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Seltene Blumen: Wo sie wachsen und warum sie geschützt sind

Einige der schönsten Wildblumen Österreichs sind vom Aussterben bedroht. Wo man Edelweiß, Lungen-Enzian, Schachblume und Prachtnelke noch in freier Natur bestaunen kann.

Alpen-Edelweiss
Foto: Pixabay
Keine Pflanze in unserer Bergwelt ist so umrankt von Mythen wie das Alpen-Edelweiß.

Seltenes aus der heimischen Flora:

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1. Warum sind heimische Wildblumen bedroht?

Mehr als 60 Prozent der österreichischen Farn- und Blütenpflanzen stehen auf Roten Listen – das sind Listen gefährdeter Arten, die von der Naturschutzorganisation IUCN geführt werden. Die größte Bedrohung ist dabei nicht das Pflücken einzelner Exemplare, sondern die Zerstörung ganzer Lebensräume.

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Franz Essl vom Umweltbundesamt benennt die Ursachen: touristische Nutzung, das Entwässern von Feuchtwiesen, Umackern und Düngen von Böden. Verschwinden die für einzelne Arten lebensnotwendigen Biotope, nützt auch der Schutz einzelner Pflanzen wenig.

Dabei sind es genau diese Gewächse, die seit Jahrhunderten die Fantasie der Menschen befeuern – in Märchen, Legenden und der Volksmedizin. Schon Philippus Theophrastus Paracelsus, der berühmte Arzt des 16. Jahrhunderts, soll überliefert haben, dass alle Wiesen, Hügel und Berge Apotheken seien.

Verlassen liegt er ganz allein,
 An steiler Felsenwand. Das Edelweiß, so blutig rot,
 Hält fest er in der Hand.

2. Alpen-Edelweiß (Leontopodium nivale)

Blütezeit

Juli bis September

Schutzstatus

Streng geschützt

Besonderheit

Eine der am längsten geschützten Pflanzen Österreichs – seit 1886

  • Keine Pflanze in der österreichischen Bergwelt ist so sehr von Mythen umrankt wie das Alpen-Edelweiß. Was auf den ersten Blick wie weiße Blütenblätter wirkt, sind in Wirklichkeit die filzigen Hochblätter der Pflanze – ein feiner Unterschied, der dem Edelweiß noch nichts von seinem Zauber nimmt.

  • Die Blume ziert Münzen und Wappen. Kaiser Franz Joseph I. ließ das Edelweiß als Abzeichen auf Uniformen seiner Soldaten anbringen. Als magische Zutat von Liebeselixieren war es früh begehrt – und infolgedessen rasch bedroht.

  • Trotz des Schutzes seit 1886 bleibt es das Ziel von Souvenirjägern.

3. Lungen-Enzian (Gentiana pneumonanthe)

Blütezeit

Juli bis Oktober

Schutzstatus

Streng geschützt

Lebensraum

Feucht- und Streuwiesen

  • Blau blühen die meisten Arten der großen Enzianfamilie – so intensiv, dass ihre Blütenblätter in früheren Zeiten als Färbemittel verwendet wurden. Der Lungen-Enzian, benannt nach seiner volksmedizinischen Verwendung gegen Lungenleiden, war lange eine Leitpflanze auf Feucht- und Streuwiesen.

  • Heute ist er gefährdet, weil er so spät im Jahr blüht: Viele Landwirte warten nicht mit dem Mähen, bis die Blüte abgeschlossen ist. Vermehrte Mahd zählt damit zu den Hauptursachen für seinen Rückgang.

Lungenenzian, Servus, Blumen
Foto: mauritius images/ Erhard Nerger / imageBROKER
Der Lungenenzian hat eine bläuliche Färbung und blüht von Juli bis Oktober.

4. Kärntner Wulfenie (Wulfenia carinthiaca)

Blütezeit

Juli

Schutzstatus

Sehr selten, streng geschützt

Verbreitung

Weltweit nur auf ca. 10 km² am Kärntner Gartnerkofel

  • Wer im Sommer auf den Almen des Kärntner Gartnerkofels wandert, begegnet einem der seltensten Gewächse Europas: Die bläulich-violetten Blüten der Wulfenie leuchten dort in großer Zahl – aber eben nur dort. Weltweit wächst diese Wegerichpflanze auf gerade etwa zehn Quadratkilometern, dazu gibt es eine einzige Unterart auf dem Balkan.

  • Entdeckt wurde sie 1779 von Franz Xaver Freiherr von Wulfen, nach dem sie auch benannt ist. Ihr Volksname lautet Kuhtritt – weil das Weidevieh den Boden für ihre Triebe auflockert und so ungewollt zum Wachstum beiträgt.

