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Garten

Zu Besuch im Rosengarten im Wienerwald

Einen Rosengarten stellt man sich eher zu einer noblen Villa oder einem Schlösschen vor. Aber in einem Waldgarten, geht das? Na klar, sagt Susanne Weber. Sie wohnt im Wienerwald.

Rosengarten im Wienerwald, blühende verschiedenen Rosen, es ist Sommer, alles steht in voller Blüte, mitten im Garten steht ein kleines Holzhäuschen mit weißgrünen Balken.
Foto: Helmut Mitter
Alte und moderne Rosensorten wurden in Gruppen gepflanzt und haben sich ordentlich vermehrt.

Die Wienerinnen und Wiener können sich glücklich schätzen: Sie haben ein bewaldetes Mittelgebirge vor der Haustür. Das Nordostende der Alpen, den Wienerwald. Kein Wunder also, dass er zum beliebtesten Wochenendausflugsziel der Städter gehört. Und nicht nur das. Viele haben sich hier, meist verborgen in dichten Wäldern, ihr kleines Naherholungs- und Ferienparadies geschaffen.

So auch Susanne Webers Großvater. Anfang der 1970er-Jahre verkaufte er seine wertvolle Briefmarkensammlung, um dafür ein Waldgrundstück im südwestlichen Wienerwald erstehen zu können. Der Opa ist auch schuld an Susannes Gartenbegeisterung. Neun Jahre alt war sie damals, als das Grundstück in den Besitz der Familie kam. Susanne Weber spürte gleich, dass sie das Garteln faszinierte. Da wurde Lavendel aus Stecklingen vermehrt, da wurden Kräuter, Gemüse und Apfelbäumchen gepflanzt und so der leicht verwilderte Garten nach und nach urbar gemacht.

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Das kleine Mädchen genoss das wilde Glück mit Kröten im Tümpel, Fledermäusen im Gebälk und Siebenschläfern am Dachboden. Und weil sie das alles so faszinierte, studierte sie schließlich Biologie und begann sich mehr und mehr für den Garten zu interessieren. Endgültig eine neue Welt eröffnete ihr dann die Lektüre englischer Gartenbücher und die erstaunliche Tatsache, dass es Pflanzen für den Schatten gibt.

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Gartenansicht. Fotos: Helmut Mitter

Denn der Garten liegt ja mitten im Wald und ist daher nicht sehr sonnig. Als dann auch noch der Chef dieses Gartens, der Opa, verstarb, ging es für Susanne richtig los mit der Gärtnerei. Sie entdeckte die Welt der Stauden, begann, nach Farben zu pflanzen und wie wild zu experimentieren.

„Rosen waren lange kein Thema“, er- zählt Susanne Weber. „Sie waren für mich lediglich so stachelige Dinger in Quietschorange oder Dunkelrot.“ Doch dann entdeckte sie die unglaubliche Vielfalt der Blumenkönigin durch die Bücher der beiden Rosenzüchter David Austin und Ingwer Jensen. „Alle meine Kenntnisse gewann ich aus den Gartenbüchern und aus tollen Katalogen“, gesteht Susanne.

Rosen waren für mich lange nur so stachelige Dinger in Quietschorange oder Dunkelrot.
Susanne Weber, Gartenbesitzerin

Maß das Grundstück, das seit fünfzig Jahren in Familienbesitz ist, ursprünglich etwas mehr als 1.000 Quadratmeter, so wurden im Lauf der Zeit dann Nachbargrundstücke dazugekauft. Heute ist das gesamte Areal etwa 5.000 Quadratmeter groß. „Früher haben wir mit der Sense gemäht, heute bin ich froh über meinen Akku-Rasenmäher“, gibt Susanne zu und lacht.

Als sie die Idee mit den Rosenpflanzungen hatte, mussten erst Hecken und Unterholz entfernt werden, um genügend Platz zu schaffen für die blühende Pracht, die ja meist nach Licht und Sonne verlangt. „Meine Lieblingsgattung“, plaudert Susanne aus dem Nähkästchen, „sind nach wie vor die Gallica-Rosen, auch Essig-Rosen genannt. Von Anfang an fasziniert haben mich auch die gemusterten Gallicas. Und die als Kartoffel- oder Apfelrosen bekannten Rugosa-Rosen verleiten ebenfalls zum Sammeln.“

Etwa 300 Rosenstöcke verleihen heute diesem Garten sein Gesicht. Natürlich erfreuen Susanne immer jene am meisten, die gerade üppig blühen und gut duften. Im Idealfall eignen sie sich auch noch zum Sirupmachen – wie zum Beispiel die Rose de Resht, die nicht nur schön anzuschauen, sondern auch schmackhaft ist.

