Sapperlot, wohin sind Tollpatsch und Tausendsassa verschwunden? Da wird’s einem mitten im Lenz ja ganz blümerant. Sprache lebt, und viele Wörter tauchen eines Tages ab. Wir haben sie voller Nostalgie gehoben.

Und plötzlich spricht die Oma – von der nachdrücklichen Schnitzerlsehnsucht des Enkerls animiert – mit ruhiger Stimme: „Gemach, gemach, du Backfisch.“ Und ohne es zu wissen, öffnet sie mit dieser liebevollen Ermahnung den Deckel einer Schatzkiste, in der im wilden Durcheinander wertvolle Vergangenheit aufbewahrt wird.

Wörter sammeln sich da, viele Wörter, wohin der Blick in die Truhe auch fällt. Versunkene Wörter, die in Vergessenheit geraten sind. Und wenn sie dann doch eines Tages wie selbstverständlich hervorgeholt werden, offenbart sich eine sehr spezielle Melancholie.

Unsere Sprache lebt. Mit jeder Generation verändert sich die Art unserer Kommunikation, der Stil der Sätze, der Klang der Wörter. Und so kann es schon vorkommen, dass junge Menschen einander alterstypisch ihr Leben beschreiben, während Eltern und Großeltern größte Mühe haben, den Sinn der Erzählung zu erfassen. Aber umgekehrt ist es nicht anders.

Zwei Gustostücke verraten wir hier. Viele weitere sind in der neuen April-Ausgabe nachzulesen. Und wenn du magst, verrate uns deine ganz persönlichen liebsten fast vergessenen Wörter: redaktion@servus.com. Unsere Mundart-Expertin Ingeborg Geyer geht ihnen gerne auf den Grund.

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Firlefanz – Ein sinnloser Frohsinn

Virelai, so sieht der Ursprung aus, der ein bisserl wie die Verniedlichung eines Krankheitsbildes erscheint. Aber das ist weit gefehlt. Dabei handelt es sich nämlich vielmehr um ein altfranzösisches Tanzlied aus dem 14. Jahrhundert. Die mittelalterlichen Deutschen bevorzugten zur eigenen Ermunterung jedoch den Hüpftanz, und so hopst dann auch die Sprache munter umher. Und aus virelai wird firelei und später firlefei. Warum sich das fei irgendwann in ein fanz verwandelte, ist nicht genau überliefert. Die Spekulationen reichen von der Nähe zu vanz (als Bezeichnung für den Schalk) bis zur simplen Freude am Reim zu Tanz.

Bild: Andreas Posselt
Bild: Andreas Posselt

So oder so entwickelte sich daraus etwas Verrücktes, Schräges, durchaus Sinnbefreites, der heute allzu oft vernachlässigte Firlefanz. Also ein Wort, das am Ende auf gewisse Weise genau das bedeutet, wonach es klingt: nach Übermut und Tollheit ohne jede Notwendigkeit, aber doch mit fröhlicher Attitüde.

Luftikus – Ein Freigeist voller Leichtigkeit

Man mag sich einen Spaziergänger vorstellen, der sich beschwingt durchs Land bewegt, allenfalls ein Liedchen auf den Lippen, auf jeden Fall lächelnd dem Credo folgend: „Ach, wie schön das Leben doch ist.“ Der Luftikus ist ein Träumer, ein Freigeist voller Leichtigkeit. Kein Zufall, dass diese Charakterisierung in der Zeit der Romantik des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Bild: Andreas Posselt
Bild: Andreas Posselt

Damals wurde der Begriff luftig von spitzfindigen Studenten mit einer lateinischen Endung versehen und zur Typenbeschreibung umgewandelt. Denn der Luftikus neigt in seiner Unbeschwertheit freilich auch zum Übermut, und das hatte in Universitätskreisen durchaus Bestand. Aus unserer Sprache ist der Begriff weitgehend verschwunden, wie beispielsweise auch der Hallodri. Was auch daran liegen mag, dass uns der wolkig-fröhliche Zugang zum Alltag ein bisserl verlorengegangen ist. Den Luftikus in uns zu entdecken und gelegentlich spazieren zu führen kann also nicht schaden.

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