Wulfenie, seltene Blumen, Servus
Foto: mauritius images/ Eckart Pott
Die Wulfenie zeichnet sich durch ein violettes Blütenkleid aus.

5. Schachblume (Fritillaria meleagris)

Blütezeit

April

Schutzstatus

Vom Aussterben bedroht

Bekannte Standorte

Großsteinbach (Oststeiermark), Luising (Südburgenland)

  • Im Volksmund heißt sie Rotzglockn – wegen der Tautropfen, die sich morgens in ihren hängenden Blüten sammeln. Ihr wissenschaftlicher Name Fritillaria stammt vom schachbrettartigen Muster der purpurnen Blütenblätter.

  • Im Barock war die Schachblume ein beliebtes Motiv der Blumenmalerei.

  • Heute zählt sie zu den am stärksten bedrohten Wildblumen Österreichs. Die Trockenlegung von Feuchtwiesen hat ihr vielerorts die Lebensgrundlage entzogen. Nur an wenigen, bekannten Standorten blüht sie im April noch in der freien Natur.

Schachblume Schachbrettblume
Foto: Pixabay
Der Name der Schachblume stammt von den hellen Vierecken, die sich an den purpurnen Blütenblättern abzeichnen.

6. Prachtnelke (Dianthus superbus)

Blütezeit

Juni bis September

Schutzstatus

Streng geschützt

Wuchs

Bis zu 60 cm hoch

Varianten

Feuchtwiesen- und Alpenvariante

  • Aus der Ferne wirkt sie ein wenig zerzaust, doch ihr Name hält, was er verspricht: Dianthus superbus bedeutet so viel wie erhabene göttliche Blume.

  • Die Prachtnelke blüht rosa bis hellviolett, ihre Kronblätter sind mindestens bis zur Hälfte tief geschlitzt – das verleiht ihr diese filigrane, fransige Erscheinung.

  • Angenehm duftend und bis zu 60 Zentimeter hoch, wächst sie in einer Feuchtwiesen- und einer Alpenvariante. Im Volksmund trägt sie wie andere Nelken den Namen Nagele – zurückzuführen auf das alte Wort Negelke für Nagel, das die schmalen Knospen beschreibt.

Prachtnelke, seltene Blumen, Servus
Foto: mauritius images/ Pitopia
Die Prachtnelke sieht zwar ein wenig zerrupft aus, aber genau das macht sie so besonders.

7. Wie sind seltene Wildblumen in Österreich geschützt?

Der Schutz seltener Wildblumen in Österreich ist auf drei Ebenen geregelt:

International Gefährdete Arten werden weltweit auf den Roten Listen der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur) geführt. In Europa definiert das Projekt Natura 2000 Schutzgebiete, wobei der Schutz ganzer Lebensräume Vorrang hat vor dem Schutz einzelner Arten.

Landesebene In Österreich ist der Naturschutz Landessache – die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland, auch weil manche Arten regional unterschiedlich verbreitet sind:

  • Teilweise geschützte Pflanzen dürfen nur in Handstraußmengen gepflückt werden; das Ausgraben unterirdischer Teile ist verboten.

  • Streng geschützte Arten (stark gefährdete oder vom Aussterben bedrohte) dürfen weder beschädigt noch von ihrem Standort entfernt oder gehandelt werden.

Regional In Naturschutzgebieten, National- und Biosphärenparks gelten die engsten Schutzregeln. Die geschützten Pflanzen sind dort meist auf Schautafeln vor Ort dargestellt.

8. Wo findet man seltene Wildblumen in Österreich?

Wir müssen uns auf eine lange Suche machen, um diese Schätze zu bewundern – ein bisschen so wie die Helden der Märchen. Doch wer weiß, wo er suchen muss, wird fündig:

  • Kärntner Berge, Gartnerkofel: Hier leuchten im Juli die bläulich-violetten Blüten der Kärntner Wulfenie

  • Oststeiermark, Großsteinbach: Im April blüht hier die Schachblume

  • Südburgenland, Luising: Einer der wenigen verbliebenen Standorte der Schachblume

  • Edlacher Moor: Das Karlszepter ragt hier stolz aus dem Moorland empor

  • Alpine Felsregionen: Das Edelweiß blüht von Juli bis September in höheren Lagen der Alpen

Wenn der Zauber der seltenen Blumen wirkt, verwandelt er uns – in staunende Wesen, die sich allein durch den Anblick der blühenden Schätze so beglückt fühlen wie die Helden der Märchen.

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