Nahaufnahme einer rosa Wildrose mit einem geflecktem Schafbock
Foto: Helmut Mitter
Der Gefleckte Schmalbock aus der Familie der Bockkäfer erkundet eine Wildrose.

Dazwischen prägen Stauden wie Iris, Bartnelken und Pfingstrosen, Acanthus und Taglilien das feenhafte Gartenbild, das ganz besonders im Frühling verzaubert – denn dann sind die Dirndlsträucher mit zarten gelben Blütchen geschmückt und die Wiesen von Himmelschlüsseln und Buschwindröschen überzogen.

„Die Welt hier ist noch sehr in Ordnung“, freut sich Susanne über ihren geliebten Zufluchtsort. „Auch Kröten und die Vogelwelt, Fledermäuse und allerlei Kleingetier fühlen sich zu Hause.“ Doch die einstige Wildnis muss seit eh und je unter Kontrolle gehalten werden, die Lichtverhältnisse können sich nämlich von Jahr zu Jahr gravierend ändern – und manchmal reicht es für die Rosen nicht. Dann muss das Unterholz entfernt werden, damit die Rosen kinder Licht und Sonne bekommen.

Verschiedene Rosensorten. Fotos: Helmut Mitter

Ein Sommer im Pavillon

Wie aus dem Bilderbuch wirkt auch das Holzhaus, das über die Sommermonate Jahr für Jahr Susannes Zuhause ist. Es stammt noch von den Vorvorbesitzern des Gartens, ursprünglich war es ein hübscher Messepavillon aus den 1950er-Jahren.

Heute sind Susanne und ihre Familie froh über dieses märchenhafte Ferienhäuschen, das mittlerweile auch über eine vom Herd betriebene Zentralheizung und über ein Hauswasserwerk verfügt. Der Brunnen, der das Wasser spendet, wurde einst von einem Rutengänger gefunden. Auch wenn Susannes Garten das ganze Jahr über wie ein verzauberter Ort erscheint, jetzt, zur Rosenblüte ist er fast unwirklich schön. „Maria Lisa“, „Lykkefund“, „Charming Rose“, „Augusta Luise“, „Rosenresli“ und „Northern Lights“, um nur einige zu nennen, leuchten – eingefasst von alten Bäumen und Gehölzen – auf der Lichtung und lassen die Herzen eines jeden Betrachters höherschlagen.

Die alteingesessenen Rosen werden übrigens schon seit Jahren nicht mehr gedüngt, nur ab und zu gibt es eine Gabe sogenannter Effektiver Mikroorganismen – sie enthalten Bakterien, Pilze und Hefen – oder einfach ein wenig Kompost.

  • Und: Die Rosen werden so gut wie gar nicht gewässert. Dadurch wurzeln sie mittlerweile so tief, dass man sich auch im heißesten Sommer keine Sorgen machen muss.

Blühender Rosengarten. Fotos: Helmut Mitter

Abendlicher Unken-Gesang

Die leidige Blattlausbekämpfung dagegen obliegt in diesem Garten seit jeher den Vögeln, Florfliegen und Marienkäfern. Schon der Opa hat ja von Anfang an auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Susannes „Bio-Bibel“ ist bis heute „Der Biogarten“ von Marie-Luise Kreuter. Das Buch ist für die studierte Biologin, die heute als medizinische Übersetzerin arbeitet, ein wichtiger Praxis-Ratgeber.

Für die musikalische Umrahmung im Garten auf 600 Meter Seehöhe sorgen verlässlich die Gelbbauch-Unken im kleinen Weiher. Ihr abendlicher Gesang klingt geradezu romantisch. Und so endet der Tag in Susannes versteckt liegendem Häuschen im Wienerwald stets friedlich.

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