Pfingstrosen pflanzen und pflegen – mit Tipps von Michael Miely
Uns geht das Herz auf, wenn die Pfingstrose ihre Blüten für wenige Wochen öffnet. Pfingstrosen sind robust, langlebig und blühen jedes Jahr prächtiger. Was sie beim Pflanzen und Pflegen brauchen, erklärt Pfingstrosengärtner Michael Miely auf servus.com.
Inhalt
- 1. Pfingstrose im Kurzporträt
- 2. Welchen Standort braucht die Pfingstrose?
- 3. Wann und wie pflanzt man Pfingstrosen?
- 4. Wie pflegt und düngt man Pfingstrosen?
- 5. Welche Pflanzen passen gut zur Pfingstrose – und welche nicht?
- 6. Warum schließen sich manche Pfingstrosenblüten abends
- 7. Kann man Pfingstrosen aus Samen ziehen?
- 8. Was bedeutet Bodenmüdigkeit bei Pfingstrosen?
- Über den Pfingstrosengärtner: Michael Miely aus dem Eferdinger Becken
1. Pfingstrose im Kurzporträt
Wer liebt sie nicht, die herrlichen opulenten Blüten der Pfingstrose? Für jeden Farbgeschmack ist etwas dabei, denn es gibt tausende Sorten, die in Strauch- und Staudenpäonien unterschieden werden.
Andere Namen | Päonie, Benediktinerrose |
Familie | Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae) |
Herkunft | China |
Typen | Staudenpfingstrose, Strauchpfingstrose |
Blütezeit | Mitte April bis Mitte Juni |
Blütedauer pro Pflanze | ca. zwei Wochen |
Blütenfarben | Weiß, Beige, Gelb, Rosa und Rot in allen Nuancen, Dunkelviolett bis fast Schwarz |
Blütenform | einfach, halbgefüllt oder gefüllt |
Sorten | tausende; die Gärtnerei Miely im Eferdinger Becken kultiviert allein 430 Staudenpfingstrosensorten |
2. Welchen Standort braucht die Pfingstrose?
Pfingstrosen lieben die Sonne – und brauchen sie auch. „Zumindest einen halben Tag lang müssen die Pflanzen volle Sonne abbekommen", sagt Pfingstrosengärtner Michael Miely, „sonst bilden sie nur Blätter und keine Blüten.“ Ein Halbschattenplatz ist grundsätzlich möglich, volle Sonne ist aber die bessere Wahl.
Weniger verträglich sind Standorte neben großen Bäumen und Sträuchern: Sie bieten zu starke Konkurrenz um den Platz in der Sonne. Beim Boden gilt: normal, gut wasserdurchlässig, frei von Staunässe.
Besonderheit Strauchpäonie: Strauchpäonien sind frostempfindlich und brauchen windstille Plätzchen.
3. Wann und wie pflanzt man Pfingstrosen?
Gepflanzt wird im Frühling (April/Mai) oder im Herbst (September/Oktober). Der wichtigste Grundsatz beim Einsetzen: nicht zu tief pflanzen.
Die roten Triebaugen der Wurzeln sollten einer Redewendung nach „die Glocken läuten hören“ oder „die Sonne riechen können“ – sie dürfen nicht mehr als drei Zentimeter tief in den Boden kommen. Kommen sie tiefer, wartet man vergeblich auf Blüten.
Staudenpfingstrosen:
Pflanzgrube: ca. 60 × 60 cm und ca. 40 cm tief ausheben.
Wurzelstock drei bis vier Zentimeter unter Bodenniveau setzen.
Rote Triebaugen nicht mehr als 3 cm mit Erde bedecken.
Eine Handvoll Hornspäne als Dünger sorgt für einen guten Start.
Im ersten Winter nach der Pflanzung: Reisig als Winterschutz auflegen.
Strauchpäonien:
Pflanzloch ca. 60 cm tief, mit einer zehn Zentimeter dicken Drainageschicht aus Kies.
