Johann Pum und seine Hinterglasmalerei aus Sandl

Zusammen mit seiner Frau Hildegund fertigt Johann Pum in seiner Malstube im Mühlviertler Ort wunderbare Hinterglasbilder.
Johann Pum, Hinterglasmalerei, Handwerk, Haussegen
Foto: Julia Stix
Johann Pum und seine kunstvolle Hinterglasmalerei.
Foto: Julia Stix

Eine uralte Tradition, jene der Hinterglasmalerei, wird in der kleinen Ortschaft Sandl in Oberösterreich gepflegt. Mit ruhiger Hand tauchen die beiden Pensionisten Johann und Hildegund Pum den Marderhaarpinsel in Öl- und Temperafarbe, um ihre Heiligenmotive nach alten Vorlagen zu vervollkommnen. Wie zum Beispiel das vom Heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jagd.

Johann Pum, Hinterglasmalerei, Handwerk, Haussegen
Foto: Julia Stix
Der Mühlviertler liebt die genaue Malarbeit.

Bei der Hinterglasmalerei muss jeder Strich sitzen

Johann und Hildegund legen sorgsam das dünne Glas auf den Riss. So heißt die Vorlage, die früher nur Heilige darstellte. Heute kann man auch moderne Themen bestellen. Bei der Hinterglasmalerei muss natürlich alles spiegelverkehrt gezeichnet werden. Mit Lack werden die Linien nachgezogen, bevor die Farbe die Flächen ausfüllt. Ganz zum Schluss versiegelt Johann Pum die Kunstwerke noch mit einer Hintergrundschicht. 

Johann Pum, Hinterglasmalerei, Handwerk
Foto: Julia Stix
Johann Pum beim Malen eines Haussegens - jeder Pinselstrich muss exakt ausgeführt werden.

Einst gab es in der Region Sandl übrigens an die 20 Werkstätten. Daher liegt die Tradition der Hinterglasmalerei dem Ehepaar Johann und Hildegund Pum am Herzen. Und jetzt in der Pension haben die beiden endlich genug Zeit dafür. Noch dazu leben sie auf historischem Boden. Ihr Haus war einst Heim und Werkstätte des Hinterglasmalers Vinzenz Köck. Im 19. Jahrhundert wurden hier bis zu 200 Bilder täglich gemalt.

Malerei mit Geschichte. Aus Nordböhmen eingewanderte Hinterglasmaler brachten das Handwerk nach Sandl, wo es zu einem wichtigen Wirtschaftszweig im nördlichen Mühlviertel wurde. Im 19. Jahrhundert stellten an die 20 Malereien in Sandl jene Bilder her, die von Hausierern in der gesamten Donaumonarchie und bis nach Russland verkauft wurden. In der Blütezeit des Handwerks gab es wohl keinen Herrgottswinkel ohne Sandlbild. Selbst in der russigsten Stube leuchtete die bunte Malerei hinter Glas, da man sie immer wieder feucht abwischen konnte.

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