaten der Villacher Kirchtagssuppe zu erraten, erzählt Katharinas Familie die Geschichte eines Rezepts, das seit den 1950er-Jahren zum Kirchtag gehört. Später schlüpft Richie selbst in die Rolle des Kellners und erlebt, wie aus einer Suppe ein Stück Kärntner Identität wird. Bloß nicht die Oje-Musik!
Seit 1950 ziehen die Bauerngman als Kirchtagslader durch Villach und laden Vereine, Betriebe und Ehrengäste offiziell zum Kirchtagsumzug ein. „Das Laden war ursprünglich ein Hochzeitsbrauch. Wir Bauerngman, haben das für den Kirchtag eingeführt – und bitten gleichzeitig um Unterstützung für unsere Sozialprojekte“, erzählt Kirchtagslader Alexander Tischler. Doch bevor Richie den Laderbuschn schwingen darf, muss er ihn erst selbst binden.
Anschließend begleitet er die Lader auf ihrer wohl spektakulärsten Tour: Mit einem Floß geht es über den Faaker See zu einer Insel, wo bereits die See-Eigentümer auf ihre offizielle Einladung warten. Nach einigen Stamperln soll Richie schließlich selbst mit dem Laderbuschn die Musikkapelle dirigieren. Ein falsches Zeichen – und statt der Polka erklingt die berüchtigte „Oje-Musik“.
Ein Herzerl für Richie
Auf einer Sandbank im Faaker See trifft Richie die Volkstanzgruppe Fürnitz. Die jungen Tänzer beherrschen den Kärntner Figurentanz – eine Choreografie mit mehr als zwanzig Figuren, die nur noch wenige Gruppen aufführen können. Richie wagt sich an Mühle, Herzerl und Schuhplattler und merkt schnell: Elegant schaut leichter aus.
Kärntnerisch für Fortgeschrittene
„Tscherfel“, „Strankalan“ oder „Potitze“ – das klingt für Uneingeweihte wahlweise nach Beschimpfung oder Zauberspruch, gehört in Kärnten aber ganz selbstverständlich zum Wortschatz. Beim Slowenenkirchtag entdeckt Richie nämlich, dass im Kärntner Dialekt jede Menge Slowenisch steckt. Richie stellt sich der Dialekt-Challenge und testet anschließend, ob auch die Kirchtagsbesucher wissen, woher ihre Wörter kommen.
Ganz Villach marschiert
Zum Finale zieht ganz Villach an einem Strang. Rund tausend Mitwirkende aus Kärnten, und dem Alpen-Adria-Raum machen den großen Trachtenumzug zum Höhepunkt der Kirchtagswoche. Richie versteht nach einer Woche voller Begegnungen, warum für viele Kärntner das schönste Reiseziel des Sommers nur wenige Kilometer von zuhause entfernt liegt.
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