Die Veredelungsstelle kann zehn bis 15 Zentimeter unter der Erde sein.
4. Wie pflegt und düngt man Pfingstrosen?
Pfingstrosen gehören als traditionelle Bauerngartenbewohner zu den unkomplizierten, erstaunlich robusten Pflanzen: Weder Schnecken noch Wühlmäuse fallen über sie her, Pilzkrankheiten sind kein Thema. „Der einzige Feind der Pfingstrose ist der Rasenmäher“, weiß Michael Miely. „Wenn die Pflanzen frisch gesetzt sind, werden sie leicht übersehen, zumeist von den Männern, die den Mäher lenken ...“
Düngen:
Nach dem Austrieb empfiehlt es sich, zu mulchen und mit Mist zu düngen.
Mineralischer Dünger ist tabu: Er macht die Pflanzen „mastig“ – das heißt, sie bekommen wenig Blüten, dafür weiche Stiele und fallen später um.
Kompost nur sparsam verwenden. „Nach der Pflanzung werden sie zudem zwei bis drei Jahre nicht gedüngt und kaum gegossen. Dementsprechend robust sind unsere Pflanzen, berichtet Michael Miely aus der Praxis.“
Schnitt:
Strauchpäonien benötigen einen Rückschnitt zeitig im Frühjahr.
Sobald Pfingstrosen unten stark auskahlen, ist ein radikaler Rückschnitt nötig.
Frost: Sogar nach dem Austrieb im Frühjahr sind leichte Fröste von minus drei bis vier Grad kein Problem. Die Triebe hängen dann zunächst weich herunter, richten sich aber bald wieder auf.
5. Welche Pflanzen passen gut zur Pfingstrose – und welche nicht?
„Man soll kein reines Pfingstrosenbeet anlegen“, sagt Michael Miely, „sondern höchstens drei Stöcke je Sorte als Gruppe punktuell im Garten einsetzen und mit Stauden wie Storchschnabel, Frauenmantel oder Katzenminze kombinieren.“ Da eine einzelne Pflanze nur rund zwei Wochen blüht, lohnt es sich, Sorten mit verschiedenen Blütezeiten zu kombinieren: „Wenn man verschiedene Blütezeiten abstimmt, kann man von Mitte April bis Mitte Juni prächtige Pfingstrosen im Garten haben.“
Gute Nachbarn:
Vergissmeinnicht
Eisenhut
Bartnelken
Fingerhut
Traubenhyazinthen
Azaleen
Frauenmantel
Storchschnabel
Katzenminze
Schlechte Nachbarn für Pfingstrosen sind vor allem Pflanzen, die ihnen Licht, Wasser und Platz wegnehmen. Ungünstig sind:
Flachwurzelnde, „durstige“ Gehölze: z.B. Birke, Ahorn, Weide, Fichte, Thuja, große Sträucher wie Rhododendron oder Kirschlorbeer (nehmen Wasser und Nährstoffe, machen Schatten).
Stark wuchernde Stauden und Bodendecker: z.B. Bambus, Schilf, Giersch, Efeu, Ackerminze und Co – alles, was schnell einwächst und die Pfingstrose „überrennt“.
6. Warum schließen sich manche Pfingstrosenblüten abends, andere nicht?
Aufmerksame Pfingstrosenbesitzer kennen das Schauspiel: Manche Blüten schließen sich abends, andere bleiben die ganze Nacht über geöffnet – und das auf ein- und derselben Pflanze.
Die Antwort auf das Rätsel ist einfach:
Solange die Blüten noch nicht bestäubt sind, schließen sie sich bei Einbruch der Dunkelheit.
Wurden sie erfolgreich bestäubt und haben sie schon Samen angesetzt, geben sie sich auch bei Dunkelheit freimütig und bleiben offen.
7. Kann man Pfingstrosen aus Samen ziehen?
Ja – aber es braucht viel Geduld. Michael Miely erweitert sein Sortiment jedes Jahr mit Zufallssämlingen: Von interessanten Sorten nimmt er im Herbst Samen ab, doch schon die Keimphase dauert eineinhalb Jahre, und erst weitere sechs Jahre später zeigen sich Blüten am Feld. Vom ersten Anbau bis zum Verkauf vergehen insgesamt etwa 15 Jahre.
Welche Sämlinge es in den Katalog schaffen, entscheidet Miely nach klaren Kriterien: „Nur wenn die Blütenfarbe interessant ist, das Laub dunkel und kräftig und wenn die Stängel stark und aufrecht bleiben, selbst wenn die Blütenköpfe schwer werden, dann kann aus der weiteren Kultivierung etwas werden.“ Einen förmlichen Sortenschutz beantragt er dabei nicht: „Es gibt doch ohnehin schon tausende registrierte Sorten, meine muss ich nicht exklusiv schützen lassen. Im Gegenteil, ich fühle mich bestätigt, wenn sie anderen Gärtnern gefallen und sie auch dort vermehrt werden.“
So geht's Schritt für Schritt:
Im September, wenn die reifen Kapseln aufspringen, die Samen ernten.
Samen ein paar Tage lang im Schatten nachtrocknen lassen.
In eine Schale oder direkt in den Gartenboden in sandige Erde säen, etwa 2 cm tief.
Unbedingt etikettieren – bis zur Keimung im übernächsten Frühjahr vergehen eineinhalb Jahre.
Während dieser Zeit: Erde frei von Unkraut halten, bei großer Hitze gießen.
8. Was bedeutet Bodenmüdigkeit bei Pfingstrosen?
Wo schon zuvor eine Pfingstrose gewachsen ist, sollte keine neue Pflanze eingesetzt werden. Die sogenannte Bodenmüdigkeit führt zu einem Kümmerwuchs der neuen Pflanze. Es hilft hier auch nichts, Erde auszuheben und zu ersetzen – die Pfingstrose wurzelt sehr tief. Besser ist es, einen anderen Platz für die neue Pflanze zu suchen.
Generell gilt: Die oft erwähnte Regel, nach der Pfingstrosen am liebsten ihre Ruhe haben und möglichst nicht versetzt werden wollen, stimmt.
Über den Pfingstrosengärtner: Michael Miely aus dem Eferdinger Becken
Das väterliche Schuhgeschäft in Schwanenstadt war für Michael Miely nie ein Thema. Als Kind wollte er Pilot werden – oder Gärtner. Nach der Gartenbauschule in Langenlois absolvierte er seine ersten Berufsjahre in der Stadtgärtnerei von Vöcklabruck. Dort bestellte man irgendwann ein paar neue Pfingstrosensorten aus der deutschen Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin – und als die Blumen erblühten, sprang bei Michael der Funke über. Bald kultivierte er in seinem privaten Garten mehr als 200 Sorten der Gattung Paeonia.
Heute bewirtschaftet er gemeinsam mit seiner Frau Anneliese im Eferdinger Becken einen Familienbetrieb mit rund zwei Hektar und 430 Staudenpfingstrosensorten. „Es war immer schon so, dass in einer Landwirtschaft die Tiere die sonnigsten Plätze bekommen. Jetzt sind aber bei uns nicht mehr Kühe die Hauptdarsteller, sondern die Blumen“, sagt Miely. Von Anfang April bis Anfang Juli dauert die Verkaufssaison – Bestellungen treffen aus aller Welt ein, sogar aus Finnland. Als Richard-Wagner-Fan tauft Miely seine Neuzüchtungen nach Figuren aus dem „Ring des Nibelungen“: „Sigmund“, „Brünnhilde“, „Wotan“, „Freia“ – und natürlich „Siegfried“, so rot wie Drachenblut.
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